Der Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) ist der kleinste Lappentaucher Europas und gehört für mich zu den Wasservögeln, die man leicht unterschätzen kann. Durch seine geringe Größe fällt er auf größeren Wasserflächen nicht immer sofort auf. Wer sich jedoch etwas länger mit ihm beschäftigt, entdeckt einen ausgesprochen interessanten Vogel, der durch sein Tauchverhalten, den deutlichen Wechsel zwischen Pracht- und Schlichtkleid und seine schnelle Nahrungssuche viele unterschiedliche Möglichkeiten für die Naturfotografie bietet.
Ich habe den Zwergtaucher schon relativ früh während meiner Zeit in Spanien kennengelernt und ihm seitdem an ganz unterschiedlichen Gewässern begegnet. Besonders spannend finde ich, dass sich bei längerer Beobachtung häufig Situationen ergeben, die weit über das klassische Foto eines schwimmenden Wasservogels hinausgehen.
In Spanien ist der Zwergtaucher weit verbreitet und brütet auch hier. Er kann grundsätzlich während des gesamten Jahres beobachtet werden. Je nach Region und Gewässer können sich die Beobachtungsmöglichkeiten allerdings deutlich unterscheiden.
Ich selbst habe ihn an sehr unterschiedlichen Gewässern fotografiert. Dazu gehören Lagunen im Landesinneren ebenso wie küstennahe Feuchtgebiete. Häufig begegnet er mir dort, wo offene Wasserflächen mit dichter Ufervegetation, Schilf oder anderen Wasserpflanzen zusammentreffen.
Gerade diese Übergangsbereiche können fotografisch besonders interessant sein. Ein Zwergtaucher muss nicht immer mitten auf der freien Wasserfläche schwimmen. Teilweise bewegt er sich dicht entlang der Vegetation und verschwindet zwischen Schilf und Pflanzen beinahe vollständig aus dem Blickfeld.
Normalerweise bekommt man bei einem schwimmenden Zwergtaucher von seinen Füßen kaum etwas zu sehen. Umso interessanter war für mich die Situation, in der ein Vogel auf einem aus dem Wasser ragenden beziehungsweise schwimmenden Stamm stand und die Füße deutlich sichtbar wurden.
Dabei erkennt man eine Besonderheit der Lappentaucher: Anders als beispielsweise Enten besitzen sie keine durchgehenden Schwimmhäute zwischen den Zehen. Stattdessen befinden sich an den einzelnen Zehen verbreiterte Schwimmlappen. Diese besondere Form der Füße ist eine Anpassung an ihre überwiegend aquatische Lebensweise und unterstützt die Fortbewegung im Wasser.
Für eine Artenseite finde ich solche Aufnahmen besonders interessant. Ein klassisches Porträt zeigt zwar das Aussehen eines Vogels oft schöner, ein Foto wie dieses macht dagegen ein Merkmal sichtbar, das man bei normalen Beobachtungen auf dem Wasser kaum wahrnimmt.
Besonders auffällig ist beim Zwergtaucher der Unterschied zwischen Pracht- und Schlichtkleid. Im Prachtkleid zeigt er einen dunklen Scheitel und Nacken sowie kräftig kastanien- bis rotbraun gefärbte Wangen- und Halspartien. Auffällig ist außerdem der helle gelbliche Bereich am Schnabelwinkel.
Im Schlichtkleid wirkt der Zwergtaucher wesentlich unauffälliger. Die kräftigen Farben verschwinden weitgehend und werden durch deutlich zurückhaltendere Braun-, Beige- und Cremetöne ersetzt. Wer die Art hauptsächlich aus dem Prachtkleid kennt, kann deshalb überrascht sein, wie unterschiedlich derselbe Vogel außerhalb der Brutzeit wirkt.
Fotografisch gefallen mir besonders Situationen, in denen etwas Licht das Auge erreicht. Gerade bei den dunkleren Partien des Prachtkleids kann ein kleiner Lichtreflex im Auge viel ausmachen. Der Blick wirkt dadurch lebendiger und hebt sich besser vom dunklen Kopfgefieder ab.
Auch die Struktur des Gefieders kann interessant sein. Auf manchen Aufnahmen wirken die Federn am hinteren Körper deutlich lockerer oder aufgestellt. Solche kleinen Details geben einem ansonsten ruhigen Schwimmbild zusätzliche Struktur, ohne dass man aus einer einzelnen Aufnahme eine bestimmte Verhaltensbedeutung ableiten muss.
