Die Brandseeschwalbe (Thalasseus sandvicensis) gehört für mich zu den charakteristischsten Seeschwalben der spanischen Küsten. Besonders auffällig sind der lange schwarze Schnabel mit seiner gelben Spitze und die schwarze Kopfplatte, die im Brutkleid am Hinterkopf in einen etwas struppig wirkenden Schopf übergeht. Im Flug wirkt die Brandseeschwalbe elegant und kraftvoll zugleich und spätestens bei der Jagd zeigt sich, wie schnell aus einem ruhigen Flug ein beinahe senkrechter Stoß ins Meer werden kann.
Meine intensivsten Beobachtungen stammen von der spanischen Mittelmeerküste. Dort konnte ich Brandseeschwalben sowohl an einem größeren Ruheplatz als auch bei der Jagd über dem offenen Meer fotografieren. Gerade diese beiden Situationen zeigen sehr unterschiedliche Seiten der Art: Auf der einen Seite große Gruppen ruhender und badender Vögel, auf der anderen Seite schnelle Jagdflüge, bei denen innerhalb weniger Augenblicke alles passieren kann.
Unter den verschiedenen Seeschwalben Spaniens lässt sich die Brandseeschwalbe im Brutkleid vergleichsweise gut bestimmen. Besonders hilfreich ist der lange schwarze Schnabel mit seiner gelben Spitze. Die Oberseite des Körpers ist hellgrau, die Unterseite überwiegend weiß. Dazu kommen lange, spitze Flügel und ein gegabelter Schwanz.
Ein weiteres auffälliges Merkmal adulter Vögel im Brutkleid ist die schwarze Kopfplatte. Am Hinterkopf stehen verlängerte Federn ab und bilden einen charakteristischen, etwas zerzausten Schopf. Außerhalb der Brutzeit verändert sich die Kopfzeichnung deutlich: Die Stirn und der vordere Oberkopf werden heller, während die dunkle Zeichnung vor allem am Hinterkopf erhalten bleibt. Männchen und Weibchen sind äußerlich sehr ähnlich.
Gerade die Kombination aus schwarzem Schnabel und gelber Spitze ist auch bei fliegenden Vögeln häufig gut zu erkennen. Sie hilft beispielsweise bei der Abgrenzung von anderen größeren Seeschwalben, deren Schnabelfärbung deutlich anders ausfällt.
Eine meiner eindrücklichsten Begegnungen mit Brandseeschwalben hatte ich an der Mittelmeerküste in der Nähe eines größeren Feuchtgebietes. Auf einer flachen Sandbank im Meer hatte sich eine große Gruppe versammelt. Einige Vögel standen dicht beieinander, andere kamen angeflogen oder verließen den Ruheplatz wieder.
Solche Ansammlungen passen gut zur geselligen Lebensweise der Brandseeschwalbe. Auch während der Brutzeit ist sie ausgesprochen sozial und brütet in dichten Kolonien. Dabei kann sie ihre Brutplätze gemeinsam mit anderen Seeschwalben, Möwen und weiteren Küstenvögeln nutzen.
Als Brutvogel ist die Brandseeschwalbe in Spanien deutlich lokaler verbreitet, als ihre Beobachtungen außerhalb der Brutzeit vermuten lassen. Die regelmäßigen Brutvorkommen konzentrieren sich vor allem auf geeignete Feuchtgebiete entlang der spanischen Mittelmeerküste. Entscheidend sind störungsarme Flächen in unmittelbarer Nähe geeigneter Nahrungsgewässer.
Gebrütet wird am Boden. Die Nester liegen auf offenen oder nur spärlich bewachsenen Flächen, beispielsweise auf sandigem oder schlammigem Untergrund, Inseln, Dünenbereichen und in Küstenfeuchtgebieten. Das eigentliche Nest ist lediglich eine flache Mulde im Boden, die mit wenig Pflanzenmaterial ausgekleidet sein kann.
Beide Altvögel beteiligen sich an der Brut und später an der Versorgung der Jungvögel. Die Jungen verlassen die unmittelbare Nestmulde bereits früh, werden aber weiterhin von ihren Eltern betreut. Gerade in Brutkolonien ist deshalb ausreichend Abstand besonders wichtig. Für die Fotografie bedeutet das, vorhandene Absperrungen und Schutzbereiche konsequent zu respektieren und niemals für ein Foto näher an eine Kolonie heranzugehen.
