Die Krähenscharbe (Gulosus aristotelis) gehört für mich zu den charakteristischen Vögeln felsiger Meeresküsten in Spanien. Meine ersten längeren Begegnungen mit dieser Art liegen inzwischen einige Jahre zurück. Damals konnte ich Krähenscharben an einem Strand im Nordosten Spaniens beobachten, an dem felsige Abschnitte unmittelbar an das Meer grenzen. Besonders interessant war für mich, dass dort sowohl dunkel ausgefärbte adulte Vögel als auch deutlich hellere Jungvögel zu sehen waren.
Fotografisch sind Krähenscharben vielseitiger, als ihre zunächst fast schwarze Erscheinung vermuten lässt. Je nach Licht zeigt das Gefieder erwachsener Vögel einen intensiven grünlichen Glanz. Dazu kommen auffällige Augen, der lange Schnabel mit seiner hakigen Spitze und während der Balzzeit der charakteristische Federschopf. Gleichzeitig bieten die Felsen, das Meer und die Bewegungen der Vögel zahlreiche Möglichkeiten, sie nicht nur als Porträt, sondern eingebettet in ihren natürlichen Lebensraum zu fotografieren.
Die Krähenscharbe ist eine ausgesprochen marine Vogelart. In Spanien findet man sie vor allem entlang geeigneter felsiger Küsten, an Klippen, Inseln und anderen Bereichen, die Ruheplätze und geschützte Möglichkeiten zum Brüten bieten. Anders als der Kormoran ist sie stark an die Meeresküste gebunden und nur ausnahmsweise weit im Binnenland anzutreffen.
In Spanien kommen sowohl die atlantische als auch die mediterrane Unterart vor. Die Vögel sind grundsätzlich das ganze Jahr über zu beobachten. Vor allem adulte Krähenscharben sind vergleichsweise standorttreu, während jüngere Vögel stärker entlang der Küste umherstreifen können.
Für die Fotografie finde ich gerade ruhigere Küstenabschnitte außerhalb der touristischen Hauptsaison interessant. Bei meinen damaligen Beobachtungen hielten sich die Vögel regelmäßig auf Felsen nahe eines Strandes auf. Da dort auch Menschen vorbeikamen, wirkten einige Krähenscharben vergleichsweise tolerant. Das sollte man allerdings nicht auf andere Orte übertragen: Fluchtdistanzen können stark variieren und sollten immer respektiert werden.
Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen adulten und jungen Krähenscharben. Erwachsene Vögel erscheinen auf den ersten Blick beinahe schwarz. Bei geeignetem Licht zeigt ihr Gefieder jedoch einen intensiven grünlichen Glanz, der auf Fotos besonders schön sichtbar werden kann.
Junge Krähenscharben wirken dagegen deutlich heller. Ihr Gefieder ist braun bis graubraun, die Unterseite kann wesentlich heller und teilweise cremefarben erscheinen. Gerade bei der mediterranen Unterart können Jungvögel ausgesprochen hell wirken. Mit zunehmendem Alter verändert sich das Gefieder, bis die für adulte Vögel charakteristische dunkle Färbung erreicht wird.
In meiner damaligen Fotoserie waren viele dieser jüngeren Vögel anwesend. Dadurch ließen sich die unterschiedlichen Gefiederstadien teilweise sogar unmittelbar nebeneinander beobachten.
Männchen und Weibchen lassen sich bei der Krähenscharbe anhand eines einzelnen Fotos normalerweise nicht zuverlässig unterscheiden. Beide Geschlechter sehen sich sehr ähnlich. Männchen sind durchschnittlich größer, doch die Größenbereiche überschneiden sich.
Auch der auffällige Federschopf ist kein Merkmal, mit dem sich ein Männchen bestimmen lässt. Während der Balzzeit können adulte Krähenscharben diese nach oben gebogenen verlängerten Federn an der Stirn zeigen. Gleichzeitig wirkt das dunkle Gefieder dann besonders glänzend. Außerhalb dieser Phase ist der Schopf deutlich weniger ausgeprägt oder kann vollständig fehlen.
Für Fotografen ist gerade diese Kombination aus dunklem Gefieder, grünlichem Glanz, auffälligem Auge und den verlängerten Kopffedern ein reizvolles Detailmotiv.
Auf den ersten Blick kann die Krähenscharbe mit dem Kormoran verwechselt werden. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch einige gute Merkmale. Die Krähenscharbe ist insgesamt kleiner und schlanker. Kopf und Schnabel wirken feiner, der Hals schmaler und die Stirn steiler.
Bei adulten Krähenscharben fällt außerdem das relativ einheitlich dunkle, häufig grünlich glänzende Gefieder auf. Charakteristisch ist die gelbliche Linie am Schnabelwinkel. Der Kormoran besitzt dagegen eine deutlich ausgedehntere helle beziehungsweise gelbliche unbefiederte Kehl- und Gesichtspartie und kann insbesondere im Prachtkleid auffällige weiße Gefiederpartien zeigen.
