Dunkelwasserläufer fotografieren

Der Dunkelwasserläufer (Tringa erythropus) gehört für mich zu den besonders interessanten Limikolen Spaniens. Während ich einige andere Wasserläufer in bestimmten Feuchtgebieten recht regelmäßig beobachten konnte, waren meine Begegnungen mit dem Dunkelwasserläufer meist deutlich sporadischer. Häufig tauchte ein Vogel für einige Tage an einem Gewässer auf und war anschließend wieder verschwunden.

Meine Beobachtungen stammen sowohl aus küstennahen Feuchtgebieten als auch aus dem spanischen Binnenland. Gerade dort habe ich Dunkelwasserläufer immer wieder während der Zugzeiten an Lagunen und anderen geeigneten Gewässern entdeckt. Meist sehe ich einzelne Vögel, gelegentlich können aber auch zwei oder mehrere Tiere gleichzeitig an einer geeigneten Nahrungsfläche auftauchen.

Dunkelwasserläufer an einer Lagune in Spanien

Dunkelwasserläufer in Spanien

In Spanien ist der Dunkelwasserläufer vor allem Durchzügler und seltener Wintergast. Eine spanische Brutpopulation gibt es nicht. Seine Brutgebiete liegen wesentlich weiter nördlich und erstrecken sich über die arktischen und subarktischen Regionen Nordeuropas und Russlands.

Während des Vogelzugs erscheinen Dunkelwasserläufer an geeigneten Feuchtgebieten auf der Iberischen Halbinsel. Auch im Winter bleiben einzelne Vögel in Spanien. Die Winterverbreitung konzentriert sich besonders auf bestimmte Küstengebiete, doch auch an Feuchtgebieten im Landesinneren werden Dunkelwasserläufer regelmäßig nachgewiesen.

Meine eigenen Beobachtungen spiegeln diese wechselnde Anwesenheit gut wider. An einigen Gewässern habe ich einen Dunkelwasserläufer nur über wenige Tage gesehen. In solchen Situationen liegt für mich die Vermutung nahe, dass es sich um einen rastenden Durchzügler handelt, der anschließend seine Wanderung fortsetzt.

Lagunen, Flachwasser und überschwemmte Flächen

Außerhalb der Brutzeit nutzt der Dunkelwasserläufer unterschiedliche Feuchtgebiete. Dazu gehören Lagunen, Flüsse, Salinen, überschwemmte Flächen, Reisfelder und andere Gewässer mit geeigneten flachen oder schlammigen Bereichen. Dadurch kann die Art sowohl in Küstennähe als auch weit im Landesinneren auftauchen.

Dunkelwasserläufer im Morgenlicht in einer Lagune

Besonders interessant finde ich, dass sich der Dunkelwasserläufer bei der Nahrungssuche nicht immer unmittelbar am Ufer aufhält. Ich beobachte ihn häufig weiter im Wasser als viele andere Limikolen. Teilweise waten die Vögel so tief, dass das Wasser bis an den unteren Körper reicht.

Diese Art der Nahrungssuche ist für den Dunkelwasserläufer durchaus charakteristisch. Seine langen Beine erlauben ihm, Bereiche zu nutzen, die für kleinere Watvögel bereits relativ tief sind. Gelegentlich können Dunkelwasserläufer bei der Nahrungssuche sogar schwimmen.

Fotografisch entstehen dadurch andere Situationen als bei einem Vogel, der ausschließlich über eine freie Schlickfläche läuft. Beine und Füße verschwinden teilweise vollständig unter der Wasseroberfläche, während sich um den Körper Wellen und Reflexionen bilden. Gerade bei ruhigem Morgen- oder Abendlicht können solche Strukturen ein wichtiger Bestandteil des Bildes werden.

Dunkelwasserläufer bei der Nahrungssuche im Abendlicht

Ein ständig bewegliches Fotomotiv

Während der Nahrungssuche erlebe ich Dunkelwasserläufer häufig als sehr aktive Vögel. Sie laufen teilweise zügig durch das Wasser, ändern ihre Richtung und senken immer wieder den Kopf, um nach Nahrung zu suchen. Dadurch verändert sich die Körperhaltung innerhalb kurzer Zeit immer wieder.

