Der Mäusebussard (Buteo buteo) gehört zu den Greifvögeln, die man in Spanien das ganze Jahr über beobachten kann. Besonders faszinierend finde ich bei dieser Art die enorme Variabilität des Gefieders. Manche Vögel sind überwiegend dunkelbraun, andere besitzen deutlich hellere Partien. Aus Deutschland kenne ich sogar Mäusebussarde mit einem ausgesprochen hellen, beinahe weißen Gesicht. Bei den Vögeln, die ich bisher in Spanien fotografiert habe, sind mir dagegen häufig eher dunkle Individuen begegnet. Das ist meine persönliche Beobachtung und lässt sich nicht auf jeden spanischen Mäusebussard übertragen.
Auch der Ruf gehört für mich unverwechselbar zum Mäusebussard. Oft macht er auf einen Vogel aufmerksam, bevor man ihn überhaupt entdeckt hat. Besonders eindrucksvoll wird es fotografisch jedoch, wenn ein Bussard seinen Ansitz verlässt oder direkt auf einen neuen Landeplatz zufliegt. Dann verändert sich der eher kompakt wirkende Greifvogel innerhalb eines Augenblicks: Flügel und Schwanz öffnen sich, die Fänge werden nach vorne gestreckt und aus dem ruhigen Ansitzjäger wird ein ausgesprochen dynamisches Fotomotiv.
Der Mäusebussard ist auf der Iberischen Halbinsel weit verbreitet, kommt aber regional in unterschiedlicher Dichte vor. Besonders gut entsprechen ihm strukturreiche Landschaften, in denen sich offene Flächen mit Bäumen, Gehölzen oder Waldstücken abwechseln. Solche Lebensräume bieten ihm sowohl geeignete Ansitze und Brutplätze als auch offene Bereiche für die Nahrungssuche.
Ich begegne Mäusebussarden in Spanien in ganz unterschiedlichen Landschaften: in Waldgebieten und deren Randbereichen ebenso wie in Agrarlandschaften, auf Brachen und in trockenen, offenen Gebieten. Entscheidend ist weniger ein einzelner Landschaftstyp als eine für den Bussard geeignete Kombination aus Jagdflächen und Strukturen, die er als Ansitz oder Rückzugsort nutzen kann.
Obwohl der Mäusebussard weit verbreitet ist, empfinde ich längere direkte Beobachtungen nicht immer als selbstverständlich. Häufig entdecke ich ihn im Flug oder während der Jagd, während ein sitzender Vogel schnell wieder verschwinden kann. Gerade deshalb lohnt es sich, bei einem entdeckten Mäusebussard nicht nur das erste Porträt aufzunehmen, sondern sein Verhalten weiter zu beobachten.
Kaum ein Merkmal des Mäusebussards ist für mich so interessant wie seine Gefiederfärbung. Die Art ist ausgesprochen variabel. Es gibt sehr dunkle Vögel, bei denen Braun- und Dunkeltöne dominieren, ebenso wie auffallend helle Individuen mit großen weißlichen Bereichen. Dazwischen liegen zahlreiche Übergangsformen.
Diese Variabilität kann die Bestimmung ungewöhnlich gefärbter Vögel erschweren. Der in Nordeuropa brütende Raufußbussard kann beispielsweise ähnlich wirken, ist in Spanien jedoch nur eine Ausnahmeerscheinung. Gerade ungewöhnlich helle Mäusebussarde können zu Verwechslungen führen.
Auch zwischen Männchen und Weibchen bestehen Größenunterschiede. Weibliche Mäusebussarde sind im Durchschnitt größer als männliche. Bei einem einzelnen Vogel lässt sich das Geschlecht anhand der scheinbaren Größe oder der Gefiederfarbe jedoch nicht zuverlässig bestimmen. Einer meiner fotografierten Mäusebussarde wirkte auf mich beispielsweise auffallend kompakt und gleichzeitig recht dunkel. Genau solche individuellen Unterschiede machen die Art für mich fotografisch besonders spannend.
Neben den großen Farbunterschieden lohnt es sich, beim Mäusebussard auch auf kleinere Gefiederdetails zu achten. Im Flug fällt der relativ breite, abgerundete Schwanz besonders auf. Die Steuerfedern zeigen eine Querbänderung, die je nach Haltung und Lichteinfall unterschiedlich deutlich sichtbar wird.
