Kampfläufer fotografieren

Der Kampfläufer (Calidris pugnax) gehört für mich zu den besonders interessanten Limikolen während des Vogelzugs in Spanien. Zu bestimmten Jahreszeiten begegne ich ihm regelmäßig, vor allem im Frühjahr. Dabei habe ich ihn sowohl in küstennahen Feuchtgebieten als auch im spanischen Binnenland beobachtet. Gerade an Lagunen in Zentralspanien können während des Zuges einzelne Vögel, kleine Gruppen und gelegentlich auch größere Trupps auftauchen.

Meist zeigen sich die Kampfläufer noch in ihrem eher unscheinbaren Schlichtkleid. Umso außergewöhnlicher ist es für mich, wenn ein Männchen bereits deutlich in Richtung des spektakulären Brutkleides entwickelt ist. Bei einem solchen Vogel fiel mir schon aus größerer Entfernung die intensive orangefarbene Färbung auf. Ich blieb verborgen an der Uferkante liegen und hoffte darauf, dass er näherkommen würde. Die Geduld zahlte sich aus: Der Kampfläufer lief schließlich zweimal an meiner Position vorbei und ermöglichte mir Aufnahmen aus sehr niedriger Perspektive.

Kampfläufer im sich entwickelnden Brutkleid in Spanien

Kampfläufer in Spanien

Der Kampfläufer ist in Spanien vor allem als Durchzügler und Wintergast anzutreffen. Ein großer Teil der Population überwintert weiter südlich in Afrika, doch auch in Spanien bleiben Kampfläufer während der Wintermonate. Besonders auffällig wird die Art während des Vogelzugs. Der Frühjahrszug findet vor allem im März und April statt, während der Herbstzug bereits im Spätsommer beginnt.

Außerhalb der Brutzeit nutzt der Kampfläufer unterschiedliche Feuchtgebiete. Dazu gehören schlammige Uferbereiche von Lagunen, Teichen und Flüssen, überschwemmte Flächen, Marschland und auch Reisfelder. In Spanien kommt er sowohl an der Küste als auch im Landesinneren vor. Gerade während des Frühjahrszuges lässt er sich auch regelmäßig an geeigneten Feuchtgebieten Zentralspaniens beobachten.

Meine eigenen Begegnungen im Landesinneren reichen von einzelnen Vögeln bis zu größeren Gruppen. Manche Kampfläufer bleiben über einen längeren Zeitraum in einem Gebiet sichtbar. Ob es dabei immer dieselben Individuen sind oder während des Zuges fortlaufend neue Vögel eintreffen, lässt sich bei der Beobachtung ohne individuelle Kennzeichnung natürlich nicht feststellen.

Kampfläufer am frühen Morgen an einer Lagune

Vom unscheinbaren Schlichtkleid zum auffälligen Brutkleid

Außerhalb der Brutzeit kann der Kampfläufer erstaunlich unscheinbar wirken. Grau-, beige- und braune Farbtöne bestimmen das Erscheinungsbild, während die Unterseite deutlich heller ist. Im Frühjahr verändert sich das Aussehen der Männchen jedoch grundlegend. Während der Mauser in Richtung Brutkleid treten zunehmend kontrastreiche Gefiederpartien und die charakteristischen Schmuckfedern hervor.

Kampfläufer zwischen trockenem Gras in Spanien

Besonders auffällig sind die verlängerten Federn an Hals und Kopf. Hinzu kommen beim geschmückten Männchen warzenartig wirkende Hautstrukturen im Gesichtsbereich. Farbe und Zeichnung können von Vogel zu Vogel enorm variieren. Schwarz, Weiß, Rostbraun, Orange und verschiedene Mischungen und Muster sorgen dafür, dass zwei Männchen vollkommen unterschiedlich aussehen können.

Drei unterschiedliche Strategien der Männchen

Noch außergewöhnlicher als die Farbvielfalt ist das Fortpflanzungssystem des Kampfläufers. Bei den Männchen existieren drei genetisch bestimmte Morphen mit unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien. Die sogenannten Independent-Männchen sind die häufigste Form. Sie tragen meist dunkleres Schmuckgefieder und verhalten sich an den gemeinschaftlichen Balzplätzen, den sogenannten Leks, territorial und aggressiv gegenüber anderen Independent-Männchen.

