Braunsichler fotografieren

Der Braunsichler (Plegadis falcinellus) gehört für mich zu den faszinierendsten Vögeln spanischer Feuchtgebiete. Auf den ersten Blick wirkt sein Gefieder dunkelbraun und beinahe unscheinbar. Trifft jedoch das richtige Licht auf die Federn, erscheinen plötzlich intensive rostbraune, bronzene, grünliche und violette Farbtöne. Gerade diese Veränderung macht den Braunsichler zu einem außergewöhnlichen Fotomotiv.

In Spanien habe ich die Art in sehr unterschiedlichen Feuchtgebieten beobachtet: an Lagunen im Landesinneren, in ausgedehnten Feuchtgebieten und besonders häufig in Landschaften mit überfluteten Reisfeldern. Manchmal begegnen mir nur wenige Vögel, andernorts können sich dagegen sehr große Gruppen versammeln. Nahrungssuche, Schwarmflug und gemeinschaftliche Schlafplätze bieten dadurch völlig unterschiedliche Möglichkeiten für die Fotografie.

Braunsichler bei der Nahrungssuche in einer flachen Lagune in Spanien

Vom seltenen Brutvogel zur erfolgreichen Art

Die Geschichte des Braunsichlers in Spanien ist bemerkenswert. Nachdem die Art als Brutvogel zeitweise weitgehend verschwunden war, begann sie sich wieder in geeigneten spanischen Feuchtgebieten anzusiedeln. Seitdem haben sowohl die Bestände als auch das Verbreitungsgebiet deutlich zugenommen. Heute brütet der Braunsichler wieder in verschiedenen Regionen Spaniens und hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Gebiete neu besiedelt.

Besonders eindrucksvoll sind die großen Ansammlungen, die sich in einigen ausgedehnten Feuchtgebieten, Deltalandschaften und Reisbaugebieten beobachten lassen. Dort können sich Hunderte oder sogar Tausende Braunsichler gleichzeitig aufhalten. Auch ich habe solche großen Konzentrationen vor allem in Landschaften mit weitläufigen Reisfeldern erlebt, wo die Vögel zwischen verschiedenen Nahrungs- und Ruheflächen wechseln.

Die iberischen Populationen gelten grundsätzlich als resident, der Braunsichler ist jedoch gleichzeitig eine sehr mobile Art. Neben lokalen und weiträumigeren Bewegungen kommen saisonale Wanderungen und Dispersionsbewegungen vor. Ein Teil der Vögel bleibt ganzjährig in Spanien, während andere größere Strecken zurücklegen und unter anderem zwischen der Iberischen Halbinsel und Nordafrika wechseln können.

Zwei Braunsichler bei der gemeinsamen Nahrungssuche im flachen Wasser

Reisfelder und flache Feuchtgebiete als Lebensraum

Der Braunsichler nutzt sehr unterschiedliche Süß- und Brackwasserlebensräume. Besonders wichtig sind flache Gewässer und feuchte Böden, in denen die Vögel mit ihrem langen Schnabel nach Nahrung suchen können. Dazu gehören überschwemmte Flächen, Lagunen, flache Uferzonen, Marschen und andere Feuchtgebiete.

Gruppe von Braunsichlern bei der Nahrungssuche in einem überfluteten Reisfeld

Eine besondere Rolle spielen in Spanien Reisfelder. Die flach überstauten Felder können große Nahrungsflächen bieten und werden teilweise von zahlreichen Braunsichlern gleichzeitig genutzt. Während meiner Beobachtungen habe ich erlebt, wie die Vögel von einem Reisfeld zum nächsten wechseln und dort gemeinsam nach Nahrung suchen. Bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung konnte ich sie sogar hinter Maschinen beobachten, wo sie die neu zugänglichen Flächen unmittelbar absuchten.

