Der Sichelstrandläufer (Calidris ferruginea) gehört für mich zu den besonders attraktiven Limikolen. Sein langer, leicht nach unten gebogener Schnabel fällt bereits im Schlichtkleid auf. Im Frühjahr kommen bei vielen Vögeln nach und nach rostbraune bis orangefarbene Gefiederpartien hinzu, wenn der Wechsel zum Prachtkleid beginnt.
In Spanien begegnet man dem Sichelstrandläufer hauptsächlich während des Vogelzuges. Er kann dann in größeren Trupps an flachen Küstengewässern, Salinen, Lagunen und in Deltagebieten rasten. Ein kleiner und schwankender Bestand verbringt auch den Winter auf der Iberischen Halbinsel.
Der Sichelstrandläufer ist ein kleiner Watvogel, wirkt durch seine relativ langen Beine und den schlanken Körper jedoch etwas hochbeiniger als einige andere Strandläufer. Sein auffälligstes Merkmal ist der lange, schmale und leicht nach unten gebogene Schnabel.
Im Schlichtkleid ist das Gefieder überwiegend hellgrau und weiß. Während des Frühjahrs verändert sich das Aussehen nach und nach. Einige Vögel zeigen zunächst nur einzelne rostfarbene Federn, während andere bereits deutlich intensiver gefärbt sind. Dadurch können Tiere innerhalb desselben Trupps sehr unterschiedlich aussehen.
Sichelstrandläufer brüten weit im Norden Sibiriens und legen auf ihrem Zug in die afrikanischen Überwinterungsgebiete große Entfernungen zurück. Spanien liegt auf einer ihrer Zugrouten und bietet mit seinen Deltas, Salinen und flachen Küstenlagunen wichtige Rast- und Nahrungsflächen.
Nach meiner bisherigen Erfahrung sind Begegnungen nicht überall regelmäßig planbar. Wenn ein größerer Trupp in einem geeigneten Feuchtgebiet rastet, können sich jedoch sehr gute Möglichkeiten zur Beobachtung und Fotografie ergeben.
Die Sichelstrandläufer, die ich in einem spanischen Delta fotografieren konnte, waren in einem größeren Trupp unterwegs. Sie liefen gemeinsam durch das seichte Wasser und suchten mit ihren langen Schnäbeln im Schlamm und unter der Wasseroberfläche nach Nahrung.
Zwischendurch flogen einzelne Gruppen auf, landeten einige Meter weiter vorne und setzten dort ihre Nahrungssuche fort. So blieb der gesamte Trupp ständig in Bewegung und teilte sich immer wieder in kleinere Gruppen auf.
An geeigneten Rastplätzen halten sich Sichelstrandläufer häufig gemeinsam mit anderen Limikolen auf. Auch größere Wasservögel können im gleichen Lebensraum erscheinen. Ein Flamingo im Hintergrund vermittelt beispielsweise sehr schön den Größenunterschied zwischen den kleinen Strandläufern und den deutlich größeren Bewohnern spanischer Feuchtgebiete.
Eine niedrige Perspektive eignet sich bei Limikolen besonders gut. Wer sich ruhig auf den Boden legt und anschließend abwartet, wirkt auf die Vögel meist weniger auffällig als eine Person, die ständig am Ufer hin und her läuft.
Gleichzeitig befindet sich die Kamera dadurch ungefähr auf Augenhöhe der Tiere. Das erzeugt eine stärkere Nähe zum Motiv und lässt Wasserflächen, Spiegelungen und einen weit entfernten Hintergrund besonders ruhig erscheinen.
Entscheidend ist, die Vögel selbst entscheiden zu lassen, ob sie näher kommen. Bei meiner Beobachtung bewegte sich der Trupp während der Nahrungssuche nach und nach in meine Richtung. Dadurch entstanden die näheren Aufnahmen, ohne dass ich den Vögeln folgen musste.
Du möchtest Limikolen und andere Wasservögel in Spanien beobachten und fotografieren? Informationen zu meinen Touren findest du auf der Seite Foto- und Naturreisen in Spanien.
Sichelstrandläufer bewegen sich bei der Nahrungssuche ausgesprochen schnell. Besonders der Kopf und der Schnabel werden innerhalb kürzester Zeit ins Wasser geführt und wieder angehoben. Für aktive Vögel verwende ich deshalb nach Möglichkeit eine Verschlusszeit von mindestens 1/2500 Sekunde. Bei ausreichend Licht kann sie noch kürzer gewählt werden.
Eine schnelle Serienaufnahme erhöht die Wahrscheinlichkeit, einen Moment zu erwischen, in dem der Schnabel sichtbar ist, der Kopf eine gute Haltung zeigt und die Körperposition des Vogels stimmig wirkt.
Der Fokus sollte auch bei Limikolen möglichst genau auf dem sichtbaren Auge liegen. Ein zuverlässiger Augenfokus ist deshalb die beste Wahl. Erkennt die Kamera das Auge zwischen mehreren Vögeln nicht sicher, kann ein kleineres Fokusfeld helfen, den gewünschten Sichelstrandläufer gezielt auszuwählen.
Bei einem größeren Trupp sollte außerdem regelmäßig kontrolliert werden, ob der Autofokus tatsächlich auf dem vorgesehenen Vogel liegt und nicht auf ein Tier im Vorder- oder Hintergrund gewechselt hat.
Bei hellen Sichelstrandläufern im Schlichtkleid können besonders die weißen Unterseiten schnell zu hell werden. Die Belichtung sollte daher anhand des Histogramms und der hellsten Gefiederpartien kontrolliert werden.