Kampfläufer im warmen Abendlicht einer Lagune

Daneben gibt es Satellite-Männchen. Ihre Schmuckfedern sind häufig heller beziehungsweise stärker weiß gefärbt. Sie verteidigen kein eigenes kleines Territorium auf dem Balzplatz und zeigen ein anderes Sozial- und Balzverhalten. Independent- und Satellite-Männchen können gemeinsam präsentieren, bleiben dabei aber Konkurrenten um die Weibchen.

Besonders ungewöhnlich ist die dritte Form: die seltenen Faeder-Männchen. Sie sind kleiner, entwickeln nicht das auffällige Schmuckgefieder der beiden anderen Formen und ähneln äußerlich Weibchen. Statt sich wie die geschmückten Männchen zu präsentieren, verfolgen sie eine alternative Fortpflanzungsstrategie. Der Kampfläufer ist damit ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie stark sich Männchen derselben Vogelart nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrem Verhalten unterscheiden können.

Warum heißt der Kampfläufer Kampfläufer?

Seinen deutschen Namen verdankt der Kampfläufer dem auffälligen Verhalten der Männchen während der Fortpflanzungszeit. In den nördlichen Brutgebieten treffen sich Männchen an gemeinschaftlichen Balzplätzen. Dort präsentieren sie ihr Schmuckgefieder mit ritualisierten Körperhaltungen und Bewegungen. Zwischen territorialen Männchen kommt es auch zu Auseinandersetzungen.

Die eigentlichen Brutgebiete liegen weit nördlich von Spanien und reichen von Nordeuropa über die arktischen und subarktischen Gebiete Eurasiens bis weit nach Russland. In Spanien beobachtet man deshalb vor allem Vögel auf dem Zug oder während der Überwinterung. Im Frühjahr können einzelne Männchen jedoch bereits deutliche Veränderungen zum Brutkleid zeigen.

Kampfläufer mit auffälliger Körperhaltung im trockenen Gras

Auch bei einer größeren Gruppe, die ich während des Frühjahrszuges beobachtete, kam es immer wieder zu kurzen Auseinandersetzungen und auffälligen Körperhaltungen zwischen einzelnen Vögeln. Solche Beobachtungen sind besonders spannend, weil sich bereits während des Zuges Verhaltensweisen zeigen können, die einen Vorgeschmack auf das spätere Geschehen in den nördlichen Brutgebieten geben.

Gruppe von Kampfläufern im Flug über einem Feuchtgebiet

Kampfläufer auf dem Vogelzug

Kampfläufer können während des Zuges einzeln auftreten, häufig sind aber auch kleinere oder größere Gruppen zu beobachten. Dabei teilen sie geeignete Rast- und Nahrungsflächen nicht selten mit anderen Limikolen. Für Fotografen können solche Ansammlungen besonders interessant sein, weil sich neben ruhenden und Nahrung suchenden Vögeln auch Interaktionen innerhalb der Gruppe beobachten lassen.

Bei einer meiner Beobachtungen hielt sich ein größerer Trupp mit schätzungsweise 30 bis 50 Kampfläufern an einem Feuchtgebiet auf. Im Flug war besonders gut zu erkennen, wie unterschiedlich einzelne Vögel zu dieser Jahreszeit bereits gefärbt waren. Gerade im Frühjahr kann eine Gruppe deshalb einen interessanten Querschnitt verschiedener Gefiederzustände zeigen.

Nahrung des Kampfläufers

Die Nahrung besteht zu einem großen Teil aus Wirbellosen. Dazu gehören vor allem Insekten und deren Larven, aber auch andere kleine wirbellose Tiere. Außerhalb der Brutzeit spielt zusätzlich pflanzliche Nahrung wie Samen eine Rolle. Dadurch kann der Kampfläufer unterschiedliche Nahrungsflächen nutzen.