Dunkelwasserläufer läuft durch flaches Wasser auf die Kamera zu

Für mich lohnt es sich deshalb, nicht jeder Bewegung mit der Kamera oder dem eigenen Standort hinterherzugehen. Wenn ich gut verborgen an einer geeigneten Stelle bleibe und beobachte, in welche Richtung der Vogel seine Nahrungssuche fortsetzt, kann er sich mit etwas Glück von selbst nähern.

Nahrung des Dunkelwasserläufers

Dunkelwasserläufer ernähren sich überwiegend von tierischer Nahrung. Verschiedene wirbellose Wassertiere bilden einen wichtigen Teil des Nahrungsspektrums, darunter Insekten und deren Larven, Würmer und kleine Krebstiere. Daneben können auch kleine Fische aufgenommen werden.

Dunkelwasserläufer bei der Gefiederpflege im Abendlicht

Bei der Suche nach Beute wird der lange, feine Schnabel immer wieder ins Wasser geführt. Dabei bleibt der Vogel häufig nicht lange an derselben Stelle, sondern durchquert einen geeigneten Bereich und sucht währenddessen kontinuierlich nach Nahrung.

Gerade diese Kombination aus langen Beinen, schlanker Gestalt und Nahrungssuche in tieferem Wasser unterscheidet die Bildwirkung oft von anderen Limikolen, die ich überwiegend unmittelbar an der Schlickkante fotografiere.

Vom hellen Schlichtkleid zum schwarzen Brutkleid

Besonders auffällig ist beim Dunkelwasserläufer der starke jahreszeitliche Wandel des Gefieders. Im Schlichtkleid wirkt die Art überwiegend hell. Die Oberseite ist grau, die Unterseite weitgehend weißlich, während Beine und Schnabelbasis rötliche Farbtöne zeigen.

Ganz anders sieht der Dunkelwasserläufer im Brutkleid aus. Dann wird das Gefieder am Kopf, Hals und Körper sehr dunkel bis nahezu schwarz. Helle Flecken auf der Oberseite setzen sich davon ab. Dadurch kann ein Dunkelwasserläufer im vollständigen Brutkleid auf den ersten Blick beinahe wie eine andere Art wirken.

In Spanien fotografiere ich Dunkelwasserläufer fast immer im helleren Schlichtkleid. Zu meinen seltenen Beobachtungen gehört dagegen, einen Dunkelwasserläufer hier im schwarzen Brutkleid zu sehen. Entsprechend spannend finde ich auch Vögel, bei denen bereits deutlich dunklere Gefiederpartien zu erkennen sind und sich der Übergang in Richtung Brutkleid andeutet.

Dunkelwasserläufer mit dunkler werdendem Gefieder

Dunkelwasserläufer oder Rotschenkel?

Im Schlichtkleid kann der Dunkelwasserläufer auf den ersten Blick mit dem Rotschenkel verwechselt werden. Beide Arten besitzen auffällig rötliche Beine und eine rötliche Färbung am Schnabel. Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich die Proportionen jedoch deutlich.

Der Dunkelwasserläufer wirkt schlanker und langbeiniger. Besonders charakteristisch ist sein langer und relativ feiner Schnabel. Der Oberschnabel ist überwiegend dunkel, während sich die rötliche Färbung vor allem an der Basis des Unterschnabels zeigt. Die Schnabelspitze kann leicht nach unten gebogen wirken. Der Rotschenkel besitzt dagegen einen kürzeren und kräftiger wirkenden Schnabel und erscheint insgesamt kompakter.

Im Schlichtkleid fällt beim Dunkelwasserläufer außerdem ein deutlicher heller Überaugenstreif auf. Auch im Flug gibt es einen hilfreichen Unterschied: Die auffällige weiße Flügelhinterkante des Rotschenkels fehlt beim Dunkelwasserläufer. Dieser zeigt stattdessen einen weißen Bürzel, der sich keilförmig auf den Rücken fortsetzt.

Allein oder in kleinen Gruppen

Bei meinen Beobachtungen treffe ich Dunkelwasserläufer meistens einzeln an. Gelegentlich stehen aber auch zwei oder mehrere Vögel auf derselben Nahrungsfläche. Selbst dann müssen sie nicht unmittelbar nebeneinander bleiben, sondern können mit etwas Abstand voneinander denselben Bereich nutzen.

Auch andere Limikolen können gleichzeitig an solchen Gewässern nach Nahrung suchen oder rasten. Für die Fotografie entstehen dadurch interessante Situationen, weil unterschiedliche Arten und Körperformen innerhalb desselben Lebensraums sichtbar werden.