Bei einem meiner Bilder sitzt der Bussard mit dem Rücken zur Kamera und dreht den Kopf zur Seite. Durch diese Position sind nicht nur der kräftig gebogene Schnabel und das Auge gut zu erkennen, sondern auch Teile der Steuerfedern. Gerade die helleren Bereiche zwischen den dunkleren Querbändern treten dabei deutlich hervor. Solche Ansichten gefallen mir, weil sie Details zeigen, die bei einem klassischen seitlichen Porträt schnell verborgen bleiben.
Der Mäusebussard ist ein vielseitiger Jäger. Eine typische Strategie ist die Ansitzjagd: Von einem erhöhten Punkt beobachtet er die Umgebung und startet, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Er kann Beute aber ebenso aus dem Flug suchen und Nahrung am Boden aufnehmen. Diese Flexibilität trägt dazu bei, dass er mit sehr unterschiedlichen Landschaften zurechtkommt.
Zu seiner Nahrung gehören vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse und andere Nager. Das Nahrungsspektrum ist jedoch deutlich breiter. Je nach Angebot erbeutet der Mäusebussard auch andere kleine Wirbeltiere, darunter Vögel, Reptilien und Amphibien, außerdem größere Wirbellose. Auch Aas wird genutzt. Selbst Kaninchen können zum Nahrungsspektrum gehören, wobei daraus nicht abgeleitet werden sollte, dass ausgewachsene Kaninchen eine typische Hauptbeute darstellen.
Für die Fotografie ist vor allem interessant, dass ein scheinbar ruhig sitzender Bussard seine Haltung innerhalb kürzester Zeit verändern oder plötzlich abfliegen kann. Deshalb beobachte ich nicht nur den Vogel selbst, sondern achte auch auf seine Körpersprache. Ein aufmerksamer Blick, eine veränderte Körperhaltung oder eine Bewegung können einer interessanten Szene unmittelbar vorausgehen.
Zur Brutzeit benötigt der Mäusebussard geeignete Nistmöglichkeiten in Verbindung mit erreichbaren Jagdflächen. Seine Horste befinden sich häufig in Bäumen und werden aus Ästen aufgebaut. Bestehende Horste können erneut genutzt beziehungsweise ausgebessert werden. Beide Partner beteiligen sich am Nestbau.
Für die Naturfotografie ist während dieser Zeit vor allem eines wichtig: Abstand. Ein bekannter Horst ist kein Grund, sich für ein Foto anzunähern. Wesentlich interessanter und schonender ist es, die Vögel in ihren Jagdgebieten oder an regelmäßig genutzten Ansitzen zu beobachten, ohne das Brutgeschehen zu beeinflussen.
Die abwechslungsreichen spanischen Landschaften bieten dafür viele Möglichkeiten. Gerade Übergänge zwischen Wald, Gehölzen und offenen Flächen können interessant sein, weil der Mäusebussard hier geeignete Ansitzmöglichkeiten mit erreichbaren Jagdflächen verbinden kann.
Der Mäusebussard ist in Spanien ganzjährig zu beobachten. Die spanischen Brutvögel sind überwiegend Standvögel beziehungsweise führen eher begrenzte Bewegungen durch. Im Winter ist die Situation dennoch dynamischer, denn zusätzlich erreichen Mäusebussarde aus anderen Teilen Europas die Iberische Halbinsel. Unter den Wintergästen befinden sich auch Vögel aus nördlicheren europäischen Populationen.
Hinzu kommen Bewegungen innerhalb Spaniens. Vögel aus Gebirgsregionen können während der kalten Jahreszeit in tiefer gelegene Gebiete ausweichen. Ein Mäusebussard, den man im Winter in Spanien beobachtet, muss deshalb nicht zwangsläufig zu derselben lokalen Population gehören, die dort während der Brutzeit anzutreffen ist.
Für Fotografen kann gerade diese Jahreszeit interessant sein. Offene Agrarlandschaften, Brachen und trockenes Gras bieten nicht nur geeignete Jagdgebiete, sondern können auch sehr charakteristische Hintergründe schaffen. Die warmen Gelb- und Brauntöne solcher Landschaften harmonieren für mich besonders gut mit dem Gefieder des Mäusebussards.
Bei einem sitzenden Mäusebussard ist die Fotografie zunächst relativ unkompliziert. Trotzdem versuche ich, von Anfang an auf einen möglichen Abflug vorbereitet zu sein. Denn sobald der Vogel startet, verändert sich die Situation innerhalb eines Augenblicks.
