Die Rabenkrähe (Corvus corone) gehört zu den bekanntesten Rabenvögeln Europas. Ihr vollständig schwarzes Gefieder lässt sie auf den ersten Blick unscheinbar erscheinen, doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein ausgesprochen anpassungsfähiger und intelligenter Vogel. Gerade im Sonnenlicht bekommt das dunkle Gefieder einen deutlichen Glanz und lässt feine Strukturen erkennen, die im Schatten beinahe vollständig verschwinden können.
Für mich gehört die Rabenkrähe trotzdem zu den Vogelarten, die ich erstaunlich selten gezielt fotografiere. Obwohl sie mir auf meinen Reisen immer wieder begegnet, richte ich die Kamera meistens auf andere Arten. Dabei finde ich gerade ihr Verhalten interessant: Rabenkrähen beobachten ihre Umgebung aufmerksam, reagieren schnell auf Veränderungen und scheinen neue Situationen häufig zunächst genau zu prüfen.
In Spanien ist die Rabenkrähe auf der Iberischen Halbinsel weit verbreitet, allerdings keineswegs überall gleich häufig. Besonders geschlossen ist ihr Verbreitungsgebiet in der nördlichen Hälfte der Halbinsel. In Teilen der trockeneren südlichen und mediterranen Regionen ist ihr Vorkommen dagegen deutlich lückiger.
Die Art ist ausgesprochen anpassungsfähig und besiedelt unterschiedliche offene und halboffene Landschaften. Landwirtschaftlich genutzte Flächen, Weiden, strukturreiche Kulturlandschaften, Waldränder und Gehölze bieten ihr geeignete Lebensräume. Auch in trockeneren Landschaften kann sie auftreten, sofern ausreichend Nahrung und geeignete Strukturen vorhanden sind. Lediglich die eigentlichen Hochgebirgslagen gehören nicht zu ihren typischen Lebensräumen.
Die spanischen Rabenkrähen sind überwiegend Standvögel. Auch außerhalb der Brutzeit können sie sich jedoch an günstigen Nahrungsplätzen oder Schlafplätzen in größeren Gruppen sammeln. Solche Ansammlungen bedeuten deshalb nicht zwangsläufig, dass es sich um weit wandernde Wintergäste handelt.
Rabenkrähen gehören zu den intelligenten und lernfähigen Rabenvögeln. Bei meinen Beobachtungen fällt mir immer wieder auf, wie aufmerksam sie ihre Umgebung kontrollieren. Besonders neue oder veränderte Situationen werden häufig zunächst aus sicherer Entfernung betrachtet.
Diese Aufmerksamkeit macht sie zugleich zu interessanten Fotomotiven. Ein Vogel auf einer erhöhten Warte scheint seine Umgebung ständig im Blick zu behalten. Veränderungen in der Umgebung werden schnell registriert, und entsprechend rasch kann eine ruhig sitzende Krähe plötzlich abfliegen.
Auch gegenüber anderen Vögeln können Rabenkrähen ausgesprochen selbstbewusst auftreten. Rabenvögel bedrängen mitunter größere Greifvögel und versuchen, sie aus ihrem Umfeld zu vertreiben. An Nahrungsquellen entstehen ebenfalls immer wieder Situationen, in denen unterschiedliche Arten aufeinandertreffen.
Besonders interessant finde ich das Verhalten von Rabenvögeln an Stellen, an denen Nahrung für Greifvögel angeboten wird. Dort beobachte ich immer wieder einen ähnlichen Ablauf: Häufig erscheinen zunächst Krähen, Elstern oder andere Rabenvögel. Sie nähern sich vorsichtig, beobachten die Umgebung und beginnen schließlich zu fressen, während größere Greifvögel teilweise noch aus größerer Entfernung beobachten oder über dem Gebiet kreisen.
Für die Fotografie ist diese Beobachtung wichtiger, als es zunächst erscheinen mag. Wird beispielsweise eine Krähe oder Elster verscheucht, verändert sich die gesamte Situation am Futterplatz. Nach meinen Erfahrungen können dadurch auch die wesentlich vorsichtigeren Greifvögel aufmerksam werden und auf Distanz bleiben. Deshalb versuche ich, nicht nur auf die eigentlich erwartete Art zu achten, sondern das Verhalten aller anwesenden Vögel zu beobachten.
Solche Situationen zeigen für mich besonders schön, dass ein einzelner Vogel nie vollkommen losgelöst von seiner Umgebung betrachtet werden sollte. Auch wenn zwischen zwei Arten keine direkte Interaktion stattfindet, können beide dieselbe Nahrungsquelle nutzen und sehr genau auf das Verhalten der anderen reagieren.
Die Rabenkrähe ist ein ausgesprochen opportunistischer Allesfresser. Ihre Nahrung richtet sich stark danach, was in einem Lebensraum gerade verfügbar ist. Dazu gehören unter anderem Insekten und andere Wirbellose, Samen und weitere pflanzliche Nahrung sowie kleine Wirbeltiere. Auch Eier und Jungvögel können erbeutet werden.
Daneben nutzen Rabenkrähen Aas und andere leicht erreichbare Nahrungsquellen. Gerade diese Flexibilität ermöglicht es ihnen, sehr unterschiedliche Landschaften zu besiedeln und kurzfristig auf neue Nahrungsangebote zu reagieren.
An Wasserstellen lassen sich die Vögel besonders schön in ihrem natürlichen Verhalten beobachten. In heißen und trockenen Landschaften kommen manchmal mehrere Tiere nacheinander zum Trinken. Solche Situationen gefallen mir fotografisch besonders, weil neben einem einzelnen Porträt auch das Verhalten innerhalb einer kleinen Gruppe sichtbar werden kann.