Für die Fotografie finde ich solche Situationen besonders interessant, weil sie nicht nur den Vogel zeigen, sondern auch etwas über seinen Lebensraum erzählen. Eine größere Gruppe in einem Reisfeld kann deshalb für mich genauso spannend sein wie eine nahe Aufnahme eines einzelnen Braunsichlers.

Mit dem gebogenen Schnabel auf Nahrungssuche

Das auffälligste Merkmal des Braunsichlers ist sein langer, deutlich nach unten gebogener Schnabel. Mit ihm untersucht der Vogel flaches Wasser und weichen Untergrund nach Nahrung. Dabei spielen vor allem wirbellose Tiere eine wichtige Rolle.

Braunsichler mit kleinem wirbellosem Beutetier im geöffneten Schnabel

Bei der Nahrungssuche sind Braunsichler fast ständig in Bewegung. Sie laufen durch das Wasser und führen den Schnabel immer wieder in Schlamm oder weiches Sediment. Gerade dabei entstehen fotografisch interessante Situationen: Der Vogel hebt den Kopf, Wasser spritzt vom Schnabel oder ein gerade gefundenes Beutetier wird aufgenommen.

Solche Momente dauern häufig nur einen Sekundenbruchteil. Deshalb arbeite ich bei der aktiven Nahrungssuche normalerweise mit einer kurzen Verschlusszeit, kontinuierlichem Autofokus und Augenerkennung. Gerade wenn der Braunsichler den Kopf immer wieder schnell ins Wasser oder in den Schlamm führt, hilft eine zuverlässige Motiverkennung dabei, den Fokus möglichst auf Kopf und Auge zu halten. Eine schnelle Serienaufnahme erhöht zusätzlich die Chance, genau die kurze Bewegung zwischen Nahrungssuche und Schlucken einzufangen.

Braunsichler mit metallisch schimmerndem Gefieder bei der Gefiederpflege

Ein Gefieder, das sich mit dem Licht verändert

Der deutsche Name Braunsichler beschreibt nur einen Teil seiner tatsächlichen Farben. Je nach Gefiederzustand und Lichteinfall können die Federn kräftig kastanien- bis rostbraun wirken, während besonders die dunkleren Bereiche metallisch schimmern. Grünliche, bronzene und violette Reflexe können dabei innerhalb weniger Augenblicke sichtbar werden und anschließend wieder beinahe verschwinden.

Besonders auffällig ist die Gesichtspartie im Brutkleid. Rund um die dunkle unbefiederte Gesichtshaut können bläuliche Bereiche beziehungsweise Linien sichtbar werden. Zusammen mit dem warmen Körpergefieder und den metallisch glänzenden Flügel- und Rückenfedern entsteht dann ein sehr farbenreiches Erscheinungsbild.

Männchen und Weibchen sehen sich im Gefieder sehr ähnlich. Unterschiedlich kräftige rostbraune oder metallische Farbtöne reichen deshalb nicht aus, um das Geschlecht eines einzelnen Vogels zuverlässig zu bestimmen. Auch Alter, Jahreszeit, Gefiederzustand und vor allem das Licht beeinflussen den Eindruck erheblich.

Braunsichler richtig belichten

Gerade das dunkle Gefieder macht die Belichtung beim Braunsichler interessant. Wird die Aufnahme zu knapp belichtet, können die dunkleren Gefiederpartien beinahe schwarz wirken und viele der feinen Farbnuancen verschwinden. Deshalb kontrolliere ich bei dieser Art besonders aufmerksam, ob im dunklen Gefieder noch ausreichend Zeichnung vorhanden ist.

Anders als bei vielen sehr hellen Wasservögeln fotografiere ich Braunsichler durchaus gerne bei gerichtetem Sonnenlicht. Wenn der Winkel stimmt, bringt das Licht den metallischen Glanz der Federn besonders intensiv hervor. Ein Lichtreflex im Auge kann zusätzlich dafür sorgen, dass der Blick des ansonsten recht dunklen Vogels deutlich lebendiger wirkt.