Bei schnellen Flugszenen und insbesondere beim Anflug arbeite ich deshalb gerne mit Verschlusszeiten ab etwa 1/3200 Sekunde. Wenn das Licht es zulässt, gehe ich auch auf 1/4000 Sekunde oder noch kürzer. Gerade bei einem frontal oder seitlich anfliegenden Bussard möchte ich nicht riskieren, dass Auge, Flügelspitzen oder Fänge durch Bewegungsunschärfe an Wirkung verlieren. Bei wenig Licht muss man natürlich zwischen Verschlusszeit und höherem ISO abwägen.
Eine zuverlässige Augenerkennung beziehungsweise ein kontinuierlich nachführender Autofokus ist dabei sehr hilfreich. Zusätzlich nutze ich die Serienaufnahme. Das ist nicht nur wegen der Geschwindigkeit des Vogels wichtig. Schon kleine Veränderungen der Flügel-, Kopf- oder Körperhaltung können die Wirkung eines Bildes vollständig verändern. Innerhalb einer kurzen Serie können deshalb mehrere technisch scharfe Aufnahmen entstehen, von denen eine durch die Haltung des Vogels deutlich stärker wirkt als die anderen.
Besonders reizvoll finde ich den Moment unmittelbar vor der Landung. Der Mäusebussard öffnet die Flügel, fächert den Schwanz auf und streckt die Fänge nach vorne. Dabei wird eine Körperhaltung sichtbar, die man bei einem ruhig sitzenden Vogel überhaupt nicht wahrnimmt. Für solche Situationen lohnt es sich, genügend Platz um den Vogel zu lassen, damit Flügel und Schwanz vollständig ins Bild passen.
Auch wenn viele Mäusebussarde auf den ersten Blick überwiegend braun wirken, können einzelne Gefiederpartien ausgesprochen hell sein. Bei hell gefärbten Individuen ist der Kontrast noch größer. Deshalb achte ich darauf, dass die hellsten Federn nicht ausbrennen und noch Zeichnung behalten.
Mindestens ebenso wichtig wie die technische Belichtung ist für mich die Haltung des Vogels. Ein Mäusebussard kann ruhig und zurückhaltend wirken und wenige Augenblicke später durch einen direkten Blick, geöffnete Flügel oder vorgestreckte Fänge eine vollkommen andere Bildwirkung bekommen. Gerade die Serienaufnahme hilft dabei, diese kurzen Veränderungen einzufangen.
Auch der Lebensraum darf dabei ruhig Teil des Bildes bleiben. Trockenes Gras, eine offene Wiese, ein alter Stamm oder ein natürlicher Stein erzählen mehr über die Begegnung als ein vollkommen neutraler Hintergrund. Nicht jedes Foto muss ein enges Greifvogelporträt sein.
Wer sich für den Mäusebussard interessiert, begegnet in Spanien je nach Landschaft auch zahlreichen anderen Greifvögeln. In bewaldeten und strukturreichen Gebieten kann beispielsweise der Habicht vorkommen, während der Turmfalke häufig offene Landschaften nutzt. Deutlich größer und in seiner Erscheinung kaum mit einem Mäusebussard zu verwechseln ist der Steinadler.
Weitere bereits vorgestellte Vogel- und Tierarten findest du in meiner Übersicht Tierarten & Fotografie in Spanien.
Der Mäusebussard ist ein gutes Beispiel dafür, warum sich bei der Naturfotografie in Spanien nicht nur die Suche nach besonders seltenen Arten lohnt. Ein weit verbreiteter Greifvogel kann durch unterschiedliche Gefiederfärbungen, Jagdverhalten, Flug- und Landeszenen sowie die wechselnden Landschaften immer wieder vollkommen neue Motive bieten.
Auf meiner Fotoreise La Mancha – Vogelvielfalt im Herbst gehört der Mäusebussard zu den Greifvögeln, die sich mit etwas Aktivität in den offenen Landschaften beobachten und fotografieren lassen. Besonders interessant sind dabei Ansitz-, Flug- und Anflugsituationen, bei denen sich die unterschiedlichen Seiten dieses vielseitigen Greifvogels zeigen können.
Welche Möglichkeiten es für die Natur- und Vogelfotografie in Spanien gibt, findest du in meiner Übersicht zu den Fotoreisen in Spanien.
Wenn du noch überlegst, welche Reise am besten zu deinen fotografischen Interessen passt, findest du zusätzliche Anregungen in meinem Beitrag Welche Fotoreise passt zu mir in Spanien?. Dort zeige ich, wie sich unterschiedliche Reisen, Landschaften und fotografische Schwerpunkte voneinander unterscheiden.
Du möchtest den Mäusebussard und andere Greifvögel in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.