Pfuhlschnepfe fotografieren

Die Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica) gehört mit ihrem langen, leicht aufwärts gebogenen Schnabel zu den besonders auffälligen Limikolen. In Spanien begegnet sie mir deutlich seltener als vielen anderen Watvögeln. Besonders während des Vogelzugs können Pfuhlschnepfen an geeigneten Küstenabschnitten, Wattflächen und Ästuaren erscheinen und dort teilweise auch in Gruppen beobachtet werden.

Fotografisch finde ich die Art besonders spannend, weil sich innerhalb kurzer Zeit sehr unterschiedliche Situationen ergeben können: aktive Nahrungssuche im Sand, laufende Vögel am Wasserrand, Gefiederpflege oder ganze Gruppen mit unterschiedlich weit entwickeltem Brutkleid.

Pfuhlschnepfe am Strand bei der Nahrungssuche in Nordspanien

Lebensraum und Vorkommen der Pfuhlschnepfe in Spanien

Die Pfuhlschnepfe ist in Spanien kein regelmäßiger Brutvogel. Ihre wichtigsten Lebensräume liegen hier vor allem an der Küste. Während des Vogelzugs nutzt sie Wattflächen, Ästuare, Strände, Salzwiesen und andere flache Küstenbereiche als Rast- und Nahrungsgebiete. Einzelne Beobachtungen sind auch abseits der typischen Küstenlebensräume möglich.

Neben den Durchzüglern verbringen auch Pfuhlschnepfen den Winter auf der Iberischen Halbinsel. Die Anzahl der Vögel und ihre Verteilung können dabei regional sehr unterschiedlich sein.

Meine eigenen Begegnungen mit der Pfuhlschnepfe stammen von der nordspanischen Küste. Dort konnte ich sowohl einzelne Vögel als auch eine größere Gruppe beobachten. Gerade an geeigneten Strand- und Wattbereichen lassen sich Nahrungssuche, Ruhephasen und das Verhalten innerhalb einer Gruppe besonders schön beobachten.

Nahrungssuche mit einem hoch spezialisierten Schnabel

Der lange, leicht aufwärts gebogene Schnabel der Pfuhlschnepfe ist hervorragend für die Nahrungssuche in weichem Untergrund geeignet. An Küsten und Wattflächen sucht sie vor allem nach wirbellosen Tieren. Dazu gehören unter anderem Würmer, kleine Krebstiere und andere im oder auf dem Sediment lebende Beutetiere.

Bei der Nahrungssuche läuft die Pfuhlschnepfe durch flaches Wasser, über feuchten Sand oder Schlick und untersucht den Untergrund mit ihrem Schnabel. Dabei kann sie ihn weit in das weiche Sediment einführen und dort nach verborgener Nahrung suchen. Genau dieses Verhalten lässt sich auf dem Foto besonders schön erkennen.

Fotografisch entstehen dabei ständig wechselnde Situationen. Innerhalb weniger Augenblicke wechselt der Vogel zwischen Laufen, Stochern und kurzen Pausen. Manchmal wird der Schnabel nur kurz in den Untergrund geführt, ein anderes Mal verschwindet ein großer Teil davon im Sediment. Gerade diese unterschiedlichen Bewegungen machen die Nahrungssuche für mich zu einem der interessantesten Verhaltensweisen der Pfuhlschnepfe.

Pfuhlschnepfe stochert mit ihrem langen Schnabel tief im Sand nach Nahrung

Wer einen Vogel eine Weile beobachtet, bekommt dadurch nicht nur klassische Seitenporträts, sondern kann auch die typische Nahrungssuche dokumentieren. Eine niedrige Perspektive ist dabei besonders wirkungsvoll: Schnabel, Kopfbewegungen und der unmittelbare Lebensraum am Strand werden stärker Teil der Aufnahme.

Vom Schlichtkleid zum auffälligen Brutkleid

Besonders interessant ist die deutliche Veränderung des Gefieders im Jahresverlauf. Im Schlichtkleid wirken Pfuhlschnepfen überwiegend grau- und beigebraun mit heller Unterseite. Im Brutkleid können dagegen intensive rostrote bis orangebraune Farbtöne an Kopf, Hals und Unterseite auftreten.

Gruppe von Pfuhlschnepfen mit unterschiedlich ausgeprägtem Brutkleid am Strand

Männchen zeigen im Brutkleid gewöhnlich eine intensivere rostrote Färbung, während Weibchen im Durchschnitt größer sind und häufig heller beziehungsweise weniger intensiv gefärbt erscheinen. Die individuelle Variation ist allerdings erheblich. Deshalb sollte das Geschlecht eines einzelnen Vogels nicht allein anhand der Intensität der Färbung bestimmt werden.

Gerade eine Gruppe kann deshalb besonders interessant sein. Auf einem meiner Fotos stehen mehrere Pfuhlschnepfen mit deutlich unterschiedlichen Gefiederstadien zusammen. Dadurch wird auf einem einzigen Bild sichtbar, wie unterschiedlich die Art während der Übergangszeit aussehen kann.

Pfuhlschnepfe bei der Gefiederpflege am Strand

Gefiederpflege und ruhige Verhaltensmomente

Zwischen der aktiven Nahrungssuche nehmen sich die Vögel immer wieder Zeit für die Pflege ihres Gefieders. Solche Situationen wirken zunächst weniger spektakulär, bieten fotografisch aber interessante Körperhaltungen und zeigen einen weiteren Teil des natürlichen Verhaltens.

