Die Wiesenweihe (Circus pygargus) gehört für mich zu den elegantesten Greifvögeln der offenen Landschaften Spaniens. Besonders im Frühjahr und während der Brutzeit begegnet sie mir immer wieder über weiten Agrarflächen. Oft entdeckt man zunächst nur einen schlanken Greifvogel, der niedrig über Getreide, Grasland oder anderer niedriger Vegetation fliegt. Erst beim genaueren Hinsehen werden die langen schmalen Flügel, der lange Schwanz und die für eine Weihe typische Flugweise deutlich.
Viele meiner Beobachtungen stammen aus Zentral- und Nordspanien. Dabei scheint weniger eine bestimmte Region entscheidend zu sein als die Landschaft selbst. Wiesenweihen benötigen große offene Flächen, in denen sie jagen und geeignete Bereiche zum Brüten finden. In Spanien sind sie besonders eng mit landwirtschaftlich genutzten Offenlandschaften und Getreidefeldern verbunden.
Die Wiesenweihe ist auf der Iberischen Halbinsel weit verbreitet, kommt aber keineswegs überall gleichmäßig vor. Besonders typisch sind große, weitgehend baumfreie Landschaften mit Getreidefeldern, Grasland, Brachen und niedriger Vegetation. Auch andere offene Lebensräume können genutzt werden. In ausgeprägten Bergregionen wird die Art dagegen deutlich seltener.
Diese Landschaften prägen auch meine Begegnungen mit der Wiesenweihe. Häufig sehe ich die Vögel nicht auf erhöhten Warten, sondern direkt über den Feldern. Gelegentlich sitzen sie jedoch auch am Boden oder auf sehr niedrigen Strukturen. Ein braunes Weibchen kann dabei erstaunlich unauffällig werden: Zwischen trockenen Gräsern und erdfarbenem Untergrund verschmilzt sein Gefieder regelrecht mit der Umgebung.
Besonders faszinierend ist für mich die Art, wie Wiesenweihen eine Landschaft absuchen. Sie fliegen häufig niedrig über der Vegetation und folgen dabei nicht einfach einer geraden Linie. Immer wieder verändern sie Richtung und Höhe und durchqueren eine Fläche in weiten Bögen und Schleifen. Dieses sogenannte Quartering ist typisch für Weihen und ermöglicht es ihnen, große offene Flächen systematisch nach Beute abzusuchen.
Natürlich können Wiesenweihen auch kreisen und Thermik nutzen. Bei der eigentlichen Nahrungssuche erlebe ich sie jedoch besonders häufig in diesem niedrigen, gleitenden Suchflug. Fotografisch finde ich deshalb nicht nur Nahaufnahmen interessant. Ein kleiner Vogel in einer großen Agrarlandschaft kann viel besser vermitteln, wie eine Wiesenweihe ihren Lebensraum tatsächlich nutzt.
Bei adulten Wiesenweihen unterscheiden sich die Geschlechter deutlich. Das Männchen besitzt überwiegend graue Oberseiten, schwarze Flügelspitzen und charakteristische dunkle Bänder auf den Flügeln. Hinzu kommen rostbraune Zeichnungen an Teilen der Unterseite. Besonders bei gutem Licht fällt außerdem das gelbe Auge auf.
Weibchen wirken vollkommen anders. Ihr Gefieder ist überwiegend braun und beige mit deutlicher Strichelung auf der Unterseite. Der helle Bürzel kann im Flug auffallen. Dieses Merkmal allein reicht allerdings nicht für eine sichere Bestimmung aus, denn auch andere Weihen können einen auffallend hellen Bürzel zeigen.
Ein interessantes Merkmal bei der Bestimmung ist die Flügelspitze. Bei einer günstig fliegenden Wiesenweihe lassen sich häufig vier deutlich abgesetzte äußere Handschwingen erkennen – die sogenannten „Finger“. Bei der ähnlichen Kornweihe sind es typischerweise fünf. Gleichzeitig besitzt die Wiesenweihe schmalere und länger wirkende Flügel und insgesamt eine besonders leichte, elegante Silhouette.
Die Zahl der sichtbaren Finger sollte trotzdem niemals allein über die Bestimmung entscheiden. Je nach Flügelstellung können einzelne Handschwingen verdeckt sein oder optisch zusammenfallen. Auch Mauser und Perspektive verändern das Erscheinungsbild. Hinzu kommt die seltenere Steppenweihe, die ebenfalls vier deutlich hervortretende Finger zeigen kann. Gerade bei braunen Weibchen und Jungvögeln gehören deshalb Körperbau, Flügelform, Unterflügelzeichnung, Kopfzeichnung und weitere Gefiedermerkmale immer mit zur Bestimmung.