Auch außerhalb des eigentlichen Nestbereichs sind Brandseeschwalben häufig gemeinsam zu beobachten. An flachen Ruheplätzen wird gebadet, Gefiederpflege betrieben und immer wieder miteinander kommuniziert. Dabei können sehr unterschiedliche Körperhaltungen entstehen.
Bei einer meiner Aufnahmen stehen sich zwei Brandseeschwalben mit weit nach oben gestrecktem Hals und erhobenem Schnabel gegenüber. Besonders schön sind dabei die verlängerten Federn am Hinterkopf zu erkennen. Aus einer einzelnen Aufnahme lässt sich nicht sicher ableiten, welcher konkrete soziale Zusammenhang hinter einer solchen Situation steht. Fotografisch sind diese Momente dennoch interessant, weil sie deutlich mehr vom Verhalten zeigen als ein Vogel, der lediglich ruhig im Wasser steht.
Nicht immer müssen Brandseeschwalben auf trockenem Untergrund stehen. Ich habe größere Gruppen auch in sehr seichtem Meerwasser beobachtet. Dort standen und badeten die Vögel gemeinsam, während einzelne Brandseeschwalben immer wieder aufflogen.
Für die Fotografie sind solche Situationen besonders interessant. Selbst wenn ein großer Teil der Gruppe scheinbar ruhig ist, entsteht fast ständig irgendwo Bewegung: Ein Vogel schlägt mit den Flügeln, ein anderer badet, Wasser spritzt auf oder eine Brandseeschwalbe startet plötzlich. Dadurch ergeben sich innerhalb kurzer Zeit sehr unterschiedliche Motive.
Besonders faszinierend ist die Brandseeschwalbe bei der Nahrungssuche. Kleine Fische bilden den wichtigsten Teil ihrer Nahrung. Daneben können auch andere Meerestiere aufgenommen werden, doch die Jagd auf Fische prägt ihr Verhalten besonders deutlich.
Ich konnte die Vögel über längere Zeit von einem Strand aus bei der Jagd beobachten. Sie flogen über dem Meer, suchten das Wasser unter sich ab und stürzten plötzlich wie ein Pfeil in Richtung Oberfläche. Brandseeschwalben können ihre Beute aus beträchtlicher Höhe anvisieren und sich anschließend im Stoßtauchen ins Wasser stürzen.
Für uns Fotografen war genau dieser Moment die Herausforderung. Zwischen dem Suchflug und dem eigentlichen Eintauchen blieb kaum Zeit. Die Flugrichtung änderte sich schnell, der Vogel beschleunigte und verschwand innerhalb eines Augenblicks im Wasser.
Bei längerer Beobachtung wird schnell deutlich, dass auch ein spezialisierter Jäger nicht bei jedem Versuch erfolgreich ist. Einige Brandseeschwalben kamen mit einem Fisch aus dem Wasser, andere tauchten ohne Beute wieder auf. Gerade diese Abwechslung machte die Beobachtung am Strand für mich so interessant.
Wenn ein Vogel erfolgreich ist, lässt sich die Beute im Schnabel oft bereits kurz nach dem Auftauchen erkennen. Bei meinen Aufnahmen waren es kleine Fische, die von den Brandseeschwalben anschließend im Flug weitergetragen wurden. Ob ein bestimmter Fisch für den Vogel selbst, einen Partner oder einen Jungvogel bestimmt war, lässt sich aus einer einzelnen solchen Situation nicht zuverlässig erkennen.
Für Flugaufnahmen der Brandseeschwalbe sind kurze Verschlusszeiten besonders hilfreich. Bei schnellen Jagdflügen ist etwa 1/3200 Sekunde für mich ein sinnvoller Ausgangspunkt. Bei ausreichend Licht kann auch eine noch kürzere Verschlusszeit sinnvoll sein, insbesondere wenn der eigentliche Stoßtauchgang oder aufspritzende Wassertropfen eingefroren werden sollen.
