Der Kiebitz (Vanellus vanellus) gehört mit seiner langen Federhaube, dem schwarz-weißen Gefieder und den metallisch schimmernden Flügeldecken zu den auffälligsten Vögeln europäischer Feuchtgebiete. Je nach Lichteinfall erscheinen auf seinem dunklen Obergefieder grüne, blaue und violette Farbtöne.
In Spanien beobachte ich Kiebitze besonders häufig während des Winterhalbjahres. Dann können sich größere Gruppen an flachen Lagunen, Überschwemmungsflächen, feuchten Wiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen aufhalten. Einzelne Paare brüten jedoch auch in geeigneten spanischen Lebensräumen.
Der Kiebitz gehört zur Familie der Regenpfeifer. Kennzeichnend sind die gerundeten Flügel, die vergleichsweise kurzen Beine und die lange, schmale Federhaube am Hinterkopf. Im Flug fällt die Art durch ihre breiten Flügel und das kontrastreiche Schwarz-Weiß-Muster auf.
Das scheinbar dunkle Obergefieder ist nicht einfach schwarz. Bei geeignetem Licht entstehen metallisch grüne, blaue, bronzefarbene und violette Reflexe. Ähnlich wie beim Star oder beim Braunen Sichler verändert sich die sichtbare Farbe mit dem Lichteinfall und der Haltung des Vogels.
Die Länge der Federhaube kann sich zwischen einzelnen Kiebitzen deutlich unterscheiden. Adulte Männchen tragen im Prachtkleid häufig eine besonders lange Haube, während sie bei Weibchen, Jungvögeln und außerhalb des ausgeprägten Brutkleids meist kürzer wirkt. Für eine sichere Bestimmung müssen jedoch immer mehrere Merkmale gemeinsam betrachtet werden.
Spanien ist für den Kiebitz vor allem ein wichtiges Überwinterungsgebiet. Ab Herbst treffen zahlreiche Vögel aus nördlicher gelegenen Brutgebieten ein. Im Winter können sie große Ansammlungen bilden, bevor viele von ihnen im Frühjahr wieder nach Norden ziehen.
Daneben gibt es in Spanien auch eine kleinere Brutpopulation. Kiebitze brüten dort vor allem in offenen, niedrig bewachsenen Landschaften mit feuchten Böden, flachen Gewässern oder zeitweise überschwemmten Bereichen. Die Brutvorkommen sind jedoch wesentlich kleiner als die winterlichen Bestände.
Kiebitze nutzen unterschiedliche offene Lebensräume. Dazu gehören flache Lagunen, feuchte Wiesen, Überschwemmungsflächen, Sümpfe, Uferbereiche und landwirtschaftlich genutzte Felder. Entscheidend sind offene Flächen mit niedriger Vegetation, auf denen die Vögel ihre Umgebung gut überblicken und ausreichend Nahrung finden können.
Auch auf Äckern lassen sich Kiebitze beobachten. Besonders während des Winters halten sie sich dort teilweise gemeinsam mit Goldregenpfeifern und anderen Limikolen auf. Feuchte Böden bieten gute Bedingungen für Regenwürmer, Insektenlarven, Käfer und weitere kleine Wirbellose.
In meinen Beobachtungsgebieten in Spanien kommen die Kiebitze regelmäßig an flache Lagunen und deren Uferbereiche. Dort suchen sie nicht ständig nach Nahrung. Häufig stehen sie über längere Zeit nahezu regungslos an offenen Stellen und ruhen, bevor sie langsam weiterlaufen oder erneut mit der Nahrungssuche beginnen.
Ein ruhender Kiebitz kann über längere Zeit fast bewegungslos an derselben Stelle bleiben. Für die Fotografie ist das eine gute Gelegenheit, sich auf Perspektive, Hintergrund und Belichtung zu konzentrieren. Gleichzeitig sollte man nicht davon ausgehen, dass sich der Vogel deshalb leicht annähern lässt.
Kiebitze sind aufmerksam und reagieren außerhalb vertrauter Bereiche häufig empfindlich auf Menschen. Wer direkt auf sie zuläuft, sorgt meistens dafür, dass sie ihre Ruheposition verlassen. Wesentlich bessere Möglichkeiten entstehen aus einem Versteck, einem Fotohide oder einem Fahrzeug.
