Die Elster (Pica pica) gehört zu den bekanntesten Rabenvögeln Europas und ist auch in Spanien weit verbreitet. Kaum eine andere Vogelart verbindet für mich Anpassungsfähigkeit, Neugier und Intelligenz so deutlich. Ich treffe Elstern auf meinen Fotoreisen in offenen Landschaften, an Wasserstellen und in landwirtschaftlich geprägten Gebieten, aber genauso in Parks und mitten in Städten.
Für die Fotografie ist die vermeintlich einfache schwarz-weiße Elster anspruchsvoller, als man zunächst vermuten könnte. Zwischen den hellen Gefiederpartien und dem schwarzen Kopf liegen starke Kontraste, während Flügel und Schwanz bei günstigem Licht plötzlich grünlich oder bläulich schimmern. Dazu kommt ein Vogel, der selten lange stillhält und seine Umgebung ständig aufmerksam beobachtet.
Auf den ersten Blick erscheint die Elster hauptsächlich schwarz und weiß. Bei gutem Licht zeigt sich jedoch, dass die dunklen Gefiederpartien keineswegs einfach nur schwarz sind. Besonders an den langen Schwanzfedern können grünliche Reflexe sichtbar werden, während an den Flügeln auch bläuliche Farbtöne auftreten. Diese Irisierungen entstehen durch die Struktur der Federn und verändern ihre Wirkung je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel.
Der sehr lange Schwanz prägt zusammen mit dem kontrastreichen Gefieder die charakteristische Silhouette. Gerade auf einer erhöhten Warte lässt sich die typische Körperform schön fotografisch herausarbeiten.
In Spanien ist die Elster auf der Iberischen Halbinsel weit verbreitet. Besonders wohl fühlt sie sich in offenen und halboffenen Landschaften mit einzelnen Bäumen, Gehölzen oder Hecken. Landwirtschaftliche Flächen, Weidelandschaften, Flussauen und Siedlungsränder bieten ihr geeignete Bedingungen. Geschlossene Wälder und das eigentliche Hochgebirge sind dagegen weniger typische Lebensräume.
Ihre Anpassungsfähigkeit führt dazu, dass ich Elstern nicht nur während meiner Fotoreisen antreffe. Auch mitten in Städten gehören sie vielerorts zum Alltag. Parks, Gärten und andere Grünflächen reichen ihnen aus, sofern sie geeignete Nahrungsquellen und Möglichkeiten zum Brüten finden.
Für meine Artenübersicht ordne ich die Elster deshalb den Steppen und offenen Landschaften zu. Das bedeutet nicht, dass sie ein ausgesprochener Steppenvogel wäre. Vielmehr passt diese Kategorie am besten zu den offenen und strukturreichen Landschaften, in denen ich ihr auf meinen Reisen besonders häufig begegne.
Wie flexibel Elstern bei der Nutzung unterschiedlicher Strukturen sind, zeigt sich auch an Feuchtgebieten. Dort sehe ich sie regelmäßig in der Umgebung von Wasserstellen und gelegentlich sogar mitten im Schilf. Solche Beobachtungen machen deutlich, dass man die Art nicht auf einen einzigen Lebensraum reduzieren sollte.
Gerade fotografisch entstehen dadurch ungewöhnlichere Situationen als die klassischen Aufnahmen einer Elster auf einem Baum oder am Boden. Bei dieser Aufnahme setzte sich der Vogel auf einen Schilfhalm, der sich unter seinem Gewicht vollständig nach unten bog.
Die Elster ist in Spanien ein ausgeprägter Standvogel. Auch nach der Selbstständigkeit bleiben die Distanzen, über die sich Jungvögel verteilen, im Allgemeinen vergleichsweise gering. Die Elstern, die man im Winter beobachtet, sind daher nicht einfach große Mengen nordischer Wintergäste.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man Elstern immer nur einzeln oder paarweise sieht. Brutpaare können Territorien besetzen, während sich besonders Nichtbrüter zu Gruppen zusammenschließen. Gemeinschaftliche Schlafplätze sind ebenfalls bekannt, und größere Ansammlungen können außerhalb der Brutzeit besonders auffällig werden.
