Der Sanderling (Calidris alba) gehört zu den Watvögeln, die ich in Spanien besonders häufig beobachtet und fotografiert habe. Die kleinen, lebhaften Vögel sind meist ständig in Bewegung. Sie laufen an der Wasserkante entlang, folgen den zurückweichenden Wellen und suchen im frisch freigelegten Sand nach Nahrung.
Ich habe Sanderlinge an vielen unterschiedlichen Orten in Spanien fotografiert, an der Atlantikküste, am Mittelmeer, an offenen Sandstränden, in Flussdeltas und an küstennahen Lagunen. Häufig begegnet man ihnen in kleinen Gruppen. An geeigneten Rastplätzen können sich jedoch auch Schwärme aus Hunderten Vögeln versammeln.
Der Sanderling ist ein kleiner, kompakt wirkender Watvogel mit schwarzen Beinen und einem relativ kurzen, geraden Schnabel. Besonders charakteristisch ist sein Verhalten an der Brandung. Sobald sich eine Welle zurückzieht, laufen die Vögel dem Wasser hinterher und suchen auf der gerade freigelegten Fläche nach Nahrung. Kommt die nächste Welle, bewegen sie sich schnell wieder in Richtung Strand.
Im Schlichtkleid wirkt der Sanderling sehr hell. Seine Oberseite ist überwiegend silbergrau gefärbt, während Bauch und Unterseite fast vollständig weiß erscheinen. An hellen Sandstränden können die Vögel dadurch erstaunlich gut mit ihrer Umgebung verschmelzen.
Im Frühjahr verändert sich das Gefieder deutlich. Kopf, Hals, Brust und Teile der Oberseite nehmen zunehmend warme rostbraune bis rotbraune Farbtöne an. Da nicht alle Vögel gleichzeitig mausern, lassen sich innerhalb einer Gruppe oft unterschiedliche Übergangsstadien zwischen Schlicht- und Prachtkleid erkennen.
Ein weiteres besonderes Merkmal des Sanderlings ist die fehlende Hinterzehe. Im Gegensatz zu den meisten anderen Limikolen besitzt er nur drei nach vorn gerichtete Zehen. Dieses Merkmal lässt sich allerdings meist nur aus der Nähe oder auf guten Fotos erkennen und spielt bei der Feldbestimmung eine eher untergeordnete Rolle.
Außerhalb der Brutzeit halten sich Sanderlinge überwiegend an Küsten auf. Besonders typisch sind offene Sandstrände, Spülsäume und flache Bereiche entlang der Brandung. Auch Wattflächen, Flussmündungen, Deltas und küstennahe Lagunen bieten geeignete Nahrungs- und Rastplätze.
Die Brutgebiete des Sanderlings liegen weit im Norden in der arktischen Tundra. In Spanien begegnen wir der Art hauptsächlich während des Vogelzugs und im Winter. Im Frühjahr lassen sich teilweise bereits intensiv rostbraun gefärbte Vögel beobachten, die sich auf dem Weg in ihre arktischen Brutgebiete befinden.
Ich habe Sanderlinge an ganz unterschiedlich aussehenden Stränden fotografiert. Manche Vögel suchten auf nahezu vegetationslosen Sandflächen nach Nahrung, andere bewegten sich zwischen großen Mengen angespülter Algen. Gerade solche Unterschiede im Lebensraum machen die Fotografie dieser Art besonders abwechslungsreich.
Kaum einen anderen Watvogel verbinde ich so stark mit ständiger Bewegung. Sanderlinge laufen schnell über den Strand, bleiben kurz stehen, stochern im Sand und setzen ihren Weg unmittelbar danach fort.
Ihre Bewegungen wirken aus größerer Entfernung manchmal gleichmäßig und ruhig. Durch die Kamera erkennt man jedoch, wie schnell sich der Kopf bei der Nahrungssuche bewegt und wie abrupt die Vögel ihre Richtung ändern können.
Sanderlinge treten gelegentlich einzeln auf, meistens sind sie jedoch in kleinen Gruppen unterwegs. An besonders geeigneten Rast- und Überwinterungsplätzen können wesentlich größere Ansammlungen entstehen. In einem spanischen Delta konnte ich einen Schwarm beobachten, der aus mehreren Hundert Sanderlingen bestand.