Der Zwergtaucher sucht einen großen Teil seiner Nahrung unter Wasser. Dabei erbeutet er verschiedene kleine Wassertiere und unter anderem auch kleine Fische. Entsprechend häufig kann man beobachten, wie ein Vogel plötzlich abtaucht und für einige Zeit vollständig von der Wasseroberfläche verschwindet.
Gerade dieses Verhalten macht ihn für mich fotografisch spannend. Man kann einen Zwergtaucher in einer sehr guten Position vor sich haben und wenige Augenblicke später ist er verschwunden. Beim nächsten Auftauchen befindet er sich möglicherweise deutlich weiter entfernt, zwischen Wasserpflanzen oder vor einem völlig anderen Hintergrund. Manchmal passiert aber auch genau das Gegenteil und der Vogel taucht plötzlich wesentlich günstiger oder sogar näher am Fotografen wieder auf.
Deshalb lohnt es sich, den Vogel auch nach dem Abtauchen weiter aufmerksam zu beobachten und nicht sofort die Position zu verändern.
Auf einer meiner Aufnahmen ist ein Zwergtaucher im Schlichtkleid mit einem erstaunlich großen Fisch im Schnabel zu sehen. Gerade solche Beobachtungen machen die Nahrungssuche für mich besonders spannend, denn nach einem Tauchgang weiß man nie, ob und mit welcher Beute der Vogel wieder an der Wasseroberfläche erscheint. Durch den Größenvergleich zwischen Vogel und Fisch wird auf der Aufnahme besonders deutlich, welche überraschenden Situationen sich bei längerer Beobachtung ergeben können.
Bei Zwergtauchern habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich längeres Beobachten lohnt. Wenn ein Vogel nicht bedrängt wird und man ihm Zeit lässt, können neben Schwimm- und Tauchaufnahmen ganz andere Situationen entstehen.
So konnte ich einen Zwergtaucher beispielsweise auf einem Stamm beobachten, auf dem er eine Zeit lang ruhte. Zwischen Vegetation und Spiegelung entstand dabei eine wesentlich ruhigere Aufnahme als bei den schnellen Situationen während der Nahrungssuche.
Genau solche Momente gefallen mir in der Naturfotografie besonders. Nicht jedes interessante Bild muss Bewegung oder spektakuläres Verhalten zeigen. Manchmal erzählt ein ruhender Vogel in seinem natürlichen Umfeld mindestens genauso viel über die Art.
Eine der größten fotografischen Herausforderungen beim Zwergtaucher ist seine geringe Körpergröße. Der Vogel liegt ohnehin sehr niedrig auf dem Wasser. Fotografiert man zusätzlich von einem erhöhten Ufer aus, schaut man schnell deutlich von oben auf ihn herab.
Wenn es die Situation und der Lebensraum erlauben, versuche ich deshalb, mit der Kamera möglichst tief zu kommen. Eine Aufnahme ungefähr auf Augenhöhe verändert die Wirkung deutlich: Der Hintergrund wird ruhiger, die Wasserfläche bekommt mehr Tiefe und der kleine Taucher wirkt wesentlich präsenter im Bild.
Bei einem ruhig schwimmenden Vogel muss die Verschlusszeit nicht unnötig extrem kurz sein. Trotzdem stelle ich die Kamera so ein, dass ich jederzeit auf eine schnelle Bewegung reagieren kann. Ein Zwergtaucher kann innerhalb kürzester Zeit abtauchen, den Kopf schütteln, seine Position verändern oder mit einem anderen Vogel interagieren.
Für solche Situationen sind eine kurze Verschlusszeit und Serienaufnahme hilfreich. Wenn die Kamera über eine zuverlässige Tier- oder Augenerkennung verfügt, nutze ich diese ebenfalls gerne. Gerade bei einem so kleinen Motiv kann eine zuverlässige Erkennung des Auges die Arbeit deutlich erleichtern.
Wer einen Zwergtaucher über längere Zeit bei der Nahrungssuche verfolgt, bekommt mit etwas Glück unterschiedliche Beute zu sehen. Neben Fischen gehören auch verschiedene wirbellose Wassertiere zu seinem Nahrungsspektrum.
Auf einer weiteren Aufnahme trägt der Zwergtaucher eine kleine Beute im Schnabel. Welche Art darauf genau zu sehen ist, möchte ich anhand des Fotos nicht festlegen. Für mich ist die Aufnahme trotzdem interessant, weil sie eine weitere Facette seiner Nahrungssuche dokumentiert.
