Der Schwarzmilan (Milvus migrans) gehört für mich zu den Greifvögeln, bei denen sich besonders gut beobachten lässt, wie flexibel eine Art mit unterschiedlichen Landschaften und Nahrungsquellen umgehen kann. In Spanien begegnet man ihm während der wärmeren Jahreszeit als Brutvogel, gleichzeitig ist die Iberische Halbinsel ein wichtiger Raum für den Vogelzug. Besonders eindrucksvoll sind die Zeiten, in denen sich zahlreiche Schwarzmilane auf ihrem Weg zwischen Europa und Afrika sammeln.
Fotografisch mag ich den Schwarzmilan vor allem dann, wenn er nicht nur hoch am Himmel kreist. Sitzt ein Vogel auf einer Wiese, einem Pfahl, einem Ast oder einem Felsen, werden die feinen Strukturen seines überwiegend braunen Gefieders und der graulich wirkende Kopf viel deutlicher sichtbar. Auch seine Körperhaltung kann sich innerhalb weniger Augenblicke verändern und einem Bild eine völlig andere Wirkung geben.
Der Schwarzmilan ist in Spanien ein verbreiteter Brutvogel, allerdings nicht gleichmäßig über das Land verteilt. Schwerpunkte befinden sich vor allem im Norden und Westen der Iberischen Halbinsel. Weitere Vorkommen gibt es unter anderem im Ebro-Raum, in tieferen Lagen verschiedener Gebirgsregionen und im Süden im Umfeld des Guadalquivir. In Teilen des Ostens und Südostens ist die Art dagegen deutlich seltener.
Beim Lebensraum zeigt sich der Schwarzmilan ausgesprochen flexibel. Besonders geeignet sind offene oder halboffene Landschaften, in denen Bäume oder kleinere Gehölze mit gut erreichbaren Nahrungsflächen zusammentreffen. Dazu gehören Agrarlandschaften, Weiden, Brachen, Dehesas und andere Landschaftsmosaike. Auch Flüsse, Stauseen und Feuchtgebiete spielen vielerorts eine wichtige Rolle.
Während der Brutzeit benötigt der Schwarzmilan geeignete Bäume für seinen Horst, ohne deshalb auf große geschlossene Wälder angewiesen zu sein. Auf der Nahrungssuche kann er dagegen weit über offene Landschaften fliegen. Dadurch begegnet man ihm in Spanien in sehr unterschiedlichen Situationen, von grünen Wiesen bis zu trockenen Landschaften und felsigen Regionen.
Für mich gehört der Vogelzug zu den eindrucksvollsten Seiten des Schwarzmilans. Die Art ist in Spanien überwiegend ein Sommervogel. Nach der Brutzeit ziehen große Teile der Population nach Süden, und bereits im Hochsommer können die ersten deutlichen Zugbewegungen einsetzen. Im Spätsommer konzentriert sich der Zug zunehmend auf die Routen Richtung Afrika.
Dabei können beeindruckende Ansammlungen entstehen. Ich habe selbst schon Schwärme mit Hunderten Schwarzmilanen beobachtet. Aus der Entfernung kann eine solche Ansammlung zunächst beinahe an kreisende Geier erinnern. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass zahlreiche Milane gemeinsam unterwegs sind. An bedeutenden Zugkorridoren können die tatsächlichen Zahlen noch wesentlich größer sein.
Viele europäische Schwarzmilane überwintern südlich der Sahara, während manche iberischen Vögel auch nur bis Nordafrika ziehen. Im Frühjahr beginnt die Rückkehr nach Europa früh, und bereits gegen Ende des Winters können die ersten Rückkehrer wieder in Spanien erscheinen.
Ganz verschwunden ist die Art im spanischen Winter allerdings nicht. Einzelne Schwarzmilane überwintern auf der Iberischen Halbinsel, insbesondere in Teilen des Südwestens. Im Vergleich zum Sommer und zu den Zugzeiten sind Winterbeobachtungen jedoch wesentlich seltener.
Der Schwarzmilan ist ein mittelgroßer Greifvogel mit langen Flügeln und einem vergleichsweise langen Schwanz. Seine Körperlänge liegt ungefähr zwischen 55 und 60 Zentimetern, die Spannweite bei etwa 130 bis 155 Zentimetern. Durch die langen Flügel und den langen Schwanz kann er im Flug größer und gestreckter wirken, als es die reine Körpergröße vermuten lässt.