Sanderlinge suchen im Sand, im Spülsaum und im flachen Wasser nach kleinen Wirbellosen und anderer erreichbarer Nahrung. Häufig stecken sie ihren Schnabel nur kurz in den feuchten Untergrund oder lesen etwas direkt von der Oberfläche auf.
Besonders ergiebig sind die Bereiche, die gerade von einer Welle überspült wurden. Dort können kleine Krebstiere, Würmer, Weichtiere und andere Nahrungsbestandteile freigelegt werden. Die Vögel reagieren sehr schnell und nutzen die kurze Zeit, bevor die nächste Welle den Bereich erneut bedeckt.
Eine ungewöhnliche Beobachtung gelang mir an einem Strand, an dem zahlreiche Segelquallen (Velella velella) angespült worden waren. Am Strand lagen sowohl blaue Gewebereste als auch die transparenten, fast wie dünnes Plastik aussehenden Skelette der Segelquallen.
Ein Sanderling untersuchte diese Überreste und fraß an den noch vorhandenen blauen Gewebeteilen. Es handelte sich dabei um eine einzelne Beobachtung und nicht um eine Nahrung, die Sanderlinge grundsätzlich oder regelmäßig aufnehmen müssen. Die Szene zeigte jedoch, wie aufmerksam sie das unterschiedliche Nahrungsangebot im Spülsaum untersuchen.
Neben der schnellen Nahrungssuche lassen sich Sanderlinge gelegentlich auch beim Baden und bei der Gefiederpflege beobachten. Solche Situationen dauern häufig nur kurz, bieten aber interessante Möglichkeiten für Verhaltensaufnahmen.
Beim Baden senken die Vögel ihren Körper tief ins flache Wasser, schlagen mit den Flügeln und verteilen das Wasser im Gefieder. Anschließend schütteln sie sich meist kräftig. Die vielen kleinen Wassertropfen und die ausgebreiteten Federn können auf den Fotos sehr dynamisch wirken.
Auf den ersten Blick scheint der Sanderling ein relativ einfaches Fotomotiv zu sein. Die Vögel halten sich häufig auf offenen Flächen auf und können an manchen Stränden erstaunlich nah vorbeilaufen. Trotzdem ist es nicht immer leicht, wirklich scharfe und gleichzeitig gut gestaltete Aufnahmen zu erhalten.
Die größte Herausforderung sind die schnellen und ruckartigen Bewegungen. Selbst wenn der Körper für einen kurzen Augenblick ruhig erscheint, kann sich der Kopf bei der Nahrungssuche sehr schnell bewegen. Dazu kommen plötzliche Richtungswechsel und schnelle Läufe direkt auf die Kamera zu.
Für laufende oder fressende Sanderlinge verwende ich möglichst eine Verschlusszeit von mindestens 1/2500 Sekunde. Bei sehr schnellen Bewegungen, beim Baden oder beim Schütteln des Gefieders kann eine noch kürzere Verschlusszeit sinnvoll sein.
Bei einem ruhig stehenden Vogel würden grundsätzlich längere Verschlusszeiten ausreichen. Da Sanderlinge jedoch häufig ohne Vorwarnung loslaufen oder ihren Kopf nach vorne schnellen lassen, arbeite ich lieber mit einer gewissen Sicherheitsreserve.
Ein kontinuierlicher Autofokus ist bei dieser Art besonders hilfreich. Die Augenerkennung moderner Kameras kann den Kopf eines laufenden Sanderlings häufig zuverlässig verfolgen.
Trotzdem kontrolliere ich die Schärfe nach einer Bildserie genau. Sand, Wasserreflexe, Algen oder andere Vögel können das Autofokussystem ablenken. Bei einer Gruppe kann die Kamera außerdem plötzlich auf einen anderen Sanderling wechseln.
Vor allem Sanderlinge im Schlichtkleid besitzen große weiße Gefiederbereiche. Bei direkter Sonne können diese schnell überbelichtet werden und ihre feinen Strukturen verlieren.