Das bedeutet nicht, möglichst hell zu belichten. Entscheidend ist vielmehr eine Belichtung, bei der die dunklen Bereiche ausreichend Zeichnung behalten, ohne dass besonders stark reflektierende Gefiederpartien ihre Details verlieren.

Braunsichler im Flug über einer Lagune mit grünem Schilf im Hintergrund

Braunsichler im Flug fotografieren

Auch im Flug ist der Braunsichler ein interessantes Motiv. Der lange gebogene Schnabel, die ausgestreckten Beine und die breiten Flügel ergeben eine charakteristische Silhouette. Bei einzelnen Vögeln versuche ich meist, die Bewegung mit einer kurzen Verschlusszeit einzufrieren und den Vogel bereits möglichst früh mit dem Autofokus zu erfassen.

Die Augenerkennung funktioniert bei fliegenden Braunsichlern nach meiner Erfahrung allerdings nicht immer zuverlässig. Besonders bei einem dunklen Vogel kann es je nach Licht und Hintergrund vorkommen, dass die Kamera nicht nur das Auge, sondern teilweise schon den Vogel selbst nicht sofort sicher erkennt. Hebt sich der Braunsichler nur wenig vom Hintergrund ab, kann die automatische Fokussierung dadurch schwieriger werden. Mir hilft es deshalb, den Vogel möglichst früh im Sucher zu erfassen und den Fokus bei Bedarf zunächst manuell in die richtige Entfernung zu bringen. Anschließend kann die Augenerkennung wesentlich leichter auf den Vogel beziehungsweise das Auge greifen. Gerade bei weiter entfernten Braunsichlern im Flug hat sich diese Vorgehensweise für mich bewährt.

Besonders spannend finde ich aber Situationen, in denen mehrere Vögel gleichzeitig auffliegen. Dann geht es für mich weniger um ein klassisches Porträt als um Bewegung, Form und die Wirkung der gesamten Szene. Schilf, Wasser oder eine entfernte Landschaft im Hintergrund können dabei wesentlich zur Bildwirkung beitragen.

Zwei Braunsichler in einer dynamischen Flugszene über einem Feuchtgebiet

Große Gruppen zwischen Nahrungsplatz und Schlafplatz

Braunsichler sind ausgesprochen gesellig. Besonders außerhalb der Brutplätze können sie sich zu großen Gruppen zusammenschließen. In geeigneten spanischen Feuchtgebieten entstehen Ansammlungen von vielen Hunderten oder sogar Tausenden Vögeln.

Solche Gruppen sind vor allem morgens und abends fotografisch interessant. Wenn die ersten Vögel einen Schlafplatz verlassen oder größere Schwärme über Schilfflächen und Feuchtgebiete ziehen, entstehen Bilder, bei denen nicht mehr der einzelne Braunsichler im Mittelpunkt steht. Stattdessen werden Schwarm, Landschaft, Licht und Atmosphäre zum eigentlichen Motiv.

Braunsichler fliegen am Morgen über ein flaches spanisches Feuchtgebiet

Schwärme als Teil der Landschaft fotografieren

Bei großen Schwärmen arbeite ich gerne mit etwas mehr Umgebung im Bild. Ein langer Telebereich ist dann nicht zwingend dafür gedacht, einen einzelnen Vogel möglichst groß abzubilden. Viel interessanter kann es sein, die Formation des Schwarms gemeinsam mit Schilf, Bergen oder einem farbigen Himmel zu zeigen.

Großer Schwarm Braunsichler über Schilf im Abendlicht

Gerade bei tief stehender Sonne verändert sich die Fotografie vollkommen. Einzelheiten im Gefieder verlieren an Bedeutung und die Vögel werden zu dunklen Silhouetten innerhalb der Landschaft. Solche Aufnahmen erzählen für mich besonders viel über die Dimension einer großen Ansammlung und über die Atmosphäre eines Feuchtgebiets.