Erwachsene Schwarzmilane erscheinen insgesamt recht dunkel und überwiegend braun. Der Kopf wirkt grauer und ist fein gestrichelt, während die Unterseite eine längliche Zeichnung zeigen kann. Aus der Nähe erkennt man deshalb wesentlich mehr Struktur im Gefieder, als der zunächst recht einheitlich braune Gesamteindruck vermuten lässt.
Ein besonders wichtiges Merkmal ist der gegabelte Schwanz. Im Vergleich zum Rotmilan ist die Gabelung beim Schwarzmilan jedoch deutlich schwächer ausgeprägt. Gerade bei ungünstigem Blickwinkel kann sie deshalb kaum sichtbar sein. Junge Schwarzmilane unterscheiden sich zudem etwas von adulten Vögeln: Ihr Gefieder zeigt auffälligere helle Zeichnungen und Säume, und die Schwanzgabel kann noch schwächer ausgeprägt sein.
Der Rotmilan wirkt insgesamt schlanker und heller und besitzt einen deutlich tiefer gegabelten Schwanz. Besonders im Flug ist die unterschiedliche Schwanzform ein hilfreiches Merkmal, um beide Milanarten voneinander zu unterscheiden.
Bei der Nahrung ist der Schwarzmilan ausgesprochen vielseitig. Kleine Nagetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische und größere Insekten können ebenso zum Nahrungsspektrum gehören wie andere leicht erreichbare tierische Nahrung. Dabei nutzt die Art besonders gerne Situationen, in denen Nahrung ohne großen Aufwand verfügbar wird.
Aas spielt eine wichtige Rolle. Verkehrsopfer, kranke oder geschwächte Tiere und andere tierische Reste werden ebenso genutzt wie Nahrungsquellen, die durch den Menschen entstehen. Müllplätze, landwirtschaftliche Betriebe, Schlachtabfälle und traditionelle Fütterungsplätze beziehungsweise Muladares können deshalb Schwarzmilane anziehen.
Aus eigener Erfahrung kenne ich das auch von Fütterungsstellen für Geier und andere Greifvögel. Schwarzmilane können dort sehr schnell auftauchen. Mehrfach habe ich erlebt, dass zunächst Rabenvögel und Schwarzmilane an der Nahrung erschienen, bevor größere Greifvögel hinzukamen. Das ist eine persönliche Beobachtung und keine feste Reihenfolge, zeigt für mich aber sehr gut, wie schnell Schwarzmilane neue Nahrungsmöglichkeiten entdecken können.
Auch plötzlich besonders reichhaltige Nahrungsquellen werden genutzt. Das passt zu Beobachtungen über frisch gemähten Flächen oder anderen Bereichen, in denen Beutetiere kurzfristig leichter erreichbar werden. Der Schwarzmilan ist damit weniger auf eine einzelne Jagdstrategie oder Beuteart festgelegt als viele stärker spezialisierte Greifvögel.
Schwarzmilane verbringen viel Zeit in der Luft. Ihre langen Flügel ermöglichen ausdauernde Suchflüge, gleichzeitig können sie sehr wendig reagieren. Häufig kreisen sie über geeigneten Nahrungsflächen oder kontrollieren größere Bereiche aus der Luft.
Interessant finde ich aber gerade die Situationen, in denen ein Schwarzmilan landet. Im Vergleich zu meinen Begegnungen mit Rotmilanen habe ich Schwarzmilane häufiger auf dem Boden, auf Pfählen, Ästen oder anderen erhöhten Strukturen sitzend fotografieren können. Das ist meine persönliche Erfahrung und keine feste Regel für beide Arten.
Am Boden wirken Schwarzmilane manchmal erstaunlich langgestreckt. Durch die langen Flügel und den langen Schwanz unterscheidet sich ihre Silhouette deutlich von kompakter wirkenden Greifvögeln. Gleichzeitig verändern sie ihre Haltung schnell: Ein zunächst ruhig sitzender Vogel kann den Körper nach vorne verlagern, einen Fuß anheben oder unmittelbar zum Abflug ansetzen.
Nach der Rückkehr in die Brutgebiete besetzen Schwarzmilane ihre Reviere und nutzen geeignete Bäume als Nistplatz. Der Horst besteht hauptsächlich aus Ästen und kann über mehrere Brutperioden erneut verwendet und ausgebessert werden. Auffällig ist, dass Schwarzmilane in ihre Nester neben natürlichem Material auch vom Menschen stammende Materialien eintragen können.
