Die Dohle (Coloeus monedula) gehört zu den Rabenvögeln, die mir in Spaniens offenen Landschaften immer wieder begegnen. Besonders häufig kenne ich sie aus Agrargebieten, Weidelandschaften und trockenen, halboffenen Regionen. Gleichzeitig ist sie eng mit dem Menschen verbunden und nutzt in Dörfern und Städten alte Gebäude, Kirchtürme, Mauern und andere Strukturen als Brutplatz.
Schon aus einiger Entfernung fallen Dohlen häufig durch ihre charakteristischen hellen Rufe auf. Sie klingen für mich deutlich weicher und höher als die Rufe größerer Krähenvögel. Dazu kommt ihr ausgeprägtes Sozialverhalten: Nur selten nehme ich eine Dohle über längere Zeit vollkommen isoliert wahr. Häufig sind mehrere Vögel gemeinsam unterwegs oder größere Schwärme suchen auf Feldern nach Nahrung.
In Spanien ist die Dohle auf weiten Teilen der Iberischen Halbinsel verbreitet, allerdings keineswegs überall gleich häufig. Sie bevorzugt zur Nahrungssuche offene Landschaften mit Äckern, Weiden, Dehesas und anderen landwirtschaftlich geprägten Flächen. Dichte Wälder und ausgeprägte Gebirgsregionen spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle.
Bei meinen Beobachtungen treffe ich Dohlen vor allem in offenen Agrarlandschaften und teilweise auch in ausgesprochen trockenen, steppenartigen Gebieten an. Im Gebirge begegnen sie mir dagegen kaum. Besonders interessant finde ich Landschaften, in denen alte Dörfer, Ruinen oder andere Gebäude unmittelbar an offene Felder grenzen. Dort finden die Vögel sowohl geeignete Möglichkeiten zur Nahrungssuche als auch potenzielle Brutplätze in Gebäuden und anderen Strukturen.
Zur Nahrungssuche sind Dohlen häufig am Boden unterwegs. Zum Brüten benötigen sie dagegen geeignete Hohlräume und Spalten. Natürliche Brutplätze finden sie beispielsweise in Felswänden und Baumhöhlen. Gleichzeitig haben sie sich an vom Menschen geschaffene Strukturen angepasst und nutzen alte Gebäude, Ruinen, Mauern, Brücken und andere geeignete Hohlräume.
Gerade in kleineren spanischen Dörfern habe ich immer wieder beobachtet, wie Dohlen an alten Steingebäuden und unter Dächern verschwinden. Ein äußerlich unscheinbares Loch oder eine Spalte kann Zugang zu einem geschützten Brutplatz im Inneren eines Gebäudes bieten.
Dohlen brüten häufig in Kolonien. Geeignete Gebäude oder Felsbereiche können deshalb von mehreren Paaren gleichzeitig genutzt werden. Männchen und Weibchen sehen sich äußerlich sehr ähnlich, sodass sich das Geschlecht eines einzelnen Vogels anhand eines Fotos normalerweise nicht zuverlässig bestimmen lässt.
Das Sozialleben gehört für mich zu den interessantesten Eigenschaften der Dohle. Die Vögel sind nicht nur während der Brutzeit häufig gemeinsam anzutreffen. Auch bei der Nahrungssuche bilden sie Gruppen, und außerhalb der Brutzeit können sich zahlreiche Dohlen zu größeren Schwärmen zusammenschließen.
Besonders auffällig wird dieses Verhalten an gemeinsamen Schlafplätzen. Im Winter können sich Dohlen abends in großer Zahl sammeln und gemeinsam die Nacht verbringen. Untersuchungen auf der Iberischen Halbinsel zeigen außerdem, dass solche Schlafplätze häufig mit anderen Vogelarten geteilt werden. Dadurch können große gemischte Ansammlungen entstehen.
Auch innerhalb kleinerer Gruppen lohnt es sich, einzelne Vögel länger zu beobachten. Dohlen reagieren aufeinander, halten Kontakt und verändern immer wieder ihre Position. Dabei können sich interessante Situationen und Interaktionen ergeben, die sich auch fotografisch gut festhalten lassen.