Bei adulten Männchen ist die Situation meist wesentlich einfacher. Die Kombination aus grauem Gefieder, schwarzen Flügelspitzen und den dunklen Flügelbändern macht ein gut gesehenes Wiesenweihen-Männchen ausgesprochen charakteristisch.
Junge Wiesenweihen können auf den ersten Blick völlig anders wirken als die grauen adulten Männchen. Besonders auffällig ist die häufig warme rost- bis rötlichbraune Färbung der Unterseite. Sie kann relativ gleichmäßig erscheinen und unterscheidet sich damit von der stärker gestrichelten Unterseite eines adulten Weibchens.
Bei einem jungen Vogel fiel mir diese Färbung besonders stark auf. Die Aufnahme entstand im letzten Abendlicht, als es bereits sehr dunkel war. Fotografisch waren die Bedingungen entsprechend schwierig, doch gerade die ungewöhnlich intensiven rötlichen Farbtöne waren für mich der Grund, diese Beobachtung festzuhalten. Das warme Abendlicht verstärkte den Eindruck zusätzlich.
Die Nahrung der Wiesenweihe ist vielseitig und richtet sich stark nach dem lokalen Angebot. Zu den Beutetieren gehören kleine Säugetiere wie Mäuse und Wühlmäuse, aber auch kleine Vögel, Eidechsen und andere kleine Wirbeltiere. Daneben können größere Insekten, insbesondere Heuschrecken, einen wichtigen Teil der Nahrung ausmachen. Die Zusammensetzung kann sich regional und abhängig vom verfügbaren Nahrungsangebot deutlich unterscheiden.
Besonders spannend finde ich es, Wiesenweihen bei der Nahrungssuche zu beobachten. Ein junger Vogel flog längere Zeit über einer offenen Wiese und suchte die Fläche sehr intensiv ab. Dabei änderte er immer wieder seine Höhe und Richtung und flog hin und her über die Vegetation. Durch die wechselnden Flugmanöver veränderten sich ständig die Flügelstellung und die Form des aufgefächerten Schwanzes.
Gerade dieses Verhalten zeigt sehr schön, warum der niedrige Suchflug für Wiesenweihen so charakteristisch ist. Sie können große offene Flächen absuchen und dabei unmittelbar auf mögliche Beute reagieren. Für die Fotografie entstehen innerhalb kurzer Zeit sehr unterschiedliche Flughaltungen, vom gestreckten Gleitflug bis zu schnellen Richtungswechseln dicht über der Vegetation.
Eine Besonderheit der Wiesenweihe ist gleichzeitig eines ihrer größten Probleme. Sie baut ihr Nest am Boden. In Spanien befindet sich ein großer Teil der Nester in landwirtschaftlichen Kulturen, besonders in Getreidefeldern mit Weizen und Gerste. Für die Vögel bietet die im Frühjahr wachsende Vegetation zunächst ausgezeichnete Deckung.
Doch genau diese Anpassung kann für die Brut gefährlich werden. Beginnt die Ernte, bevor die Jungvögel flugfähig sind, können Nester durch landwirtschaftliche Maschinen zerstört werden. Deshalb werden in verschiedenen Regionen Spaniens Brutplätze gesucht und in Zusammenarbeit mit Landwirten geschützt. Die Wiesenweihe gehört zu den bedrohten Vogelarten der spanischen Agrarlandschaft, und die Entwicklung der Bestände gibt Anlass zur Sorge.
Für die Fotografie bedeutet die Bodenbrut vor allem eines: Während der Brutzeit ist Abstand besonders wichtig. Ein Vogel, der wiederholt alarmiert, einen bestimmten Bereich anfliegt oder auffällig auf einen Beobachter reagiert, sollte nicht weiter verfolgt werden. Für gute Naturfotografie ist es nicht notwendig, sich einem Nest zu nähern.
Die Wiesenweihe ist in Spanien vor allem ein Vogel der wärmeren Jahreszeit. Die Brutvögel kehren im Frühjahr aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten zurück und verlassen die Iberische Halbinsel nach der Brutzeit wieder. Die europäischen Populationen ziehen über die Sahara und verbringen den Winter überwiegend in Afrika südlich der Sahara.
Dadurch verändert sich die Zusammensetzung der spanischen Weihen im Jahresverlauf erheblich. Während ich in den offenen Agrarlandschaften im Frühjahr und Sommer regelmäßig Wiesenweihen antreffe, wird im Winter die Kornweihe wesentlich interessanter. Sie besitzt zwar auch eine kleine und regional begrenzte spanische Brutpopulation, ist aber während des Winters durch zusätzliche Vögel aus anderen Teilen Europas weiter verbreitet.
Für die Fotografie ist dieser jahreszeitliche Unterschied ausgesprochen hilfreich: Wer gezielt nach Wiesenweihen sucht, hat während der Brutzeit in geeigneten offenen Landschaften deutlich bessere Chancen. Für die Kornweihe lohnt es sich dagegen besonders, dieselben oder ähnliche Offenlandschaften im Winter aufmerksam abzusuchen.