Ich kontrolliere deshalb regelmäßig die hellsten Bereiche des Bildes und das Histogramm. Bei starkem Sonnenlicht kann eine leichte negative Belichtungskorrektur helfen. Gleichzeitig sollte der Vogel nicht unnötig dunkel aufgenommen werden, da ein starkes späteres Aufhellen zu mehr Bildrauschen führen kann.
Wie bei vielen kleinen Watvögeln wirkt auch der Sanderling aus einer sehr niedrigen Perspektive besonders intensiv. Wenn der Untergrund und die Situation es erlauben, fotografiere ich möglichst direkt vom Boden oder aus einer sehr tiefen Position.
Dadurch befindet sich die Kamera ungefähr auf Augenhöhe des Vogels. Gleichzeitig wird der Hintergrund weicher und der Sanderling hebt sich besser von seiner Umgebung ab. Wasserflächen, entfernte Wellen und Strandbereiche können aus dieser Perspektive ein sehr ruhiges Bokeh erzeugen.
Sehr flaches und ruhiges Wasser bietet die Möglichkeit, den Sanderling zusammen mit seiner Spiegelung zu fotografieren. Besonders geeignet sind geschützte Strandbereiche, Lagunen oder kleine Wasserflächen zwischen den Wellen.
Bei einer vollständigen Spiegelung benötigt das Motiv im unteren Bereich des Bildes zusätzlichen Platz. Das sollte bereits bei der Aufnahme berücksichtigt werden, damit die Spiegelung später nicht zu knapp angeschnitten ist.
Die besten Situationen entstehen häufig, wenn ich mich frühzeitig an einer geeigneten Stelle positioniere und ruhig abwarte. Sanderlinge folgen bei der Nahrungssuche oft einer bestimmten Linie entlang der Wasserkante.
Befindet man sich ruhig in ihrer möglichen Laufrichtung, kommen sie manchmal von selbst näher. Ein Vogel, der freiwillig auf den Fotografen zuläuft, zeigt meistens ein natürlicheres Verhalten als ein Sanderling, dem man ständig über den Strand folgt.
In diesem kurzen Video siehst du genau dieses Verhalten. Der Sanderling kommt von selbst näher, während ich ruhig sitzen bleibe. Für mich ist das eine der schönsten Arten der Vogelfotografie: Nicht dem Vogel hinterherlaufen, sondern ihm die Entscheidung überlassen, ob er näherkommen möchte.
Bei mehreren Sanderlingen kommt es nicht nur auf die technische Schärfe an. Wichtig ist auch, wie die einzelnen Vögel im Bild zueinander stehen. Schnell wird ein Kopf von einem anderen Körper verdeckt oder ein Vogel erscheint störend angeschnitten am Bildrand.
Ich beobachte die Gruppe deshalb möglichst lange und warte auf eine harmonische Anordnung. Besonders interessant sind Situationen, in denen sich unterschiedliche Gefiederstadien, Körperhaltungen oder Verhaltensweisen miteinander vergleichen lassen.
Auch Gegenlicht kann bei der Sanderling-Fotografie sehr reizvoll sein. Reflexionen auf dem Wasser erzeugen warme Farbtöne und helle Lichtkreise. Bei tief stehender Sonne kann sich außerdem ein schmaler Lichtsaum um den Vogel bilden.
Wird bewusst deutlich dunkler belichtet, lässt sich der Sanderling als Silhouette darstellen. Dabei sollte seine typische Körperform weiterhin klar erkennbar bleiben. Ein ruhiger Hintergrund und eine deutliche Trennung zwischen Schnabel, Körper und Beinen sind dafür besonders wichtig.
Nach meiner Erfahrung verhalten sich Sanderlinge je nach Ort sehr unterschiedlich. An regelmäßig besuchten Stränden, an denen viele Menschen spazieren gehen, tolerieren manche Vögel vergleichsweise geringe Entfernungen.
Sie scheinen sich dort an die vorhersehbaren Bewegungen der Menschen gewöhnt zu haben. Solange Spaziergänger ihren Weg fortsetzen und nicht gezielt auf die Vögel zugehen, setzen einige Sanderlinge ihre Nahrungssuche unbeeindruckt fort.