Bei Vögeln, deren Wechsel zum rostfarbenen Prachtkleid bereits weiter fortgeschritten ist, sind ausgebrannte weiße Flächen häufig weniger problematisch. Trotzdem sollten die verbleibenden hellen Gefiederbereiche ihre Zeichnung behalten.
Bei einem einzelnen Vogel reicht es nicht aus, nur das Auge scharf abzubilden. Auch die übrigen Tiere im Vorder- und Hintergrund beeinflussen die Bildwirkung. Gerade in dichten Trupps entstehen schnell störende Überschneidungen.
Ein unscharfer Vogel kann den Hintergrund zwar lebendiger machen, seine Position muss jedoch zum Hauptmotiv passen. Ein angeschnittener Schnabel, ein Körper direkt hinter dem Kopf des scharfen Vogels oder mehrere unruhige Silhouetten können eine ansonsten starke Aufnahme deutlich schwächen.
Deshalb lohnt es sich, bereits beim Fotografieren auf die Abstände zwischen den Vögeln zu achten. Kleine Veränderungen in der eigenen Position oder wenige Sekunden Geduld können dafür sorgen, dass sich die Tiere im Bild besser voneinander trennen.
Auch hier ist eine längere Bildserie hilfreich. Während sich die Vögel bewegen, verändern sich Kopfhaltung, Abstände und Hintergrund ständig. Oft unterscheidet sich das stärkste Foto einer Serie nur durch eine deutlich bessere Position der umgebenden Tiere.
Besonders interessant werden die Aufnahmen, wenn sie zeigen, was die Sichelstrandläufer gerade tun. Dazu gehören das Sondieren im Schlamm, das gemeinsame Weiterlaufen durch das Wasser, kurze Flüge innerhalb des Rastplatzes und das Landen bei anderen Truppmitgliedern.
Wer das Bewegungsmuster eine Weile beobachtet, kann häufig abschätzen, in welche Richtung sich die Gruppe bewegt. Dann ist es leichter, genügend Platz vor den Vögeln zu lassen und den passenden Bildausschnitt vorzubereiten.
Nach der Nahrungssuche ruhen Sichelstrandläufer häufig gemeinsam mit anderen Limikolen auf flachen Schlickflächen oder im seichten Wasser. Dabei stehen sie oft dicht beieinander und verbergen den Schnabel im Rückengefieder, um Energie für den weiteren Zug zu sparen.
Gerade während des Vogelzugs entstehen an geeigneten Rastplätzen häufig gemischte Trupps aus verschiedenen Watvogelarten. Solche ruhigen Szenen vermitteln einen besonders guten Eindruck vom Leben in den Feuchtgebieten. Spiegelungen auf der Wasseroberfläche und das warme Licht der Morgenstunden verleihen den Aufnahmen dabei eine ganz besondere Stimmung.
Im Schlichtkleid besteht besonders eine Verwechslungsgefahr mit dem Alpenstrandläufer. Der Sichelstrandläufer wirkt meist etwas hochbeiniger und besitzt in der Regel einen längeren und deutlicher nach unten gebogenen Schnabel.
Während des Wechsels zum Prachtkleid werden rostbraune Partien an Kopf, Brust und Unterseite zunehmend sichtbar. Da dieser Wechsel bei einzelnen Vögeln unterschiedlich weit fortgeschritten sein kann, sollte die Bestimmung nie ausschließlich von der Gefiederfarbe abhängig gemacht werden.
Rastende Zugvögel benötigen ihre Energiereserven für die weitere Reise. Deshalb sollten Trupps niemals absichtlich aufgescheucht oder in Richtung eines gewünschten Fotoplatzes gedrängt werden.
Eine ruhige Position und ausreichend Abstand führen meist nicht nur zu einem respektvolleren Umgang mit den Tieren, sondern auch zu natürlicheren Bildern. Beginnen die Vögel wegen der Anwesenheit eines Fotografen auszuweichen oder fliegen wiederholt auf, ist der Abstand zu gering.
Nicht jedes Foto muss die Art bis ins kleinste Gefiederdetail zeigen. Eine Gruppe ruhender Limikolen vor der aufgehenden Sonne erzählt vor allem von der Stimmung des Lebensraumes und vom Beginn eines neuen Tages im Delta.
Solche Aufnahmen ergänzen klassische Artenporträts, weil sie zeigen, wie sich eine Beobachtung vor Ort tatsächlich anfühlen kann. Die Vögel werden dabei zu einem Teil der Landschaft, ohne ihre Bedeutung für das Bild zu verlieren.
Weitere Vögel, die sich an Feuchtgebieten, Lagunen und flachen Wasserflächen beobachten und fotografieren lassen:
Flache Küstengewässer und Feuchtgebiete bieten in den Wintermonaten besondere Möglichkeiten für die Vogelfotografie. Viele Limikolen und andere Wasservögel nutzen Spanien als Rast- oder Überwinterungsgebiet.
Mehr über diese Jahreszeit erfährst du in meinem Beitrag Vogelfotografie im Winter in Spanien – warum diese Jahreszeit besondere Bilder ermöglicht.
Auf meinen Foto- und Naturreisen steht nicht nur das einzelne Artenporträt im Mittelpunkt. Ebenso wichtig sind das natürliche Verhalten der Tiere, besondere Lichtstimmungen und ein respektvoller Umgang mit den Vögeln.
Alle Informationen zu den angebotenen Touren findest du unter Fotoreisen in Spanien.