Der Bergpieper (Anthus spinoletta) ist eng mit offenen Berglandschaften verbunden. Während der Brutzeit begegnet man ihm auf Wiesen, Hängen und felsigen Flächen, auf denen einzelne Steine, Felsblöcke und niedrige Büsche als Sitzwarten dienen. Außerhalb der Brutzeit verändert sich sein Lebensraum deutlich: Dann lässt er sich auch in tieferen Lagen an Ufern und anderen Wasserstellen beobachten.
Meine Aufnahmen entstanden in diesen unterschiedlichen Lebensräumen. Im Mittelgebirge konnte ich einen singenden Bergpieper sowie einen Vogel mit mehreren Insekten im Schnabel fotografieren. Eine weitere Beobachtung gelang mir an einer Wasserstelle in tieferer Lage, wo der Bergpieper bereits ein deutlich verändertes Gefieder zeigte.
Der Bergpieper ist ein schlank gebauter Singvogel aus der Familie der Stelzen und Pieper. Im Brutkleid zeigt er eine überwiegend graue Oberseite, einen hellen Überaugenstreif und eine zart rosafarbene bis beige getönte Brust. Die Unterseite wirkt dann meist deutlich weniger gestrichelt als außerhalb der Brutzeit.
Im Schlichtkleid verändert sich sein Erscheinungsbild. Rücken und Brust sind stärker gestrichelt und die warme Färbung der Unterseite tritt zurück. Während des Gefiederwechsels können Merkmale beider Kleider gleichzeitig sichtbar sein. Dadurch kann ein Vogel noch einzelne rosafarbene Federn an der Brust zeigen, während andere Bereiche bereits heller und stärker gezeichnet erscheinen.
Während der Brutzeit bewohnt der Bergpieper offene Grasflächen in Bergregionen. Besonders geeignet sind Landschaften, in denen niedrige Vegetation mit Steinen, Felsen, feuchten Stellen und einzelnen Büschen durchsetzt ist. Dort findet er Nahrung und zugleich erhöhte Plätze, von denen aus er sein Umfeld überblicken oder singen kann.
Nach der Brutzeit verlassen viele Bergpieper die höher gelegenen Brutgebiete. Ein Teil der Vögel wechselt lediglich in tiefere Regionen, während andere größere Entfernungen zurücklegen. In den kälteren Monaten können Bergpieper deshalb an Flüssen, Seen, Lagunen und anderen feuchten Uferbereichen beobachtet werden.
Auch mein Titelbild entstand an einer Wasserstelle in tieferer Lage. Der Vogel zeigte ein interessantes Übergangskleid: An der Brust waren noch warme, leicht rosafarbene Partien zu erkennen, während sich an anderen Stellen bereits die stärkere Strichelung des Schlichtkleides zeigte.
Im Sommer konnte ich einen Bergpieper in seinem Brutgebiet im Mittelgebirge beobachten. Der Vogel setzte sich auf einen niedrigen Busch und begann dort zu singen. In der offenen Landschaft war sein Gesang bereits aus größerer Entfernung deutlich zu hören.
Solche erhöhten Sitzwarten werden während der Brutzeit regelmäßig genutzt. Von einem Busch, Stein oder Felsblock aus ist der Vogel weithin sichtbar und kann seinen Gesang über die offene Landschaft tragen. Dieser dient unter anderem dazu, das Revier kenntlich zu machen und einen Partner anzulocken.
Der von mir beobachtete Bergpieper ließ sich aus einiger Entfernung fotografieren. Er wirkte nicht ausgesprochen scheu, hielt jedoch beständig einen bestimmten Abstand ein. Da das Verhalten einzelner Vögel unterschiedlich sein kann, blieb ich an meiner Position und verzichtete darauf, ihm weiter zu folgen.
Eine weitere Aufnahme zeigt einen Bergpieper mit mehreren Insekten im Schnabel. Der Vogel saß auf einem Stein inmitten seines Brutgebietes. Die gesammelte Nahrung deutete darauf hin, dass sich in der Umgebung bereits Jungvögel befanden, die von einem Altvogel versorgt wurden.
Bergpieper suchen einen großen Teil ihrer Nahrung am Boden. Zwischen Gräsern, Steinen und niedriger Vegetation erbeuten sie vor allem kleine wirbellose Tiere. Während der Jungenaufzucht sammeln die Altvögel häufig mehrere Beutetiere, bevor sie zu ihrem Nachwuchs zurückkehren.
Bei einem Vogel mit Futter im Schnabel ist besondere Zurückhaltung notwendig. Statt seine Flugrichtung zu verfolgen oder nach dem Nest zu suchen, sollte man ausreichend Abstand halten und den Vogel seinen Weg ungehindert fortsetzen lassen.