Neben den normalen Gefiederformen gibt es bei der Wiesenweihe eine besonders interessante Variante: sehr dunkle beziehungsweise melanistische Vögel. Solche Individuen können dunkelbraun, schokoladenbraun oder nahezu schwarz wirken. Auch teilweise melanistische Gefieder kommen vor.
Ich selbst habe bereits eine ungewöhnlich dunkle Wiesenweihe beobachtet, konnte sie damals aber nicht in einer Qualität fotografieren, die ich für diese Seite verwenden möchte. Gerade bei einer Art, bei der Männchen, Weibchen und Jungvögel ohnehin sehr unterschiedlich aussehen, zeigt diese zusätzliche Farbvariation, wie vorsichtig man bei der Bestimmung ungewöhnlich gefärbter Weihen sein sollte.
Für mich hat sich bei der Fotografie der Wiesenweihe vor allem das Auto bewährt. In den weitläufigen Agrarlandschaften kann ich damit große Bereiche absuchen und zunächst beobachten, wo die Vögel regelmäßig jagen. Besonders interessant sind Wiesenweihen, die niedrig über Feldern und anderer offener Vegetation nach Nahrung suchen. Statt ihnen zu folgen, warte ich lieber darauf, dass ein Vogel auf seinem Suchflug wieder näher kommt.
Bei solchen Flugaufnahmen ist ein zuverlässiger Augenfokus besonders hilfreich. Wiesenweihen bewegen sich zwar oft leicht und gleitend durch die Landschaft, verändern dabei aber immer wieder ihre Höhe, Flugrichtung und Flügelstellung. Ich arbeite deshalb gerne mit Serienaufnahmen. Innerhalb weniger Augenblicke können vollkommen unterschiedliche Bilder entstehen: einmal mit weit geöffneten Flügeln, kurz darauf im Gleitflug oder bei einem Richtungswechsel mit aufgefächertem Schwanz.
Gerade diese unterschiedlichen Flughaltungen machen die Wiesenweihe für mich fotografisch so interessant. Auch der Aufnahmewinkel spielt eine große Rolle. Je nachdem, ob der Vogel seitlich, frontal, von unten oder leicht von oben vorbeifliegt, verändern sich sowohl die sichtbare Flügelform als auch die Wirkung der Gefiederzeichnung deutlich.
Bei den helleren Gefiederpartien der Männchen achte ich besonders bei kräftigem Sonnenlicht auf die Belichtung. Das graue Gefieder kann zusammen mit hellen Bereichen der Unterseite schnell sehr leuchtend wirken, während die schwarzen Flügelpartien gleichzeitig deutlich dunkler bleiben. Eine Belichtung, bei der die hellen Gefiederstrukturen erhalten bleiben, gibt mir bei der späteren Bearbeitung mehr Spielraum.
Nicht jede Aufnahme muss den Vogel formatfüllend zeigen. Gerade beim niedrigen Suchflug finde ich es spannend, einen Teil der Agrarlandschaft bewusst in das Bild einzubeziehen. Getreide, Grasflächen, niedrige Vegetation oder ein strukturierter Himmel zeigen, wie die Wiesenweihe ihren Lebensraum nutzt. Besonders im warmen Morgen- oder Abendlicht entstehen so Bilder, bei denen nicht nur der Vogel, sondern auch die Atmosphäre der offenen Landschaft eine wichtige Rolle spielt.
Die Wiesenweihe ist nur eine von vielen Greifvogelarten, die sich in Spaniens unterschiedlichen Landschaften beobachten lassen. Auf meiner Übersicht zu den Greifvögeln Spaniens findest du weitere Arten und Informationen zu ihrer Fotografie.
In offenen Landschaften begegnen mir beispielsweise auch Mäusebussarde, Schwarzmilane, Rotmilane und Turmfalken. Jede dieser Arten nutzt die Agrarlandschaft auf eine andere Weise und gerade diese Unterschiede machen die Greifvogelfotografie in Spanien so abwechslungsreich.
Weitere Vogelarten aus unterschiedlichen Lebensräumen Spaniens findest du außerdem in meiner Artenübersicht.
Der Frühling ist für mich eine besonders spannende Zeit für die Wiesenweihenfotografie. Die Vögel sind aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten zurückgekehrt, die Agrarlandschaften verändern sich und über den offenen Feldern lassen sich wieder die charakteristischen niedrigen Suchflüge beobachten.
Mehr über diese Jahreszeit und die Möglichkeiten für Natur- und Vogelfotografie erzähle ich in meinem Blogartikel über die Vogelfotografie im Frühling in Spanien.
Informationen zu meinen fotografischen Reisen und den unterschiedlichen Regionen findest du unter Fotoreisen in Spanien.
Du möchtest die Wiesenweihe und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.