Eine ruhige Wasseroberfläche kann das metallische Gefieder zusätzlich betonen. Selbst wenn die Spiegelung nicht vollkommen symmetrisch ist, können die Farben des Wassers und die offene Umgebung viel über den Lebensraum erzählen.
Besonders im Winter lassen sich Kiebitze häufig in kleineren oder größeren Gruppen beobachten. Bei einer wahrgenommenen Gefahr steigen oft mehrere Vögel gleichzeitig auf. Sie kreisen einige Zeit über dem Gebiet und landen anschließend häufig wieder in der Nähe ihres ursprünglichen Aufenthaltsortes.
Auslöser können beispielsweise Greifvögel, Säugetiere am Ufer oder eine zu starke Annäherung von Menschen sein. Nicht jeder Aufflug bedeutet jedoch, dass die Ursache sofort erkennbar ist. Kiebitze reagieren oft schon auf Störungen, die für uns kaum wahrnehmbar sind.
Dieses Verhalten ist fotografisch besonders interessant. Durch die breiten, gerundeten Flügel und die wechselnden Flugrichtungen verändert sich das sichtbare Schwarz-Weiß-Muster ständig. Gleichzeitig sind die Bewegungen einer Gruppe schwer vorherzusagen.
Kiebitze wirken im Flug anders als viele weitere Limikolen. Ihre breiten, gerundeten Flügel und die teilweise unregelmäßig wirkenden Richtungswechsel ergeben eine sehr charakteristische Silhouette. Während der Balz zeigen die Männchen zusätzlich auffällige Flugmanöver über dem Brutgebiet.
Auch der Ruf ist unverwechselbar. Er klingt weit tragend, hell und teilweise beinahe elektronisch. Besonders wenn eine Gruppe auffliegt oder mehrere Vögel über einem Feuchtgebiet kreisen, ist der Ruf oft schon zu hören, bevor die Kiebitze entdeckt werden.
Für Flugaufnahmen lohnt es sich, eine ruhende Gruppe aufmerksam zu beobachten und die Kamera bereits passend einzustellen. Wenn alle Vögel gleichzeitig starten, bleibt meist nur wenig Zeit, um Fokus und Belichtung anzupassen.
Kiebitze brüten am Boden in offenen Landschaften mit kurzer oder lückiger Vegetation. Das Nest besteht aus einer flachen Mulde und ist in seiner Umgebung häufig nur schwer zu erkennen.
Die Küken sind Nestflüchter. Schon kurz nach dem Schlupf verlassen sie die Nestmulde und bewegen sich selbstständig durch den Lebensraum. Ihr braun gemustertes Daunenkleid ist hervorragend an trockene Erde, kleine Steine und niedrige Pflanzen angepasst.
Gerade wegen dieser Tarnung besteht die Gefahr, ein Küken zu übersehen. Während der Brut- und Aufzuchtzeit sollte man deshalb niemals direkt auf einen warnenden Altvogel zulaufen oder ein Jungtier verfolgen. Aufnahmen sollten nur aus ausreichender Entfernung, aus dem Fahrzeug oder aus einem bereits vorhandenen Versteck entstehen.
Das Gefieder des Kiebitzes zeigt seine Farben erst bei geeignetem Lichteinfall vollständig. Ohne direktes oder seitliches Licht können die Oberseiten beinahe schwarz erscheinen. Trifft das Licht in einem günstigen Winkel auf die Federn, werden dagegen grüne, blaue und violette Reflexe sichtbar.
Weiches Licht erleichtert eine ausgeglichene Belichtung. Etwas stärkeres Sonnenlicht kann die metallischen Farben besonders deutlich hervorbringen, erhöht aber gleichzeitig den Kontrast zwischen den dunklen und weißen Gefiederpartien.
Ich kontrolliere deshalb vor allem die weißen Bereiche an Bauch, Hals und Kopf. Sie sollten ihre Zeichnung behalten und nicht ausbrennen. Gleichzeitig darf die Aufnahme nicht so stark unterbelichtet werden, dass im dunklen Gefieder keine Strukturen mehr sichtbar sind.
Auch das Auge profitiert von einem günstigen Lichteinfall. Ein kleiner Lichtreflex lässt den dunklen Kopf lebendiger wirken und trennt das Auge besser vom umliegenden Gefieder.
