Schneeammer fotografieren

Die Schneeammer gehört zu den Vogelarten, denen man in Spanien nur selten begegnet. Im November konnte ich ein Exemplar an einer Lagune beobachten und fotografieren. Der Vogel hielt sich dort über mehrere Wochen auf und hatte vermutlich einen geeigneten Platz zum Überwintern gefunden.

Besonders überrascht hat mich, wie schwierig die Schneeammer trotz ihres auffallend hellen Gefieders zu entdecken war. Solange sie sich bewegte und am Boden nach Nahrung suchte, war sie gut zu erkennen. Zwischen niedrigen Pflanzen und Gräsern konnte sie dagegen nahezu vollständig mit ihrer Umgebung verschmelzen.

Schneeammer im Überblick

Die Schneeammer (Plectrophenax nivalis) ist ein kräftig gebauter Singvogel, der vor allem in den nördlichen Regionen Europas, Asiens und Nordamerikas verbreitet ist. Außerhalb der Brutzeit ziehen viele Schneeammern in südlichere Gebiete. In Spanien bleibt eine Beobachtung dennoch etwas Besonderes.

Mit ihrem kompakten Körper wirkt die Schneeammer etwas größer und kräftiger als viele andere kleine Singvögel. Auffällig sind die hellen Gefiederpartien, die dunklere Zeichnung der Flügel sowie der kurze, kräftige Schnabel.

Das Schlichtkleid der Schneeammer

Während viele Vogelarten außerhalb der Brutzeit deutlich unauffälliger erscheinen, finde ich das Schlichtkleid der Schneeammer mindestens genauso interessant wie ihr kontrastreiches Brutkleid. Die warmen Braun-, Beige- und Weißtöne ergeben eine feine und abwechslungsreiche Gefiederzeichnung.

Gerade in der herbstlichen Vegetation einer Lagune passten diese Farben erstaunlich gut zum Untergrund. Obwohl im Gefieder viel Weiß vorhanden war, wirkte der Vogel in seiner natürlichen Umgebung keineswegs auffällig.

Erstaunlich gut getarnt

Die größte Herausforderung bestand zunächst nicht darin, die Schneeammer zu fotografieren, sondern sie überhaupt zu entdecken. Trotz ihres hellen Gefieders war sie zwischen den niedrigen Pflanzen und dem hellen Untergrund hervorragend getarnt.

Blieb sie ruhig sitzen, verschmolz sie nahezu vollständig mit ihrer Umgebung. Erst wenn sie sich bewegte oder am Boden nach Nahrung suchte, ließ sie sich deutlich erkennen. Genau diese außergewöhnliche Tarnung hat mich bei dieser Beobachtung besonders beeindruckt.

Nahrungssuche am Boden

Schneeammern suchen ihre Nahrung überwiegend am Boden. Dabei bewegen sie sich laufend durch offene Flächen und zwischen niedriger Vegetation. Sobald sich die Schneeammer bewegte und nach Nahrung suchte, war sie deutlich leichter zu entdecken als in den Momenten, in denen sie ruhig zwischen den Pflanzen saß.

Zwischendurch blieb die Schneeammer jedoch immer wieder ruhig sitzen. In diesen Momenten war sie selbst auf kurze Entfernung nur schwer von ihrer Umgebung zu unterscheiden.

Während meiner Beobachtung zeigte sich die Schneeammer vergleichsweise ruhig und wenig scheu. Sie setzte ihre Nahrungssuche meist ungestört fort und ließ sich aus angemessener Entfernung über längere Zeit beobachten. Dadurch blieb genügend Zeit, verschiedene Perspektiven auszuprobieren, ohne den Vogel zu bedrängen.

Schneeammer fotografieren

Für die Fotografie der Schneeammer eignet sich eine möglichst tiefe Aufnahmeposition. Da sie sich überwiegend am Boden aufhält, entstehen aus Augenhöhe besonders natürliche Aufnahmen. Der niedrige Blickwinkel sorgt außerdem dafür, dass sich Vorder- und Hintergrund weich auflösen und der Vogel deutlich vom Umfeld abgehoben wird.