Dohlen sind opportunistische Allesfresser, besitzen im Vergleich zu vielen anderen Rabenvögeln aber einen relativ hohen pflanzlichen Anteil in ihrer Nahrung. Auf landwirtschaftlichen Flächen nehmen sie unter anderem Getreide, Samen, Hülsenfrüchte, Oliven und andere Früchte auf. Gleichzeitig suchen sie nach tierischer Nahrung wie Heuschrecken, Käfern, Regenwürmern und Schnecken.
Gelegentlich erbeuten Dohlen auch kleine Wirbeltiere wie Eidechsen oder Mäuse. Auch Eier und Jungvögel anderer Vogelarten können zum Nahrungsspektrum gehören. Während der Jungenaufzucht gewinnt proteinreiche tierische Nahrung, insbesondere in Form von Wirbellosen, an Bedeutung.
Ich habe Dohlen außerdem schon an kleinen toten Tieren beobachtet, beispielsweise an einer toten Maus. Aas kann also genutzt werden, spielt bei der Dohle aber eine geringere Rolle als bei manchen anderen Rabenvögeln. Viel typischer ist für mich die Beobachtung von Dohlen, die gemeinsam über offene Felder laufen und den Boden nach Nahrung absuchen.
Aus der Nähe ist die Dohle unverwechselbarer, als ihr auf den ersten Blick fast schwarzes Erscheinungsbild vermuten lässt. Besonders auffällig ist bei adulten Vögeln die sehr helle Iris, die blass blau bis beinahe weiß erscheinen kann. Dazu kommt der charakteristische graue Nacken, der sich vom deutlich dunkleren Scheitel und den schwarzen Partien des Gefieders absetzt.
Je nach Licht kann sich die Wirkung des Gefieders stark verändern. Im Schatten erscheinen Dohlen beinahe schwarz, während gutes Licht feinere graue Abstufungen sichtbar macht. Warme Morgen- oder Abendsonne kann den dunklen Federn zusätzlich einen leicht bräunlichen Eindruck verleihen, ohne dass es sich deshalb um eine andere Gefiederform handelt.
Junge Dohlen ähneln den Altvögeln grundsätzlich bereits, wirken jedoch zunächst matter. Besonders interessant ist die Entwicklung der Augenfarbe: Das auffallend helle Auge adulter Dohlen entsteht erst mit zunehmendem Alter. Dadurch kann das Gesicht eines jungen Vogels deutlich anders wirken als das eines ausgewachsenen Tieres.
Die spanischen Dohlen sind überwiegend Standvögel und können das ganze Jahr über beobachtet werden. Generell nimmt die Zugneigung der Art nach Norden zu, während die Populationen im Süden Europas weitgehend sesshaft sind. Junge Vögel können sich stärker aus ihrem Herkunftsgebiet entfernen als etablierte Altvögel.
Standvogel bedeutet allerdings nicht, dass sich Dohlen während des gesamten Jahres immer am selben Ort und auf dieselbe Weise verhalten. Während der Brutzeit konzentriert sich ein Teil ihrer Aktivität auf die Brutkolonien. Außerhalb dieser Zeit können Nahrungssuche und gemeinsame Schlafplätze zu deutlich größeren Ansammlungen führen.
Ein Foto entstand an einer geschützten Fläche, an deren Rand eine Dohle ausgerechnet ein Hinweisschild als Warte nutzte. Die katalanische Aufschrift „Finca gestionada amb finalitats ambientals, si us plau no passeu“ weist sinngemäß darauf hin, dass die Fläche zu Umwelt- beziehungsweise Naturschutzzwecken bewirtschaftet wird und nicht betreten werden soll. Auch die Symbole darunter machen deutlich, dass Fahrzeuge, Fußgänger und Hunde draußen bleiben sollen. Solche geschützten Bereiche finde ich gerade in offenen Landschaften interessant, weil dort größere Flächen bewusst vor menschlichen Störungen bewahrt werden.
Große Dohlenansammlungen können leicht den Eindruck vermitteln, dass es der Art überall gut geht. Die langfristige Entwicklung in Spanien zeichnet jedoch ein anderes Bild. Die Bestände sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen, und die Dohle wird im spanischen Rotbuch als gefährdete Art geführt.