Ein wichtiger Grund für den Erfolg der Elster ist ihre ausgesprochen flexible Ernährung. Sie frisst unter anderem Wirbellose, Früchte und andere pflanzliche Nahrung, Aas und verschiedene menschliche Nahrungsreste. Auch kleine Wirbeltiere können erbeutet werden. Außerdem nutzt sie Gelegenheiten, Eier oder Jungvögel aus Nestern anderer Vogelarten zu fressen.
In Städten kann man beobachten, wie Elstern Abfälle und andere vom Menschen bereitgestellte Nahrungsquellen nutzen. Aus meiner Kindheit kenne ich sie auch von Kompostplätzen. In natürlicheren Landschaften ist ihr Nahrungsspektrum ebenso vielseitig.
Eine besonders interessante Beobachtung gelang mir an einem Feuchtgebiet. Dort sah ich eine Elster mit einem kleinen Fisch im Schnabel. Ob sie den Fisch tatsächlich selbst gefangen oder bereits am Ufer gefunden hatte, konnte ich nicht feststellen. Die Situation zeigt aber sehr schön, wie opportunistisch Elstern vorhandene Nahrung nutzen.
Kaum eine Geschichte über die Elster ist so bekannt wie ihre angebliche Vorliebe für glänzende Gegenstände. Schmuck, Münzen und andere glitzernde Dinge soll sie sammeln und davontragen. Dieses Bild der „diebischen Elster“ ist kulturell tief verankert, wissenschaftlich lässt sich eine besondere Anziehung zu glänzenden Gegenständen jedoch nicht bestätigen.
In Versuchen zeigten Elstern keine grundsätzliche Bevorzugung glänzender gegenüber nicht glänzenden Gegenständen. Bei freilebenden Vögeln konnte gegenüber unbekannten Objekten sogar eher Vorsicht beobachtet werden. Interessanterweise können Elstern beim Nestbau durchaus verschiedenste Materialien verwenden, darunter gelegentlich auch auffällige oder glänzende Gegenstände. Daraus lässt sich aber keine allgemeine Leidenschaft für alles ableiten, was glitzert.
Elstern gehören wie Dohle, Rabenkrähe und Kolkrabe zur Familie der Rabenvögel. Ihr aufmerksames und flexibles Verhalten ist bei längeren Beobachtungen kaum zu übersehen.
Bekannt geworden ist unter anderem ein Spiegelversuch, bei dem einige untersuchte Elstern Verhaltensweisen zeigten, die als Hinweise darauf interpretiert wurden, dass sie ihr Spiegelbild dem eigenen Körper zuordnen konnten. Solche Versuche zeigen, wie interessant die kognitiven Fähigkeiten von Rabenvögeln sind, auch wenn daraus nicht einfach menschliche Formen von Selbstbewusstsein abgeleitet werden sollten.
Mit der Elster verbinde ich auch eine besondere Erinnerung aus meiner Kindheit. Mein Vater bekam damals von seinem Bruder eine junge Elster, die gefunden worden war und zunächst nicht richtig fliegen konnte. Wir kümmerten uns um den Vogel, bis er wieder flugfähig war, und ließen ihn anschließend frei.
Die Elster entschied jedoch zunächst selbst, in unserer Nähe zu bleiben. Sie begleitete mich morgens auf dem Weg zur Schule und war später wieder dort, wenn ich nach Hause kam. Sie flog nicht ständig unmittelbar neben mir, behielt mich aber im Blick und folgte mir. Auch in unserem Garten suchte sie immer wieder unsere Nähe.
Manchmal landete sie sogar auf den Köpfen von Kindern, was verständlicherweise nicht bei jedem für Begeisterung sorgte. Für mich ist diese Erinnerung bis heute etwas Besonderes. Irgendwann kam die Elster nicht mehr zurück. Was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht. Geblieben ist mir aber eine frühe persönliche Erfahrung damit, wie aufmerksam und lernfähig diese Vögel sein können.
