Der Weißstorch (Ciconia ciconia) gehört zu den bekanntesten Vogelarten Europas. Auch in Spanien begegnet er mir in sehr unterschiedlichen Lebensräumen, auf trockenen Feldern, feuchten Wiesen, an Lagunen und Flüssen, aber ebenso mitten in Dörfern. Seine großen Nester auf Kirchen, Gebäuden, Strommasten oder hohen Bäumen gehören in manchen Regionen ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild.
Gerade weil der Weißstorch vielerorts häufig zu sehen ist, bleibt man als Fotograf mit der Zeit vielleicht nicht mehr bei jedem Vogel stehen. Trotzdem bietet die Art sehr unterschiedliche Motive: größere Ansammlungen während der Zugzeit, Flugaufnahmen, Nestbau, Paarungsverhalten und Bilder, bei denen der Lebensraum eine ebenso wichtige Rolle spielt wie der Vogel selbst.
Weißstörche findet man in offenen Landschaften, auf feuchten Wiesen, landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie im Umfeld von Seen, Flüssen und Lagunen. In Spanien habe ich sie sowohl in sehr trockenen Gebieten als auch an wasserreichen Standorten beobachtet.
Bei der Nahrungssuche laufen sie häufig über Felder und Wiesen. Dort erbeuten sie unter anderem Insekten, Würmer, Amphibien, kleine Säugetiere und weitere Kleintiere. Durch ihre Größe sind sie selbst aus größerer Entfernung gut zu erkennen und können sehr schön zusammen mit ihrem Lebensraum fotografiert werden.
Der Weißstorch hat sich außerdem stark an die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft angepasst. Man findet ihn an Dörfern, auf landwirtschaftlichen Flächen und teilweise auch an Mülldeponien, wo er nach verwertbarer Nahrung sucht. Diese Anpassungsfähigkeit ist einer der Gründe dafür, dass er in sehr unterschiedlichen Regionen erfolgreich leben kann.
In Feuchtgebieten können sich mitunter sehr unterschiedliche große Vogelarten auf engem Raum begegnen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Situation, in der Weißstorch, Kraniche und Flamingos unmittelbar nebeneinanderstanden.
Alle drei Arten besitzen lange Beine und nutzen flache Gewässer oder offene Landschaften, unterscheiden sich aber deutlich in Körperform, Lebensweise und Nahrungssuche. Solche Begegnungen zeigen, wie vielfältig ein einzelner Lebensraum sein kann und wie viele unterschiedliche Arten gleichzeitig von ihm profitieren.
Wie nah man an einen Weißstorch herankommt, hängt stark davon ab, wie sehr der jeweilige Vogel an Menschen gewöhnt ist. Störche, die in Dörfern brüten oder regelmäßig in der Nähe von Straßen und Gebäuden nach Nahrung suchen, können erstaunlich gelassen wirken.
In ruhigeren Naturgebieten habe ich Weißstörche dagegen durchaus als vorsichtig und scheu erlebt. Deshalb versuche ich auch bei dieser scheinbar vertrauten Art, mich nicht direkt anzunähern. Oft ist es besser, ruhig an einer passenden Stelle zu warten und den Vogel von selbst näher kommen zu lassen.
Spanien liegt auf einer wichtigen Zugroute zwischen Europa und Afrika. Besonders im Frühjahr und Herbst können deshalb deutlich mehr Weißstörche zu sehen sein. Neben ziehenden Vögeln gibt es in Spanien allerdings auch Weißstörche, die ganzjährig bleiben oder nur kürzere regionale Wanderungen unternehmen.
Während der Zugzeit beobachte ich sie häufig in Gruppen auf Feldern oder im Umfeld von Lagunen und Seen. Von solchen Ruheplätzen fliegen die Störche morgens teilweise zur Nahrungssuche in die umliegende Landschaft und kehren später wieder in Richtung der Gewässer zurück.
Nicht immer sieht man dabei große Schwärme direkt am Himmel. Oft wird der Zug für mich vielmehr durch die plötzlich höhere Zahl an Störchen sichtbar, die gemeinsam auf Feldern stehen oder zwischen Nahrungs- und Ruheplätzen unterwegs sind.
Die Nester des Weißstorchs können beeindruckende Dimensionen erreichen. Sie werden aus Ästen und Zweigen aufgebaut, über mehrere Jahre genutzt und immer wieder erweitert. Dadurch können mächtige Horste entstehen, die hoch auf Kirchen, Gebäuden, Masten oder Bäumen liegen.
In manchen spanischen Dörfern brüten mehrere Paare in relativ geringer Entfernung voneinander. Auch auf aufeinanderfolgenden Strommasten lassen sich gelegentlich mehrere besetzte Nester beobachten. Es handelt sich dabei eher um lockere Ansammlungen als um dicht gedrängte Kolonien.
Bei der Fotografie solcher Nester beziehe ich gerne einen Teil des Baumes, Gebäudes oder der Umgebung mit ein. Dadurch wird sichtbar, wie hoch und exponiert der Brutplatz liegt. Gleichzeitig ist während der Brutzeit ein respektvoller Abstand besonders wichtig.
Der Transport von Nistmaterial bietet eine gute Möglichkeit, den Weißstorch im Flug mit einem klar erkennbaren Verhalten zu fotografieren. Äste und Zweige werden im Schnabel zum Horst getragen und dort in das bestehende Nest eingebaut.
Durch seine Größe, die breiten Flügel und den vergleichsweise ruhigen Flug lässt sich der Weißstorch meist gut mit der Kamera verfolgen. Für scharfe Flugaufnahmen verwende ich dennoch eine kurze Verschlusszeit und einen kontinuierlich nachführenden Autofokus.