Solche Situationen sind häufig nur sehr kurz. Nach dem Auftauchen kann die Beute innerhalb weniger Augenblicke verschluckt sein oder der Vogel taucht erneut ab. Hier zahlt es sich aus, die Kamera bereits vorbereitet zu haben und nicht erst dann Einstellungen zu verändern, wenn etwas passiert.
Der Zwergtaucher brütet in Spanien und nutzt dafür geeignete Gewässer mit ausreichend Vegetation. Das Nest wird im Bereich der Wasservegetation angelegt und besteht aus Pflanzenmaterial.
Besonders auffällig sehen die Jungvögel aus. Ihr Kopf zeigt eine deutliche Streifenzeichnung, wodurch sie sich stark von den Altvögeln unterscheiden. Kleine Jungvögel können bei Lappentauchern zeitweise auf dem Rücken eines Elternvogels getragen werden. Auch die Fütterung der Jungen findet auf dem Wasser statt.
Solche Familiensituationen gehören zu den interessantesten Beobachtungen, verlangen fotografisch aber besondere Rücksicht. Gerade in der Brutzeit ist ausreichend Abstand wichtiger als eine möglichst nahe Aufnahme. Natürliches Verhalten sollte immer Vorrang vor dem Foto haben.
Bei einer näheren Aufnahme werden noch einmal Details sichtbar, die auf größere Entfernung leicht untergehen. Besonders die Übergänge zwischen dem dunklen Scheitel, den warm kastanienbraunen Wangen und dem hellen Schnabelwinkel machen den Zwergtaucher im Prachtkleid zu einem interessanten Motiv.
Bei solchen Porträts achte ich besonders auf die Schärfe am Auge und auf eine saubere Belichtung der unterschiedlichen Gefiederpartien. Gleichzeitig muss nicht jedes Detail maximal hell dargestellt werden. Gerade die dunklen Bereiche gehören zum charakteristischen Erscheinungsbild des Vogels und dürfen ihre natürliche Wirkung behalten.
Der Zwergtaucher ist vielleicht nicht der erste Wasservogel, an den man bei einem außergewöhnlichen Fotomotiv denkt. Gerade seine geringe Größe, sein schnelles Tauchverhalten und die unterschiedlichen Gefieder machen ihn für mich aber zu einer Art, mit der man sich sehr lange beschäftigen kann.
Vom ruhigen Porträt auf Augenhöhe über Nahrungssuche und Tauchverhalten bis zu Aufnahmen außerhalb des Wassers entstehen sehr unterschiedliche Bilder. Je länger man einen einzelnen Vogel oder ein Gewässer beobachtet, desto größer wird die Chance, mehr als nur das klassische Schwimmbild zu bekommen.
Für mich ist genau das ein wichtiger Teil der Naturfotografie: Eine Art nicht nur für wenige Minuten zu fotografieren, sondern ihr Verhalten kennenzulernen und dadurch mit der Zeit Situationen vorherzusehen, die beim ersten kurzen Besuch leicht verborgen bleiben.
Wer sich für den Zwergtaucher interessiert, findet in den spanischen Feuchtgebieten zahlreiche weitere spannende Vogelarten. Besonders interessant ist der Vergleich mit dem deutlich anders gefärbten Schwarzhalstaucher. Weitere Arten derselben Lebensräume sind beispielsweise das Purpurhuhn, das Tafelente und die Weißkopf-Ruderente.
Auf meinen Fotoreisen in Spanien stehen nicht nur einzelne Zielarten im Mittelpunkt. Besonders an Feuchtgebieten lohnt es sich, Zeit für die Beobachtung unterschiedlicher Wasservögel einzuplanen. Dadurch können neben klassischen Porträts auch natürliche Verhaltenssituationen entstehen.
Fotoreise La Mancha – Vogelvielfalt im Frühling
Weitere Möglichkeiten für Natur- und Vogelfotografie findest du in meiner Übersicht aller Fotoreisen in Spanien.
In meiner Artenübersicht findest du weitere Vogel- und Tierarten, die ich in Spanien beobachtet und fotografiert habe.
Weitere Erfahrungen, Gedanken und Tipps rund um die Naturfotografie findest du außerdem in meinem Die ersten Zeichen des Frühlings in Spanien; Vogelzug, Licht und neue Aktivität.
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