Auf der Iberischen Halbinsel kann sich der Lebensraum der Elster mit dem der Blauelster überschneiden. Auch ich habe beide Arten im selben Gebiet beobachtet. Untersuchungen zur Verbreitung der Blauelster in Spanien zeigen ebenfalls, dass die Anwesenheit der Elster ihre lokale oder großräumige Verbreitung nicht grundsätzlich ausschließt.
Im Verhalten gibt es dennoch Unterschiede. Blauelstern fallen häufig durch ihre geselligen Gruppen auf, während ich gewöhnliche Elstern während der Brutzeit häufig einzeln oder als Paar beobachte. Außerhalb der Brutzeit können allerdings auch Elstern größere Gruppen bilden und gemeinschaftliche Schlafplätze nutzen.
Bei der Fotografie von Greifvögeln und Geiern habe ich mit Elstern eine Beobachtung besonders häufig gemacht: Liegt an einem eingerichteten Futterplatz Nahrung aus, gehören Elstern oft zu den ersten Vögeln, die sich nähern. Sie beobachten die Situation, kommen näher und beginnen schließlich zu fressen, während größere Greifvögel teilweise noch aus einiger Entfernung warten.
Deshalb versuche ich, solche Rabenvögel am Futterplatz nicht zu vertreiben. Nach meiner Erfahrung kann ihre Reaktion auch für andere anwesende Vögel eine Rolle spielen. Fliegen die Elstern plötzlich alarmiert ab, bleiben größere Vögel mitunter ebenfalls auf Abstand. Bleiben sie dagegen ruhig am Futter, kommen später häufig auch die eigentlich erwarteten Greifvögel hinzu. Das ist eine wiederkehrende Beobachtung aus meiner fotografischen Praxis und keine feste Regel, die sich auf jede Situation übertragen lässt.
Mehr über solche Situationen und die Fotografie verschiedener Greifvogelarten beschreibe ich auch in meinem Beitrag Greifvögel in Spanien – Adler, Geier und Falken fotografieren.
Elstern wirken im Umgang mit anderen Vögeln häufig erstaunlich selbstbewusst. Auch die Anwesenheit eines wesentlich größeren Greifvogels bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie sofort verschwinden. Dabei gehen sie durchaus vorsichtig vor, beobachten die Situation genau und reagieren auf die Bewegungen des anderen Vogels.
Eine solche Begegnung konnte ich zwischen einer Elster und einem Habichtsadler beobachten. Der Habichtsadler saß oben auf einem Baumstamm, während sich die Elster seitlich am selben Stamm aufhielt. Der Adler blickte zu ihr hinunter und die Elster wirkte durchaus vorsichtig, blieb aber zunächst in seiner unmittelbaren Nähe. Für mich sind gerade solche kurzen Begegnungen besonders interessant, weil sie zeigen, wie aufmerksam Elstern andere Vögel und deren Verhalten beobachten.
Elstern bauen auffallend stabile Nester aus Zweigen, Wurzeln und weiteren Materialien, die teilweise mit Erde oder Schlamm verstärkt werden. Häufig befindet sich über dem eigentlichen Nest eine lockere Haube beziehungsweise ein Dach aus Zweigen. Als Standorte dienen unter anderem größere Bäume und dichte oder dornige Büsche, aber auch vom Menschen geschaffene Strukturen können genutzt werden.
Während der Brutzeit halte ich wie bei anderen Vogelarten ausreichend Abstand zu besetzten Nestern. Für gute Naturfotografie ist es nicht notwendig, einen Brutplatz so nah aufzusuchen, dass die Vögel ihr Verhalten verändern oder sich gestört fühlen.
Wasserstellen sind für mich besonders interessante Orte, um Elstern zu fotografieren. Neben der Nahrungssuche kommen die Vögel dort zum Trinken und Baden. Gerade bei sommerlichen Bedingungen lassen sich dabei sehr dynamische Situationen beobachten.