Ein gleichmäßiger Himmel als Hintergrund muss dabei nicht grundsätzlich nachteilig sein. Wenn der Vogel Nistmaterial trägt oder eine besonders schöne Flügelhaltung zeigt, erzählt die Situation bereits genug über sein Verhalten.
Während der Brutzeit spielt sich ein großer Teil des Verhaltens unmittelbar am Nest ab. Neben dem Ausbau des Horstes gehören auch Balz, Paarung und später die Versorgung der Jungvögel zu den möglichen Beobachtungen.
Fotografisch kann eine Paarung bei Tageslicht sehr dokumentarisch wirken. Besonders stimmungsvoll finde ich jedoch Situationen in der Dämmerung, wenn sich die Störche und das Nest vor einem farbigen Himmel abzeichnen. Die Szene muss dann nicht in jedem Detail hell ausgeleuchtet sein, Licht und Silhouette können einen großen Teil der Bildwirkung übernehmen.
Das weiße Gefieder des Weißstorchs verlangt bei der Belichtung etwas Aufmerksamkeit. Besonders in harter Sonne können die hellen Bereiche schnell an Zeichnung verlieren. Gleichzeitig sollten die schwarzen Schwungfedern nicht vollständig in dunklen Flächen verschwinden.
Wie weiß das Gefieder auf einem Foto tatsächlich wirkt, hängt stark vom vorhandenen Licht ab. Im warmen Morgen- oder Abendlicht kann es cremefarben oder leicht golden erscheinen. Unter kühleren Lichtbedingungen wirkt es dagegen deutlich neutraler und heller.
Nicht jede beige oder graue Stelle ist allerdings nur eine Frage des Weißabgleichs. Je nachdem, wo sich ein Storch aufhält und nach Nahrung sucht, kann das Gefieder tatsächlich verschmutzt sein. Für mich muss ein wild lebender Weißstorch deshalb nicht auf jedem Bild makellos weiß aussehen.
Bei Ganzkörperaufnahmen achte ich darauf, den langen Beinen und den roten Füßen genügend Platz zu lassen. Gerade bei näheren Aufnahmen passiert es schnell, dass die Füße versehentlich am unteren Bildrand abgeschnitten werden. Durch seine hohe und schlanke Körperform eignet sich der Weißstorch sehr gut für das Hochformat.
Gleichzeitig funktioniert die Art hervorragend in weiter gefassten Querformaten. Felder, Wiesen, Lagunen, Dörfer und große Nester erzählen viel über ihre Anpassungsfähigkeit. Deshalb muss der Storch für mich nicht immer möglichst groß im Bild erscheinen.
Auch eine möglichst niedrige Perspektive kann die Bildwirkung verbessern, sofern sie sich ohne Störung umsetzen lässt. Bei fliegenden Störchen oder hoch gelegenen Nestern ist eine Aufnahme auf Augenhöhe naturgemäß nicht möglich. Dann sind Licht, Hintergrund und eine klare Körperhaltung umso wichtiger.
Adulte Weißstörche besitzen den charakteristischen roten Schnabel und rote Beine. Bei Jungvögeln sind Schnabel und Beine zunächst deutlich dunkler und nehmen erst mit zunehmendem Alter die typische rötliche Färbung an.
Das übrige Gefieder ähnelt dem der adulten Vögel bereits weitgehend. Gerade bei Gruppenaufnahmen können Schnabel- und Beinfarbe deshalb hilfreiche Hinweise geben, um jüngere von ausgewachsenen Weißstörchen zu unterscheiden.
Obwohl beide Arten zur Familie der Störche gehören, unterscheiden sie sich in ihrem Verhalten deutlich. Der Weißstorch lebt häufig in der Nähe von Menschen und brütet vielerorts auf Gebäuden, Masten oder mitten in Dörfern. Der Schwarzstorch ist dagegen wesentlich heimlicher und stärker an ruhige Waldlandschaften und abgelegene Gewässer gebunden.
Während der Zugzeit können sich beide Arten jedoch begegnen. Eine meiner Beobachtungen eines Schwarzstorchs entstand in Verbindung mit ziehenden Weißstörchen, ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig es ist, eine Situation schon lange vor dem eigentlichen Auslösen aufmerksam zu beobachten.
Lagunen, Feuchtwiesen und andere offene Wasserlandschaften bieten Lebensraum für zahlreiche große und auffällige Vogelarten. Dazu gehören beispielsweise Kraniche, Flamingos und der Graureiher.
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Gerade bei Zugvögeln und größeren Ansammlungen lohnt es sich, nicht nur auf das offensichtliche Hauptmotiv zu achten. Oft kündigen Flugrichtung, Rufe oder das Verhalten anderer Vögel bereits an, dass sich eine interessante Situation entwickeln könnte.
In meinem Blogartikel erzähle ich unter anderem von einer Begegnung mit einem Schwarzstorch, der gemeinsam mit Weißstörchen unterwegs war:
→ Die besten Vogelfotos entstehen lange vor dem Auslösen
Auf meinen Fotoreisen in Spanien stehen gutes Licht, passende Perspektiven und genügend Zeit für die Beobachtung der Vögel im Mittelpunkt. Dabei können sowohl seltene Arten als auch häufigere Vögel interessante fotografische Situationen bieten.
Je nach Region, Jahreszeit und Reise verändern sich die Arten, Lebensräume und Bedingungen. Besonders während der Zugzeiten können sich unerwartete Begegnungen und größere Ansammlungen ergeben. Bestimmte Vogelarten oder Verhaltensweisen lassen sich in der Natur jedoch nie garantieren.
→ Meine Fotoreisen in Spanien entdecken
Schreib mir gerne unverbindlich, wenn du wissen möchtest, welche Fotoreise am besten zu deinen bevorzugten Motiven und deiner Art zu fotografieren passt.