Auch der Lebensraum liefert einen Hinweis, sollte aber nie als einziges Bestimmungsmerkmal dienen. Krähenscharben sind eng an felsige Meeresküsten gebunden. Kormorane findet man dagegen nicht nur am Meer, sondern regelmäßig auch an Flüssen, Seen, Lagunen und Stauseen weit im Landesinneren.
Eine der interessantesten Anpassungen der Krähenscharbe betrifft ihr Gefieder. Häufig wird vereinfacht behauptet, Kormorane und Krähenscharben hätten kein Fett auf ihren Federn und würden deshalb beim Tauchen vollständig nass. So einfach ist es jedoch nicht.
Wie andere Vögel besitzen auch Krähenscharben eine Bürzeldrüse und pflegen ihr Gefieder. Entscheidend ist vielmehr die besondere Struktur der Federn. Das Gefieder ist nicht so stark wasserabweisend wie beispielsweise das vieler Entenvögel. Gleichzeitig verbleibt auch beim Tauchen Luft innerhalb der komplexen Federstruktur. Es handelt sich also nicht um ein Gefieder, das einfach vollständig mit Wasser vollläuft.
Diese geringere Wasserabweisung hat für einen Tauchjäger einen Vorteil: Eine sehr große Luftmenge im Gefieder würde den Auftrieb erhöhen und das Abtauchen erschweren. Die Eigenschaften des Gefieders stellen damit einen Kompromiss dar, ausreichend Schutz und Isolation auf der einen Seite, weniger hinderlicher Auftrieb unter Wasser auf der anderen.
Nach längeren Aufenthalten im Meer kann das Gefieder teilweise benetzt sein. Das bekannte Verhalten, bei dem Krähenscharben mit weit geöffneten Flügeln auf Felsen sitzen, dient deshalb vor allem dem Trocknen des Gefieders. Oft schließen sich ausgiebige Gefiederpflege und Ruhephasen an.
Den größten Teil ihrer Nahrung erbeuten Krähenscharben unter Wasser. Sie fressen vor allem Fische, ergänzend können auch Krebstiere erbeutet werden. Dabei jagen sie sowohl frei im Wasser als auch in der Nähe des Meeresbodens.
Wie lange und wie tief eine Krähenscharbe taucht, hängt stark vom Jagdgebiet und von der verfügbaren Beute ab. Untersuchungen zeigen häufig Tauchzeiten von einigen Dutzend Sekunden. In einer Feldstudie lagen die durchschnittlichen Tauchgänge bei rund 42 Sekunden, einzelne Tauchgänge können jedoch deutlich länger dauern. Auch Tiefen von mehreren Dutzend Metern sind möglich.
Vom Ufer aus ist dieses Verhalten faszinierend zu verfolgen. Ich habe Krähenscharben immer wieder auf dem Meer schwimmen sehen, bevor sie plötzlich unter der Oberfläche verschwanden. Oft taucht der Vogel anschließend an einer Stelle wieder auf, an der man ihn zunächst überhaupt nicht erwartet hat.
Für die Fotografie bedeutet das: Wer eine schwimmende Krähenscharbe beobachtet, sollte den Bereich um die letzte Tauchstelle großzügig im Auge behalten. Das Wiederauftauchen lässt sich nicht immer exakt vorhersehen.
Die Verbindung aus Felsen und Meer prägt das Leben der Krähenscharbe. Ruheplätze liegen häufig unmittelbar über dem Wasser, während die Nahrung im Meer gesucht wird. Nach der Jagd lassen sich die Vögel immer wieder auf Felsen beobachten, wo sie ruhen, ihr Gefieder pflegen oder trocknen.
Für mich gehören deshalb auch Wellen, Wasserspritzer und die Struktur der Küste zu einem gelungenen Krähenscharbenfoto. Solche Elemente erzählen mehr über die Art als ein vollständig aufgelöster Hintergrund und können gleichzeitig unerwartete Momente erzeugen.
Krähenscharben brüten an felsigen Küsten. Ihre Nester liegen häufig geschützt auf Felsvorsprüngen, in Spalten oder kleinen Höhlen und können aus Zweigen, Algen und anderem Pflanzenmaterial aufgebaut sein. In geeigneten Gebieten können mehrere Paare gemeinsam brüten, wobei die einzelnen Nester voneinander getrennt liegen.
Beide Eltern beteiligen sich an der Brut und später an der Versorgung der Jungvögel. Die Nahrung wird für die Jungen hochgewürgt. Nach dem Ausfliegen bleiben junge Krähenscharben zunächst noch von ihren Eltern abhängig.