Eine niedrige Kameraposition bringt die elegante Körperform, die Federhaube und das schimmernde Gefieder besonders gut zur Geltung. Gleichzeitig verschwimmen Vorder- und Hintergrund stärker, sodass sich der Vogel besser vom Lebensraum abhebt.
An offenen Lagunen ist eine niedrige Position allerdings nur sinnvoll, wenn sie erreicht werden kann, ohne die Vögel aufzuscheuchen. Direkt auf einen Kiebitz zuzukriechen oder ihm am Ufer zu folgen, ist keine geeignete Methode.
Am besten sucht man sich einen bekannten Aufenthaltsbereich und wartet dort ruhig. Ein festes Versteck oder ein Fotohide am Wasser bietet sehr gute Möglichkeiten. Dabei können sowohl ruhende Vögel als auch Nahrungssuche, Spiegelungen und plötzliche Flugbewegungen fotografiert werden.
Gerade im Winter ist das Auto für mich eine der besten Möglichkeiten, Kiebitze zu fotografieren. In geeigneten Landschaften lassen sich die Vögel von Wegen oder befahrbaren Feldrändern aus beobachten, ohne dass man offen zu Fuß auf sie zulaufen muss.
Das Fahrzeug wird häufig deutlich besser akzeptiert als eine Person außerhalb des Autos. Trotzdem sollte man langsam fahren, ausreichend Abstand halten und nicht an Stellen stehen bleiben, an denen andere Fahrzeuge oder die Vögel behindert werden.
Dichte oder niedrige Vegetation kann aus dem Fahrzeug sogar vorteilhaft sein. Durch ein geöffnetes Seitenfenster entsteht eine vergleichsweise niedrige Perspektive, während Gräser im Vordergrund einen natürlichen Rahmen bilden können.
Bei einem ruhig stehenden Kiebitz reicht häufig eine moderate Verschlusszeit. Da die Vögel jedoch jederzeit loslaufen oder plötzlich auffliegen können, arbeite ich lieber mit etwas zusätzlicher Reserve.
Für ruhende oder langsam laufende Kiebitze können, abhängig von Brennweite und Aufnahmesituation, Verschlusszeiten zwischen ungefähr 1/800 und 1/1600 Sekunde ein guter Ausgangspunkt sein. Für Flugaufnahmen und gemeinsam startende Gruppen sind etwa 1/2500 Sekunde oder kürzer sinnvoll.
Ein kontinuierlicher Autofokus mit Vogel- oder Augenerkennung ist hilfreich. Bei mehreren Kiebitzen sollte kontrolliert werden, welchen Vogel die Kamera erfasst. Für einen einzelnen Vogel im Flug kann eine etwas größere Fokuszone zuverlässiger sein als ein sehr kleines Messfeld.
In spanischen Lagunen, Überschwemmungsflächen und feuchten Agrarlandschaften lassen sich neben dem Kiebitz viele weitere interessante Vogelarten beobachten. Dazu gehören beispielsweise die Bekassine, die Spießente und der Stelzenläufer.
→ Weitere Vogel- und Tierarten entdecken
Spanien bietet mit seinen Lagunen, Feuchtwiesen, Küstengebieten und landwirtschaftlich geprägten Landschaften Lebensraum für zahlreiche Brut-, Zug- und Wintervögel. Je nach Jahreszeit verändert sich die Artenvielfalt deutlich und eröffnet immer wieder neue fotografische Möglichkeiten.
Mehr über die Vogelwelt Spaniens und die besten Jahreszeiten für die Naturfotografie erfährst du in meinem Blogartikel:
→ Vogelfotografie und Fotohides in Spanien, die Jahreszeiten im Überblick
Auf meinen Fotoreisen in Spanien stehen besondere Vogelarten, gutes Licht und sorgfältig ausgewählte fotografische Möglichkeiten im Mittelpunkt. Je nach Region und Jahreszeit führen die Reisen in Steppenlandschaften, Gebirge, Wälder oder große Feuchtgebiete.
Der Kiebitz ist keine feste Zielart jeder Reise. Besonders während des Winterhalbjahres können sich in geeigneten Feuchtgebieten jedoch gute Möglichkeiten ergeben, einzelne Vögel oder größere Gruppen zu beobachten und zu fotografieren.
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