Besonders Veränderungen in der Agrarlandschaft spielen dabei eine wichtige Rolle. Eine intensivere Landwirtschaft kann das Angebot an Insekten, Samen und anderen Nahrungsquellen reduzieren. Gleichzeitig sind geeignete Brutplätze und traditionelle Landschaftsstrukturen für die Art von Bedeutung. Der Rückgang zeigt, dass selbst ein gesellig auftretender und lokal zahlreicher Vogel nicht automatisch einen stabilen Bestand besitzen muss.
Dohlen sind für mich besonders interessante Fotomotive, weil sich ruhige Porträts und Verhaltensaufnahmen sehr gut miteinander verbinden lassen. Häufig sitzen einzelne Vögel für einige Zeit auf Mauern, Ästen, Steinen oder Gebäuden. In solchen Situationen ist keine extrem kurze Verschlusszeit notwendig, solange die Dohle ruhig bleibt.
Bei aktiven Vögeln arbeite ich dagegen gerne mit kürzeren Verschlusszeiten und Serienaufnahmen. Auch wenn Dohlen nicht ständig hektische Bewegungen zeigen, können ein Abflug, eine Interaktion mit einem anderen Vogel oder eine schnelle Veränderung der Körperhaltung innerhalb weniger Augenblicke stattfinden. Eine kurze Serie erhöht dann die Chance auf genau die Flügel-, Kopf- oder Körperhaltung, die für das Bild am besten funktioniert.
Ein zuverlässiger Augenfokus ist ebenfalls hilfreich. Gerade das außergewöhnlich helle Auge ist ein wesentliches Merkmal der Dohle und kann einem Porträt sehr viel Ausdruck verleihen. Bei seitlichem Licht oder einem leicht zur Kamera gedrehten Kopf tritt die Iris besonders deutlich hervor.
Gleichzeitig achte ich bei dem dunklen Gefieder auf die Belichtung. Wird eine Dohle zu stark unterbelichtet, verschwinden die feinen Strukturen schnell in beinahe schwarzen Flächen. Günstiges Licht kann dagegen die unterschiedlichen Grau- und Schwarztöne sichtbar machen und die Struktur der Federn deutlich hervorheben. Dabei sollte natürlich auch darauf geachtet werden, dass sehr helle Bereiche im Bild nicht unnötig ausbrennen.
Am spannendsten finde ich es, eine Gruppe zunächst eine Weile zu beobachten. Oft lässt sich abschätzen, welche Warten regelmäßig genutzt werden oder wo mehrere Vögel gemeinsam nach Nahrung suchen. Dadurch entstehen nicht nur klassische Porträts, sondern auch Bilder, die etwas über das Sozialverhalten und den Lebensraum der Dohle erzählen.
Offene Agrarlandschaften gehören für mich zu den abwechslungsreichsten Lebensräumen für die Vogelfotografie in Spanien. Neben Dohlen lassen sich dort zahlreiche weitere Arten beobachten. Unter den Rabenvögeln ist beispielsweise auch die Blauelster ein interessantes Motiv, auch wenn sie andere Lebensräume und Verhaltensweisen zeigt.
Weitere Arten aus Spaniens unterschiedlichen Landschaften findest du in meiner Artenübersicht. Wenn du wissen möchtest, welche Vogelarten sich zu unterschiedlichen Zeiten des Jahres beobachten lassen, findest du zusätzliche Informationen in meiner Jahreszeitenübersicht zur Vogelfotografie in Spanien.
Dohlen gehören zu den Vogelarten, die mir auf meinen Fotoreisen durch die offenen Landschaften Spaniens immer wieder begegnen. Besonders in landwirtschaftlich geprägten Gebieten bieten sich gute Möglichkeiten, die Vögel auf Feldern, an alten Gebäuden oder auf ihren bevorzugten Warten zu beobachten und zu fotografieren.
Auch auf meiner Fotoreise La Mancha – Vogelvielfalt im Frühling können Dohlen zu den möglichen Motiven gehören. Im Mittelpunkt der Reise steht dabei nicht eine einzelne Art, sondern die vielfältige Vogelwelt der offenen spanischen Landschaften und die Möglichkeit, unterschiedliche Arten in ihrem natürlichen Lebensraum zu fotografieren.
Weitere Reisen und Möglichkeiten für die Vogelfotografie findest du in meiner Übersicht zu den Fotoreisen in Spanien.
Du möchtest die Dohle und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.