Für die Wahl des Brutgebietes ist die Kombination aus einem geeigneten Nistplatz und erreichbaren Nahrungsflächen wichtig. Deshalb können bereits kleinere Gehölze, Baumgruppen, Flussauen oder locker bewaldete Landschaften ausreichend sein, wenn das Umfeld gute Möglichkeiten zur Nahrungssuche bietet.
Während der Brutzeit sollte die Fotografie besonders zurückhaltend erfolgen. Horste und unmittelbar genutzte Brutplätze sind keine Orte für eine Annäherung. Ausreichender Abstand und störungsfreies Beobachten haben Vorrang vor einem Foto.
Für mich ist beim Fotografieren des Schwarzmilans entscheidend, auch bei einem sitzenden Vogel auf Bewegung vorbereitet zu bleiben. Ein ruhiger Ansitz kann innerhalb eines Augenblicks in einen Abflug übergehen. Deshalb arbeite ich bei solchen Situationen gerne mit einer ausreichend kurzen Verschlusszeit, wenn Licht und ISO es zulassen.
Bei fliegenden Schwarzmilanen oder einem plötzlichen Abflug sind sehr kurze Verschlusszeiten besonders hilfreich. Kontinuierlicher Autofokus beziehungsweise Augen-AF und Serienaufnahme erhöhen die Chance, genau die Körper-, Kopf- und Flügelposition festzuhalten, die im Bild am besten wirkt. Gerade bei Greifvögeln können wenige Augenblicke einen deutlichen Unterschied machen.
Wenn der Schwarzmilan am Boden sitzt, versuche ich möglichst auf Augenhöhe zu fotografieren. Dadurch löst sich der Vogel besser vom Hintergrund und die Perspektive wirkt unmittelbarer. Gleichzeitig sollte man genügend Raum lassen, wenn mit einem Abflug zu rechnen ist, die langen Flügel benötigen im Bild deutlich mehr Platz, als die sitzende Silhouette zunächst vermuten lässt.
Bei der Belichtung achte ich besonders darauf, dass das dunkle Gefieder nicht unnötig unterbelichtet wird. In den braunen Federn stecken viele feine Strukturen, die bei einer zu dunklen Aufnahme schnell verloren gehen können. Eine saubere Belichtung hilft deshalb, die Zeichnung von Kopf, Brust und Flügeldecken sichtbar zu halten.
In den offenen Landschaften Spaniens lässt sich der Schwarzmilan zusammen mit zahlreichen anderen Greifvögeln beobachten. Besonders interessant ist der Vergleich mit dem Rotmilan, dessen hellere und kontrastreichere Färbung sowie der deutlich tiefer gegabelte Schwanz gute Unterscheidungsmerkmale bieten.
Auch Mäusebussard, Habicht, Gleitaar und Turmfalke bieten in Spanien interessante Möglichkeiten für die Greifvogelfotografie. Weitere Vogelarten und ihre Lebensräume findest du in meiner Artenübersicht.
Schwarzmilane lassen sich auf verschiedenen meiner Fotoreisen beobachten, besonders während der Zeit, in der die Art in Spanien brütet und durchziehende Vögel unterwegs sind. Eine passende Reise ist Steppenvögel Spaniens – Fotoreise mit Zwergtrappe, Wiedehopf & Geiern, bei der Greifvögel und die offenen Landschaften Spaniens zu den möglichen Motiven gehören.
Da sich Wildtiere nicht planen lassen, ist eine Sichtung oder bestimmte fotografische Situation natürlich nie garantiert. Gerade beim Schwarzmilan können aber auch ungeplante Begegnungen interessant werden, vom kreisenden Vogel über einen Ansitz bis zu größeren Ansammlungen während des Zuges.
Weitere Möglichkeiten und unterschiedliche Reisezeiten findest du in meiner Übersicht der Fotoreisen in Spanien.
Mit der Rückkehr vieler Zugvögel verändert sich die Vogelwelt Spaniens im Frühjahr deutlich. Auch der Schwarzmilan gehört zu den Arten, die dann wieder in ihren Brutgebieten erscheinen. Welche Möglichkeiten diese Jahreszeit für die Vogelfotografie bietet, zeige ich in meinem Beitrag Die Ersten Zeichen des Frühlings in Spanien; Vogelzug, Licht und neue Aktivität.
Du möchtest den Schwarzmilan und andere Greifvögel in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.