Anders als die häufig kolonieweise brütende Dohle ist die Rabenkrähe kein typischer Koloniebrüter. Brutpaare besetzen ein Revier und errichten ein kräftiges Nest aus Zweigen, das häufig hoch in einem Baum angelegt wird. Je nach Umgebung können auch andere geeignete erhöhte Strukturen genutzt werden.
Nach dem Ausfliegen bleiben die Jungvögel zunächst mit ihren Eltern verbunden. Außerhalb der Brutzeit können Rabenkrähen dagegen auch in größeren Gruppen auftreten und gemeinsame Schlafplätze nutzen.
Wie bei allen brütenden Vögeln halte ich beim Fotografieren Abstand zu Nestern und möglichen Brutplätzen. Gerade bei einer aufmerksamen Art wie der Rabenkrähe lässt sich schnell erkennen, wenn ein Vogel die eigene Anwesenheit registriert. Für gute Aufnahmen ist es ohnehin interessanter, natürliches Verhalten aus ausreichender Distanz zu beobachten, als einen Vogel am Brutplatz zu stören.
Mit ihrem vollständig schwarzen Gefieder wirkt die Rabenkrähe zunächst unverwechselbar. In Spanien können jedoch verschiedene dunkle Rabenvögel miteinander verwechselt werden. Die Dohle ist deutlich kleiner und fällt bei erwachsenen Vögeln durch den grauen Nacken und die sehr helle Iris auf.
Der Kolkrabe ist deutlich größer und kräftiger gebaut als die Rabenkrähe. Ein besonders hilfreiches Unterscheidungsmerkmal ist der Schnabel: Bei der Rabenkrähe wirkt er vergleichsweise schlank und läuft eher gleichmäßig zur Spitze zu. Der Kolkrabe besitzt dagegen einen auffallend kräftigen, hohen Schnabel mit deutlich stärker gewölbtem Oberschnabel. Zusätzlich fallen beim Kolkraben häufig die zottig wirkenden Kehlfedern auf. Im Flug hilft auch die Schwanzform: Während die Rabenkrähe einen eher gerundeten, fächerförmigen Schwanz zeigt, ist dieser beim Kolkraben meist deutlich keilförmig. Für eine sichere Bestimmung sollten möglichst mehrere Merkmale zusammen betrachtet werden.
Fotografisch liegt eine der größten Herausforderungen im schwarzen Gefieder. Bei ungünstigem Licht können Kopf, Auge und Federstrukturen beinahe zu einer einzigen dunklen Fläche verschmelzen. Besonders schwierig wird es, wenn der Kopf vom Licht weggedreht ist und das ebenfalls dunkle Auge im Schatten liegt.
Gutes Licht kann dagegen erstaunlich viele Details sichtbar machen. Das Gefieder beginnt zu glänzen und einzelne Federn zeichnen sich deutlich voneinander ab. Ich achte deshalb darauf, die dunklen Bereiche nicht unnötig stark unterzubelichten. Gleichzeitig müssen die glänzenden Gefiederpartien im direkten Sonnenlicht im Blick behalten werden, damit dort noch Zeichnung erhalten bleibt.
Bei einem ruhig sitzenden Vogel ist keine extrem kurze Verschlusszeit erforderlich. Interessanter wird es, wenn sich ein bevorstehender Abflug ankündigt. Wer den Vogel aufmerksam beobachtet, erkennt häufig Veränderungen in Körperhaltung und Blickrichtung. Dann erhöhe ich die Verschlusszeit und arbeite mit Serienaufnahmen, um den Moment des Abflugs oder das Öffnen der Flügel festzuhalten.
Auch am Boden versuche ich möglichst auf Augenhöhe zu fotografieren. Eine tiefe Kameraposition schafft einen ruhigeren Hintergrund und lässt selbst eine häufige Art wesentlich stärker zur Geltung kommen. Besonders interessant sind für mich Momente, in denen der Vogel läuft, ruft oder auf etwas außerhalb des Bildes reagiert.
Gerade die Rabenkrähe zeigt, wie stark Licht die Wirkung eines Vogels verändern kann. Im Schatten erscheint das Gefieder nahezu gleichmäßig schwarz. Fällt dagegen Sonnenlicht in einem günstigen Winkel darauf, werden Glanz, Federstruktur und feine Unterschiede innerhalb des Gefieders sichtbar.
Deshalb lohnt es sich auch bei einer vermeintlich alltäglichen Art, auf Licht und Hintergrund zu warten. Ein einzelner Schritt, eine Drehung des Kopfes oder ein kurzer Anflug können aus einer unscheinbaren Situation plötzlich ein interessantes Foto machen.
Die Rabenkrähe ist für mich keine Art, wegen der ich eine eigene Fotoreise planen würde. Dafür begegnet sie mir auf unterschiedlichen Reisen durch Spanien immer wieder als Begleiter in der Landschaft. Gerade solche häufigeren Arten können jedoch unerwartete fotografische Situationen bieten, wenn man nicht ausschließlich auf die eigentlichen Zielarten achtet.
Welche Vogelarten in den unterschiedlichen Landschaften Spaniens fotografiert werden können, findest du in meiner Artenübersicht. Einen Überblick über meine verschiedenen Reisen gibt es unter Fotoreisen in Spanien. Weitere Informationen darüber, wie sich Vogelwelt und fotografische Möglichkeiten im Jahresverlauf verändern, findest du in meiner Übersicht zur Vogelfotografie in den verschiedenen Jahreszeiten.
Passend zu den Begegnungen zwischen Rabenkrähen und größeren Greifvögeln findest du außerdem in meinem Blog weitere Einblicke in die Greifvogelfotografie in Spanien.
Du möchtest Rabenkrähen und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.