Gerade weil geeignete Brutplätze räumlich begrenzt sind und die Krähenscharbe in Spanien als gefährdet gilt, sollte man an bekannten Brutküsten besonders zurückhaltend fotografieren. Für gute Bilder ist es weder notwendig noch sinnvoll, sich Nestern oder besetzten Felsspalten zu nähern. Wesentlich interessanter sind ohnehin die natürlichen Ruhe-, Bade- und Jagdsituationen außerhalb des unmittelbaren Nestbereichs.
Die größte technische Herausforderung bei adulten Krähenscharben ist für mich ihr sehr dunkles Gefieder. Wird zu knapp belichtet, verschwinden die feinen Federstrukturen schnell in nahezu schwarzen Flächen. Gerade der grünliche Glanz, der einen adulten Vogel so interessant macht, kommt dann kaum zur Geltung.
Gleichzeitig kann die Umgebung einen großen Kontrast erzeugen. Reflektiertes Sonnenlicht auf dem Meer kann sehr hell werden, während der Vogel selbst im Vergleich dazu dunkel bleibt. Ich kontrolliere deshalb besonders bei starkem Licht regelmäßig die Belichtung und achte darauf, sowohl Zeichnung im dunklen Gefieder als auch Struktur in den hellen Wasserflächen zu erhalten.
Bedecktes oder leicht diffuses Licht kann bei dieser Art ausgesprochen angenehm sein. Die Kontraste sind geringer und feine Strukturen im schwarzen Gefieder lassen sich häufig leichter darstellen. Bei direktem Licht kann dafür der metallisch grüne Glanz besonders intensiv erscheinen.
Auch wenn Krähenscharben auf einem Felsen lange ruhig wirken können, lohnt es sich, fotografisch auf plötzliche Bewegungen vorbereitet zu bleiben. Ein Abflug, ein kurzes Flügelschlagen, Gefiederpflege oder eine Interaktion mit einem anderen Vogel kann innerhalb weniger Sekunden entstehen.
Wenn ich mit einer solchen Bewegung rechne, arbeite ich deshalb lieber mit einer ausreichend kurzen Verschlusszeit und Serienaufnahme. Sitzt der Vogel dagegen längere Zeit vollkommen ruhig, kann die Verschlusszeit reduziert werden, um den ISO-Wert niedrig zu halten und möglichst viele Details im dunklen Gefieder zu erhalten.
Sehr gerne beziehe ich außerdem die Felsen in die Bildgestaltung ein. Ein unscharfer Fels im Vordergrund kann Tiefe erzeugen und gleichzeitig etwas von dem Lebensraum erzählen. Dadurch muss ein Vogel auch nicht immer vollständig freigestellt sein. Gerade bei einer Küstenart wie der Krähenscharbe gehören Fels und Meer für mich zum Bild.
Obwohl Krähenscharben an geeigneten Stellen regelmäßig beobachtet werden können, ist ihre Situation in Spanien nicht unproblematisch. Die Art wird hier als gefährdet eingestuft. Zu den Belastungen zählen unter anderem unbeabsichtigte Fänge in Fischereigeräten, Veränderungen des Nahrungsangebots, Verschmutzungen sowie Störungen in Brut- und Nahrungsgebieten.
Dass einzelne Vögel beringt oder mit wissenschaftlichen Sendern ausgestattet sind, ist deshalb nicht ungewöhnlich. Auch bei meinen Beobachtungen habe ich immer wieder markierte Krähenscharben gesehen. Solche Forschungsprojekte helfen dabei, Bewegungen, Überleben, Nahrungssuche und die Nutzung unterschiedlicher Küstenabschnitte besser zu verstehen.
An Spaniens Küsten lassen sich neben der Krähenscharbe zahlreiche weitere Vogelarten beobachten. Auf felsigen und sandigen Küstenabschnitten kann beispielsweise der Austernfischer auftreten, während in geeigneten Küstenlagunen und Salinen auch die Brandgans zu den interessanten Fotomotiven gehört. Einen Überblick über weitere Arten und ihre unterschiedlichen Lebensräume findest du auf meiner Seite Tierarten & Fotografie.
Krähenscharben sind keine Art, auf die sich eine meiner Fotoreisen ausschließlich konzentriert. Die spanische Küste ist jedoch nur einer von vielen sehr unterschiedlichen Lebensräumen, die das Land für Naturfotografen interessant machen. Einen Überblick über meine Reisen und die verschiedenen Möglichkeiten zur Vogel- und Naturfotografie findest du unter Fotoreisen in Spanien.
Krähenscharben sind in Spanien keine reinen Wintergäste, sondern können an geeigneten Küsten das ganze Jahr über beobachtet werden. Für mich hat der Winter fotografisch trotzdem einen besonderen Reiz: Viele Strände und Küstenabschnitte sind dann deutlich ruhiger als während der Hauptreisezeit. Mehr über die Möglichkeiten der Vogelfotografie in dieser Jahreszeit findest du in meinem Beitrag Vogelfotografie im Winter in Spanien – warum diese Jahreszeit besondere Bilder ermöglicht.
Du möchtest die Krähenscharbe und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.