Wenn ein Vogel längere Zeit an derselben Stelle bleibt, lohnt es sich deshalb, ihn weiter zu beobachten. Gerade nach längerer ruhiger Beobachtung entstehen häufig Situationen, die über ein klassisches Porträt hinausgehen.

Pfuhlschnepfe oder Uferschnepfe?

Eine der naheliegendsten Verwechslungsmöglichkeiten ist die Uferschnepfe (Limosa limosa). Beide Arten besitzen sehr lange Schnäbel und Beine und können auf den ersten Blick ähnlich wirken.

Bei der Pfuhlschnepfe ist der Schnabel typischerweise leicht nach oben gebogen, während er bei der Uferschnepfe gerader erscheint. Auch Körperproportionen, Gefieder und Schwanzzeichnung unterscheiden sich. Besonders im Flug kommen weitere Merkmale hinzu, die eine sichere Bestimmung erleichtern.

Pfuhlschnepfe im Schlichtkleid im flachen klaren Wasser an der Küste

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die spanischen Namen. Die Pfuhlschnepfe heißt aguja colipinta, die Uferschnepfe dagegen aguja colinegra. Der Name der Uferschnepfe verweist auf ihren auffälligen schwarzen Schwanzbereich, während der Name der Pfuhlschnepfe auf die gebänderte beziehungsweise gezeichnete Schwanzpartie Bezug nimmt.

Ein außergewöhnlicher Langstreckenzieher

Die Pfuhlschnepfe gehört zu den eindrucksvollsten Langstreckenziehern der Vogelwelt. Populationen der Art verbinden ihre weit nördlich gelegenen Brutgebiete mit Rast- und Überwinterungsgebieten, die Tausende Kilometer entfernt liegen.

Wie außergewöhnlich diese Zugleistung sein kann, zeigt eine andere Population der Pfuhlschnepfe: Ein besenderter Jungvogel der Unterart Limosa lapponica baueri legte auf seinem Zug von Alaska nach Tasmanien mehr als 13.000 Kilometer ohne dokumentierte Zwischenlandung zurück. Solche Rekordflüge betreffen nicht die europäischen Pfuhlschnepfen, zeigen aber eindrucksvoll, zu welchen Leistungen diese Art grundsätzlich fähig ist.

Für die in Spanien beobachteten Vögel sind besonders die Zugzeiten interessant. Während des Frühjahrs ziehen Pfuhlschnepfen wieder in Richtung ihrer nördlichen Brutgebiete, wobei noch im April und Mai Durchzügler auftreten können. Der Rückzug beginnt später im Jahr erneut und bringt die Vögel auf dem Weg in ihre Überwinterungsgebiete wieder an geeignete Rastplätze.

Pfuhlschnepfe läuft am Strand entlang und zeigt ihre schlanke Körperform

Pfuhlschnepfen fotografieren – meine Tipps

Pfuhlschnepfen sind während der Nahrungssuche ständig in Bewegung. Sie laufen, stoppen kurz, stecken den Schnabel in den Untergrund und wechseln anschließend wieder ihre Position. Für solche Situationen arbeite ich gerne mit einer kurzen Verschlusszeit.

Kontinuierlicher Autofokus und eine zuverlässige Augenerkennung können dabei sehr hilfreich sein. Gerade wenn der Vogel schnell die Kopfposition verändert oder plötzlich losläuft, erhöht eine Serienaufnahme zusätzlich die Chance, genau den Moment mit einer interessanten Haltung und einem scharfen Auge zu erwischen.

Bei der Belichtung sind die helleren Gefiederbereiche im Auge zu behalten. Die Kontraste sind häufig weniger extrem als bei rein weißen Vogelarten, trotzdem sollten auch in den hellen Federn möglichst noch Strukturen erhalten bleiben.

Pfuhlschnepfe im rostfarbenen Brutkleid am Strand mit Tropfen am Schnabel

Besonders wichtig ist für mich die Perspektive. Wenn es die Situation zulässt, fotografiere ich Limikolen möglichst auf Augenhöhe. Dadurch löst sich der Vogel stärker vom Hintergrund, Vorder- und Hintergrund werden ruhiger und die Aufnahme vermittelt viel stärker das Gefühl, sich auf derselben Ebene wie der Vogel zu befinden.

Auch Lichtreflexe im Auge können eine Aufnahme deutlich lebendiger wirken lassen. Bei tiefem Morgen- oder Abendlicht kann das ansonsten dunkle Auge einen warmen bräunlichen Reflex zeigen.

Beobachten statt hinterherlaufen

Gerade bei rastenden Limikolen lohnt es sich, die Vögel zunächst in Ruhe zu beobachten. Bei der Nahrungssuche bewegen sie sich häufig selbst über größere Bereiche des Strandes. Wer genügend Abstand hält und ihre Bewegungsrichtung beobachtet, kann interessante Situationen entstehen lassen, ohne einem einzelnen Vogel ständig folgen zu müssen.

Das ist besonders während des Vogelzugs wichtig. Rastplätze dienen den Vögeln dazu, Nahrung aufzunehmen und Energiereserven für die nächste Etappe zu sammeln. Eine rücksichtsvolle Beobachtung und Fotografie gehört deshalb für mich selbstverständlich zu jeder Begegnung mit der Pfuhlschnepfe.

Pfuhlschnepfe im ausgeprägten Brutkleid bei der Nahrungssuche am Strand

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