Badender Dunkelwasserläufer neben einem Stelzenläufer

Dunkelwasserläufer fotografieren

Eine möglichst niedrige Perspektive gehört für mich auch beim Dunkelwasserläufer zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein ruhiges Bild. Befindet sich die Kamera ungefähr auf Augenhöhe des Vogels, löst sich der Hintergrund häufig stärker auf und der Dunkelwasserläufer bekommt im Bild deutlich mehr Präsenz.

Zwei Dunkelwasserläufer bei der Nahrungssuche

Die eigentliche Herausforderung liegt für mich weniger darin, einen stillstehenden Vogel zu fotografieren, sondern einen guten Moment während seiner ständigen Bewegung zu erwischen. Bei der Nahrungssuche läuft er häufig schnell durchs Wasser, verändert seine Kopfhaltung und führt den Schnabel immer wieder zur Wasseroberfläche oder darunter.

Dunkelwasserläufer watet durch tieferes Wasser

Deshalb wähle ich bei aktiven Vögeln eine ausreichend kurze Verschlusszeit und lasse den Autofokus kontinuierlich auf dem Vogel arbeiten. Die Augenerkennung kann dabei sehr hilfreich sein. Mit einer kurzen Bildserie kann ich anschließend genau die Aufnahme auswählen, bei der Blickrichtung, Schnabel, Körperhaltung und Schritt am besten zusammenpassen. Statt diese Einstellungen bei jedem Limikolen nach demselben Schema einzusetzen, passe ich sie an die jeweilige Situation und das Verhalten des Vogels an.

Morgen- und Abendlicht nutzen

Viele meiner Begegnungen mit Dunkelwasserläufern finden am Morgen oder gegen Abend statt. Das ist zunächst meine persönliche Beobachtung und bedeutet nicht, dass die Art ausschließlich zu diesen Tageszeiten aktiv ist. Fotografisch sind diese Stunden für mich jedoch besonders interessant.

Dunkelwasserläufer im orangefarbenen Abendlicht

Bei niedrigem Sonnenstand können sich Wasser und Vegetation stark verändern. Kühles Morgenlicht erzeugt eine vollkommen andere Stimmung als die warmen Reflexionen kurz vor Sonnenuntergang. Gleichzeitig kann ein kleiner Lichtreflex im Auge den Blick des Vogels deutlich lebendiger wirken lassen.

Ich versuche deshalb nicht immer, den Dunkelwasserläufer möglichst groß und freigestellt abzubilden. Gerade bei schönem Licht kann es interessanter sein, etwas mehr von der Wasserfläche und der Umgebung im Bild zu lassen. So entsteht neben dem Artenporträt auch eine Aufnahme, die etwas über die Atmosphäre des Lebensraums erzählt.

Weitere Wasserläufer fotografieren

Besonders interessant ist der Vergleich mit anderen Arten derselben Gruppe. Den Rotschenkel kann man im Schlichtkleid auf den ersten Blick mit dem Dunkelwasserläufer verwechseln. Auch der Grünschenkel, der Bruchwasserläufer und der Waldwasserläufer besitzen eigene Seiten mit meinen Beobachtungen und Tipps zur Fotografie.

Etwas anders gebaut, aber an ähnlichen Gewässern zu beobachten, ist der Flussuferläufer. Weitere Vogelarten mit eigenen Fotos, Beobachtungen und Informationen findest du in meiner Artenübersicht.

Die ersten Zeichen des Frühlings

Gerade während des Vogelzugs können sich die Arten an Spaniens Feuchtgebieten innerhalb kurzer Zeit verändern. Vögel, die nur wenige Tage an einem Gewässer rasten, gehören für mich zu den besonders spannenden Beobachtungen dieser Jahreszeit. Auch der Dunkelwasserläufer kann während seines Zuges plötzlich an geeigneten Lagunen, Flussläufen oder anderen Feuchtgebieten auftauchen.

Mehr über diese Zeit des Jahres und die Veränderungen in der spanischen Vogelwelt erfährst du in meinem Blogbeitrag Die ersten Zeichen des Frühlings.

Vogelfotografie in Spanien

Spanien bietet mit seinen Küsten, Feuchtgebieten, Steppen, Gebirgen und Binnengewässern sehr unterschiedliche Möglichkeiten für die Vogelfotografie. Einen Überblick über meine Angebote findest du auf der Seite Fotoreisen in Spanien.

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