Beim Baden verschwindet die sonst so klar erkennbare Silhouette teilweise vollkommen. Federn werden aufgestellt, der Körper liegt tief im Wasser und innerhalb weniger Augenblicke fliegen die Tropfen in alle Richtungen. Mit einer kurzen Verschlusszeit lassen sich einzelne Wasserspritzer einfrieren und aus einer alltäglichen Verhaltensweise sehr lebendige Aufnahmen machen.
Fotografisch liegt eine der größten Herausforderungen im starken Kontrast des Gefieders. Belichte ich zu hell, können die weißen Bereiche schnell Zeichnung verlieren. Belichte ich dagegen zu dunkel, verschwinden die Strukturen im schwarzen Kopf und in den dunklen Gefiederpartien.
Gutes Licht macht deshalb einen erheblichen Unterschied. Fällt Sonnenlicht günstig auf den Vogel, werden nicht nur einzelne Federstrukturen sichtbar. Auch die grünlichen und bläulichen Irisierungen können plötzlich deutlich hervortreten. Besonders schön finde ich Situationen, in denen gleichzeitig etwas Licht das dunkle Auge erreicht. Dadurch hebt es sich besser vom schwarzen Kopf ab.
Elstern können überraschend anspruchsvoll für den Autofokus sein. Sie hüpfen, drehen den Kopf, wechseln schnell die Richtung und bleiben oft nur kurz in einer interessanten Haltung. Deshalb arbeite ich bei solchen Situationen gerne mit kontinuierlichem Autofokus, Augenerkennung und Serienaufnahme.
Die Augenerkennung funktioniert nach meiner Erfahrung bei Elstern häufig gut. Je nach Licht und Aufnahmesituation kann es allerdings schwieriger werden, das schwarze Auge eindeutig vom ebenfalls schwarzen Kopf zu unterscheiden. Selbst wenn die Kamera das Auge nicht zuverlässig erkennt, kann eine moderne Motiverkennung den Kopf beziehungsweise den Vogel häufig weiterhin verfolgen.
Sitzt die Elster zwischen Ästen oder anderen störenden Strukturen, verlasse ich mich dagegen nicht ausschließlich auf die automatische Motiverkennung. Dann kann es sinnvoll sein, ein kleines beziehungsweise einzelnes Fokusfeld gezielt auf den Vogel zu legen und ihn weiterhin mit dem Autofokus zu verfolgen. So lässt sich verhindern, dass die Kamera immer wieder auf einen Ast vor oder hinter dem Vogel springt.
Eine kurze Verschlusszeit hilft nicht nur bei fliegenden Elstern. Auch auf einem Ast oder am Boden können schnelle Kopfbewegungen, Sprünge und kurze Interaktionen eine Aufnahme unscharf werden lassen. Mit Serienaufnahme steigt gleichzeitig die Chance, genau den Moment zu erwischen, in dem Haltung, Blick, Gefieder und Licht zusammenpassen.
Die Elster gehört zu den Vögeln, denen ich in Spanien regelmäßig begegne. Gerade deshalb wird sie fotografisch leicht unterschätzt. Für mich lohnt es sich trotzdem, immer wieder die Kamera auf sie zu richten. Ihr Verhalten ist abwechslungsreich, ihr Gefieder anspruchsvoller als es zunächst erscheint und die unterschiedlichen Lebensräume sorgen für völlig verschiedene Bildsituationen.
Von einer Elster zwischen trockenen Gräsern über einen Vogel mit einem kleinen Fisch bis zum Bad an einer Wasserstelle reicht das Spektrum innerhalb einer einzigen Art. Wer nicht nur nach seltenen Vögeln sucht, sondern auch häufige Arten genauer beobachtet, findet deshalb immer wieder neue Motive.
Weitere Vogelarten aus den unterschiedlichen Landschaften Spaniens findest du in meiner Artenübersicht. Einen Überblick über meine fotografischen Reisen gibt es unter Fotoreisen in Spanien.
Du möchtest die Elster und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.