Gemeinschaftliche Schlafplätze

Am Abend können sich Braunsichler an gemeinschaftlichen Schlafplätzen sammeln. In bedeutenden spanischen Feuchtgebieten können solche Ansammlungen außergewöhnliche Größen erreichen. Die Vögel treffen nach und nach aus ihren Nahrungsgebieten ein und versammeln sich an geschützten Bereichen innerhalb des Feuchtgebiets.

Hunderte Braunsichler an einem gemeinschaftlichen Schlafplatz bei Sonnenuntergang

Eine meiner eindrucksvollsten Beobachtungen war eine solche Ansammlung bei bereits sehr schwachem Licht. Hunderte Braunsichler bildeten eine große dunkle Gruppe, während sich der Himmel bereits blau und rosa verfärbte. In solchen Situationen interessiert mich weniger die perfekte Darstellung eines einzelnen Vogels als die Dimension des Schlafplatzes und die Stimmung des gesamten Moments.

Braunsichler fotografieren – meine Tipps

Für einzelne Braunsichler bevorzuge ich nach Möglichkeit eine niedrige Perspektive. Besonders bei der Nahrungssuche im flachen Wasser wirkt ein Foto auf Augenhöhe wesentlich unmittelbarer und der Hintergrund lässt sich stärker auflösen. Gleichzeitig lohnt es sich, dem Vogel genügend Raum zu lassen und seine Bewegungsrichtung zunächst zu beobachten.

Eine kurze Verschlusszeit ist für viele Situationen hilfreich. Braunsichler bewegen sich bei der Nahrungssuche schnell, führen den Kopf ständig nach unten und wieder nach oben und wechseln manchmal überraschend in den Flug. Kontinuierlicher Autofokus und Serienaufnahme sind deshalb für mich die wichtigsten Grundeinstellungen bei aktiven Vögeln.

Bei dieser Art lohnt es sich außerdem, mit dem Licht zu arbeiten. Ein Braunsichler kann bei ungünstigem Licht beinahe einfarbig dunkel erscheinen und wenige Minuten später intensive rostbraune und metallische Farben zeigen. Deshalb achte ich nicht nur auf die Position des Vogels, sondern besonders auf die Richtung, aus der das Licht auf das Gefieder fällt.

Bei größeren Gruppen ändere ich meinen fotografischen Ansatz. Dann muss nicht mehr jeder einzelne Vogel perfekt freigestellt sein. Schwärme über einem Feuchtgebiet, mehrere Vögel bei der Nahrungssuche oder eine große Ansammlung am Schlafplatz können den Charakter der Art wesentlich besser zeigen als ein weiteres enges Porträt.

Weitere Vögel der spanischen Feuchtgebiete

Wenn du dich für Braunsichler interessierst, findest du auf meiner Website weitere Arten aus ähnlichen Lebensräumen. Dazu gehören der Stelzenläufer, der Löffler, die Flamingos und der Purpurreiher.

Weitere Vogel- und Tierarten mit meinen Beobachtungen und Fototipps findest du in der Artenübersicht.

Vogelparadies Spanien

Spanien bietet mit seinen Lagunen, Reisfeldern, Feuchtgebieten, Steppen und Gebirgslandschaften außergewöhnlich unterschiedliche Lebensräume für Vögel. In meinem Blogartikel Vogelarten in Spanien – Ein Paradies für Naturfotografie erfährst du mehr über die Vielfalt der Vogelwelt und die Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung und Naturfotografie.

Braunsichler auf einer individuellen Fotoreise erleben

Je nach Region, Jahreszeit und aktuellen Bedingungen kann der Braunsichler auch auf einer Fotoreise La Mancha – Vogelvielfalt im Frühling zu den möglichen Beobachtungen gehören. Eine bestimmte Vogelart lässt sich in der Natur selbstverständlich nicht garantieren, die Reise kann jedoch gezielt an passende Lebensräume und fotografische Interessen angepasst werden.

Einen Überblick über meine weiteren Angebote findest du auf der Übersicht meiner Fotoreisen in Spanien.

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