Steine und Felsblöcke prägen viele Brutgebiete des Bergpiepers. Sie bieten freie Sitzplätze und heben den Vogel etwas über die niedrige Vegetation hinaus. Gleichzeitig fügt sich sein Gefieder zwischen grauen Felsen, Flechten und trockenen Gräsern sehr gut in die Umgebung ein.
Eine meiner Aufnahmen zeigt den Bergpieper auf einem flechtenbewachsenen Stein. Das natürliche Muster des Untergrundes ergänzt die feine Gefiederzeichnung des Vogels und stellt zugleich einen deutlichen Bezug zu seinem Lebensraum her.
Beim Fotografieren des Bergpiepers unterscheiden sich die Möglichkeiten je nach Jahreszeit und Lebensraum. Im Brutgebiet sitzt er gelegentlich gut sichtbar auf Steinen, Felsen oder niedrigen Büschen. Die Entfernungen können dennoch groß sein, weshalb ein längeres Teleobjektiv hilfreich ist.
Es lohnt sich, zunächst die regelmäßig genutzten Sitzwarten zu beobachten. Statt sich einem Vogel direkt zu nähern, kann man aus ausreichender Entfernung warten, bis er einen Stein oder Busch erneut anfliegt. So bleibt sein natürliches Verhalten erhalten und die Wahrscheinlichkeit einer ruhigen Aufnahme steigt.
Bei singenden Vögeln verändern sich Körperhaltung, Schnabelform und Gefieder innerhalb kurzer Zeit. Eine Serienaufnahme kann dabei helfen, den Moment festzuhalten, in dem der Schnabel geöffnet und die typische aufrechte Haltung besonders gut erkennbar ist.
Eine kurze Verschlusszeit ist sinnvoll, da sich der Vogel auch auf einer Sitzwarte ständig leicht bewegt. Der Autofokus sollte möglichst auf dem Auge liegen. Befinden sich Zweige oder Gräser vor dem Vogel, kann ein kleiner Fokusbereich zuverlässiger sein als eine großflächige Motiverkennung.
Außerhalb der Brutzeit bieten Uferbereiche gute Möglichkeiten, Bergpieper aus einer niedrigen Perspektive zu fotografieren. Wer sich mit ausreichend Abstand ruhig am Boden positioniert, kann den Vogel annähernd auf Augenhöhe aufnehmen. Dadurch wirkt die Perspektive natürlicher und der Hintergrund löst sich häufig besonders weich auf.
Vor dem Hinlegen sollte der Bereich aufmerksam kontrolliert werden. Befinden sich dort rastende Vögel oder andere empfindliche Tiere, ist eine andere Position zu wählen. Auch an Wasserstellen gilt, dass der freie Zugang zu Nahrung und sicheren Ruheplätzen nicht blockiert werden darf.
Besonders im Schlicht- und Übergangskleid kann die Bestimmung des Bergpiepers schwierig sein, da er anderen Pieperarten dann stärker ähnelt als im Brutkleid.
Hinweise auf einen Bergpieper geben unter anderem seine kräftigere Gestalt, die meist dunklen Beine, der helle Überaugenstreif sowie die Zeichnung von Brust und Flanken.
Kein einzelnes Merkmal sollte für sich allein betrachtet werden. Jahreszeit, Lebensraum, Körperform, Verhalten und Stimme helfen dabei, eine Beobachtung richtig einzuordnen. Fotos aus mehreren Perspektiven können für eine spätere Bestimmung besonders hilfreich sein.
Der Bergpieper brütet am Boden und legt sein Nest gut verborgen zwischen Gräsern, Steinen oder anderer niedriger Vegetation an. Selbst wenn kein Nest zu sehen ist, kann man sich deshalb bereits in unmittelbarer Nähe eines Brutplatzes befinden.
Singende Vögel, warnende Rufe oder Altvögel mit Futter im Schnabel sind deutliche Hinweise auf ein besetztes Revier. In solchen Situationen sollte man an einer festen Position bleiben, ausreichend Abstand halten und keinesfalls versuchen, den Weg zum Nest zu verfolgen.
Das Wohl des Vogels hat immer Vorrang vor einem Foto. Eine längere Brennweite und eine spätere Ausschnittvergrößerung sind besser, als die natürliche Fluchtdistanz zu unterschreiten oder die Versorgung der Jungvögel zu behindern.
Weitere Vogelarten, die ich in den Berg- und Mittelgebirgslandschaften Spaniens beobachten und fotografieren konnte:
Die Lebensräume vieler Vogelarten verändern sich im Laufe des Jahres. Während Bergpieper im Sommer in ihren Brutgebieten in den Bergen anzutreffen sind, lassen sie sich außerhalb der Brutzeit auch an Wasserstellen in tieferen Lagen beobachten. Mehr über die verschiedenen Jahreszeiten erfährst du in meinem Beitrag Vogelfotografie und Fotohides in Spanien – die Jahreszeiten im Überblick.
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