Bei meiner Beobachtung entstanden alle Aufnahmen nahezu auf Augenhöhe. Je nach Position der Schneeammer befanden sich unterschiedlich viele Gräser und Pflanzen im Vordergrund. Dadurch erhielten die Bilder trotz derselben Beobachtung jeweils eine eigene Wirkung.

Auf das weiße Gefieder achten

Das helle Gefieder der Schneeammer kann bei direktem Licht schnell zu stark belichtet werden. Besonders die weißen Partien sollten deshalb regelmäßig über das Histogramm oder die Überbelichtungswarnung kontrolliert werden.

Eine leicht vorsichtige Belichtung schützt die hellen Federn davor, ihre Zeichnung zu verlieren. Gleichzeitig sollte der Vogel jedoch nicht unnötig dunkel aufgenommen werden, da sonst die feinen Details in den braunen und grauen Gefiederpartien verloren gehen können.

Kurze Verschlusszeit für schnelle Bewegungen

Auch wenn die Schneeammer nicht ständig hektisch wirkt, bewegt sie sich bei der Nahrungssuche häufig und verändert schnell ihre Haltung. Eine ausreichend kurze Verschlusszeit hilft dabei, Kopf, Auge und Gefieder scharf abzubilden.

Bei ruhigem Verhalten kann die Verschlusszeit etwas reduziert werden. Sobald der Vogel läuft oder am Boden nach Nahrung sucht, sollte sie entsprechend verkürzt werden. Die Vogelaugenerkennung moderner Kameras hilft dabei, die Schärfe zuverlässig auf dem Auge zu halten. Befindet sich die Schneeammer jedoch zwischen Gräsern oder dichter Vegetation, kann ein kleiner Einzelfokuspunkt sinnvoll sein, damit die Kamera nicht auf Pflanzen im Vordergrund fokussiert.

Beobachtung im Winter

Die Schneeammer wurde im November an der Lagune beobachtet und blieb dort mehrere Wochen. Vermutlich hatte sie an diesem Ort ausreichend Nahrung und geeignete Rückzugsmöglichkeiten gefunden.

Eine solche Beobachtung ist in Spanien nicht alltäglich. Die regulären Wintergebiete vieler Schneeammern liegen deutlich weiter nördlich. Einzelne Vögel können auf ihrem Zug jedoch auch weiter südlich erscheinen und geeignete Gebiete für einen längeren Aufenthalt nutzen.

Gerade im Winter lohnt es sich deshalb, offene Küstenlandschaften, Lagunen, Dünengebiete und vegetationsarme Flächen aufmerksam abzusuchen. Entscheidend ist dabei häufig weniger die Farbe des Vogels als seine Bewegung.

Rücksicht bei der Naturfotografie

Auch bei wenig scheuen Vögeln sollte stets ausreichend Abstand eingehalten werden. Dass ein Vogel ruhig sitzen bleibt, bedeutet nicht automatisch, dass man sich weiter annähern sollte.

Eine tiefe Perspektive lässt sich häufig auch aus einiger Entfernung und mit einer längeren Brennweite erreichen. Langsame Bewegungen, eine ruhige Arbeitsweise und das Vermeiden wiederholter Annäherungen helfen dabei, das natürliche Verhalten des Vogels nicht zu beeinflussen.

Weitere Vogelarten offener Landschaften

Weitere Arten, die sich häufig in offenen und strukturreichen Landschaften beobachten lassen:

Vogelfotografie in Spanien im Jahresverlauf

Je nach Jahreszeit verändern sich die Vogelwelt und die fotografischen Möglichkeiten in Spanien deutlich. Mehr über Wintergäste, Zugvögel und die besten Beobachtungszeiten erfährst du in meinem Beitrag Vogelfotografie und Fotoreisen in Spanien – die Jahreszeiten im Überblick .

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