Kampfläufer bei der Nahrungssuche im tieferen Wasser

Bei der Nahrungssuche läuft er häufig an schlammigen Uferbereichen entlang, nimmt Beute von der Oberfläche auf oder stochert mit dem relativ kurzen Schnabel im weichen Untergrund. Er beschränkt sich dabei nicht immer auf die unmittelbare Uferkante. Kampfläufer können auch weiter ins Wasser hineinwaten und bei der Nahrungssuche den Kopf ins Wasser eintauchen.

Kampfläufer fotografieren

Für meine Aufnahmen versuche ich, möglichst auf Augenhöhe mit dem Kampfläufer zu gelangen. Eine niedrige Position sorgt nicht nur für eine natürliche Perspektive, sondern kann auch Vorder- und Hintergrund stärker auflösen. Pflanzen, Wasser und Uferstrukturen verschwimmen dadurch zu ruhigen Flächen, während der Vogel deutlich hervorgehoben wird.

Geduld ist dabei oft wichtiger als eine schnelle Annäherung. Gerade ziehende Kampfläufer habe ich in Spanien häufig als aufmerksam und eher vorsichtig erlebt. Beim auffällig gefärbten Männchen meines Titelfotos blieb ich deshalb an meiner Position verborgen und wartete ab. Der Vogel bestimmte selbst die Distanz und lief schließlich zweimal an mir vorbei. Solche Situationen ermöglichen wesentlich natürlichere Aufnahmen, als wenn man versucht, einem Vogel zu folgen.

Kampfläufer können bei der Nahrungssuche schnell an der Uferkante entlanglaufen und ihre Körperhaltung innerhalb weniger Augenblicke verändern. Eine kurze Verschlusszeit, kontinuierlicher Autofokus beziehungsweise Augenerkennung und Serienaufnahme helfen mir deshalb besonders bei aktiven Vögeln. Aus einer kurzen Bildserie lässt sich anschließend die Aufnahme auswählen, bei der Schritt, Kopfhaltung und Körperposition am besten zusammenspielen.

Kampfläufer im Übergang zum Brutkleid im flachen Wasser

Belichtung und Lichtstimmung

Gerade bei Kampfläufern im sich entwickelnden Brutkleid können innerhalb eines Vogels sehr helle und deutlich dunklere Gefiederpartien zusammentreffen. Die Belichtung sollte deshalb so gewählt werden, dass helle Bereiche ihre Struktur behalten, ohne dass dunklere Gefiederpartien vollständig an Zeichnung verlieren.

Besonders gerne fotografiere ich solche Situationen am frühen Morgen oder am Abend. Flaches Licht kann die Struktur des Gefieders betonen und gleichzeitig die Wasseroberfläche stark verändern. Gerade warme Reflexionen einer Lagune können aus einer einfachen Beobachtung eine atmosphärische Aufnahme machen, ohne dass dafür besonderes Verhalten notwendig ist.

Weitere Limikolen fotografieren

An Spaniens Feuchtgebieten lässt sich der Kampfläufer zusammen mit zahlreichen anderen Limikolen beobachten. Weitere Arten und Fototipps findest du unter anderem auf meinen Seiten zum Rotschenkel, Dunkelwasserläufer, Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Waldwasserläufer und zum Flussuferläufer.

Weitere Vogelarten findest du außerdem in meiner Artenübersicht.

Die ersten Zeichen des Frühlings

Gerade der Frühjahrszug gehört für mich zu den spannendsten Zeiten für die Vogelfotografie in Spanien. Arten kehren zurück oder ziehen auf ihrem Weg in die nördlichen Brutgebiete durch das Land, während sich bei manchen Vögeln bereits die ersten Veränderungen zum Brutkleid beobachten lassen.

Mehr über diese Jahreszeit und meine Beobachtungen erfährst du in meinem Blogbeitrag Die ersten Zeichen des Frühlings in Spanien.

Vogelfotografie in Spanien

Du möchtest weitere Möglichkeiten zur Vogel- und Naturfotografie kennenlernen? Einen Überblick über meine Angebote findest du auf der Seite Fotoreisen in Spanien.

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