An ruhigen Lagunen oder wenig besuchten Küstenabschnitten habe ich sie dagegen häufig deutlich scheuer erlebt. Dort kann bereits eine Bewegung auf größere Entfernung dazu führen, dass sich die Gruppe entfernt.
Eine gewisse Gewöhnung bedeutet jedoch nicht, dass ein Vogel uneingeschränkt angenähert werden kann. Unterbricht der Sanderling seine Nahrungssuche, richtet er sich wiederholt auf oder weicht er aus, sollte man die Entfernung vergrößern.
Vor allem im hellen Schlichtkleid kann der Sanderling mit anderen kleinen Strandläufern verwechselt werden. Für die Bestimmung sollten deshalb nicht nur die Gefiederfarben, sondern auch Körperbau, Schnabelform, Größe und Verhalten berücksichtigt werden.
Der Alpenstrandläufer besitzt einen längeren und meistens leicht nach unten gebogenen Schnabel. Im Prachtkleid ist sein schwarzer Bauchfleck ein sehr auffälliges Merkmal. Im Schlichtkleid kann die Unterscheidung schwieriger sein.
Der Sanderling wirkt häufig etwas kompakter und besitzt einen kürzeren, geraderen Schnabel. Sein typisches schnelles Laufen entlang der Brandung ist ein zusätzlicher Hinweis, sollte aber nicht als einziges Bestimmungsmerkmal verwendet werden.
Der Zwergstrandläufer ist deutlich kleiner und zierlicher als der Sanderling. Auch sein Schnabel wirkt kürzer und feiner. Auf einem einzelnen Foto ohne direkten Größenvergleich können diese Unterschiede jedoch schwer einzuschätzen sein.
Der Sanderling erscheint insgesamt kräftiger gebaut und zeigt im Schlichtkleid eine besonders helle, silbergraue Oberseite.
Sanderlinge müssen während des Vogelzugs und im Winter ausreichend Nahrung aufnehmen. Auch wenn einzelne Vögel an belebten Stränden wenig scheu erscheinen, sollten sie nicht ständig zum Ausweichen oder Auffliegen gebracht werden.
Ich bleibe möglichst ruhig, halte Abstand und lasse die Vögel selbst entscheiden, ob sie näherkommen. Der Vogel kommt zum Fotografen – nicht der Fotograf zum Vogel.
Besondere Rücksicht sollte auf ruhende Gruppen genommen werden. Wiederholtes Auffliegen kostet Energie und kann dazu führen, dass die Sanderlinge einen geeigneten Nahrungs- oder Rastplatz verlassen.
Freilaufende Hunde können an vielen Stränden ebenfalls ein Problem darstellen. Sie scheuchen ruhende und fressende Vögel häufig über größere Entfernungen auf. Schutzbereiche und örtliche Leinenregeln sollten daher unbedingt beachtet werden.
Im folgenden Video zeige ich Sanderlinge in ihrem natürlichen Lebensraum. Besonders gut lässt sich ihr typisches Verhalten an der Wasserkante beobachten.
An Spaniens Küsten, Lagunen und Feuchtgebieten lassen sich neben dem Sanderling viele weitere interessante Watvögel beobachten und fotografieren.
Sanderlinge zeigen besonders schön, wie sich die Vogelwelt an Spaniens Küsten im Verlauf des Jahres verändert. Im Winter erscheinen viele Vögel im hellen Schlichtkleid. Im Frühjahr lassen sich zunehmend kräftig gefärbte Durchzügler beobachten, die sich auf dem Weg in ihre arktischen Brutgebiete befinden.
Mehr über die unterschiedlichen fotografischen Möglichkeiten im Jahresverlauf erfährst du in meinem Beitrag Vogelfotografie und Fotohides in Spanien, die Jahreszeiten im Überblick.
Auf meinen Fotoreisen in Spanien entdecken und fotografieren wir die vielfältige Vogelwelt unterschiedlicher Landschaften und Lebensräume. Die tatsächlich beobachteten Arten richten sich nach Reiseziel, Jahreszeit und den natürlichen Bedingungen vor Ort.
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