Ein kontinuierlicher Autofokus mit Augenerkennung erleichtert solche Aufnahmen mit modernen Kameras erheblich. Dazu kommt eine schnelle Serienaufnahme, denn Flügelstellung, Blickrichtung und Körperhaltung verändern sich innerhalb von Sekundenbruchteilen. Gerade beim Übergang vom Suchflug in den Sturzflug entstehen oft nur für einen sehr kurzen Moment besonders dynamische Körperhaltungen.
Viele meiner Aufnahmen dieser Art entstanden noch mit einer Spiegelreflexkamera ohne heutige Augenerkennung. Gerade bei schnellen Seeschwalben war es entsprechend anspruchsvoll, den Fokus während der abrupten Richtungswechsel auf dem Vogel zu halten. Moderne Autofokussysteme machen solche Situationen deutlich einfacher, die Bewegung des Vogels vorherzusehen und rechtzeitig zu reagieren bleibt aber weiterhin entscheidend.
Eine zweite Herausforderung ist die Belichtung. Brandseeschwalben besitzen sehr helle Gefiederpartien, und an Spaniens Küsten kommen häufig kräftige Sonne und stark reflektierendes Wasser hinzu. Dadurch können helle Bereiche des Gefieders schnell ausbrennen und ihre feine Struktur verlieren.
Ich kontrolliere deshalb besonders bei hartem Licht die hellsten Gefiederpartien und belichte lieber so, dass dort noch Zeichnung erhalten bleibt. Eine leichte negative Belichtungskorrektur kann unter solchen Bedingungen sinnvoll sein. Gleichzeitig sollte die dunkle Kopfzeichnung nicht vollständig ohne Struktur bleiben.
Bei ruhenden Gruppen versuche ich außerdem, möglichst tief zu fotografieren. Wenn es die Situation und der Schutz des Gebietes erlauben, arbeite ich vom Boden oder sehr tief über dem Sand. Dadurch entsteht eine niedrigere Perspektive, die Vögel lösen sich besser vom Hintergrund und selbst eine größere Gruppe wirkt im Bild wesentlich ruhiger.
Besonders gerne fotografiere ich Brandseeschwalben dort, wo ihr Verhalten und der Lebensraum gemeinsam sichtbar werden. Ein Vogel muss dafür nicht formatfüllend im Bild erscheinen. Meer, Wellen und die Bewegung des Wassers können viel darüber erzählen, wie die Art lebt und jagt.
Bei einer meiner Aufnahmen fliegt eine Brandseeschwalbe mit einem kleinen Fisch vor einer brechenden Welle entlang. Genau solche Bilder erinnern mich an die Stunden am Strand, in denen die Vögel immer wieder über das Meer flogen und sich plötzlich ins Wasser stürzten. Statt nur ein Porträt der Art zu zeigen, wird damit auch die Dynamik ihrer Nahrungssuche sichtbar.
Die Brandseeschwalbe teilt ihre Lebensräume mit mehreren anderen Seeschwalbenarten, die sich in Größe, Jagdweise und Lebensraum deutlich unterscheiden. Die Zwergseeschwalbe ist wesentlich kleiner und fällt durch ihren schnellen, wendigen Jagdflug über flachen Küstengewässern auf. Die Lachseeschwalbe besitzt dagegen einen kräftigen schwarzen Schnabel und sucht regelmäßig auch über offenen Feldern und anderen landwirtschaftlich geprägten Flächen nach Nahrung.
Stärker an Lagunen und andere Feuchtgebiete gebunden ist die Weißbartseeschwalbe, die im Brutkleid an ihren weißen Wangen, der schwarzen Kopfplatte und der grauen Unterseite gut zu erkennen ist. Die Flussseeschwalbe wirkt dagegen schlanker und fällt besonders durch ihren langen Gabelschwanz sowie den roten Schnabel mit dunkler Spitze auf.
Eng mit Lagunen und anderen Feuchtgebieten verbunden ist die Weißbartseeschwalbe. Die Flussseeschwalbe lässt sich besonders an ihrem langen Gabelschwanz und dem roten Schnabel mit dunkler Spitze erkennen.
Ein großer Teil der europäischen und westmediterranen Population zieht nach der Brutzeit weiter und überwintert entlang der westafrikanischen Atlantikküste. Andere Vögel bleiben im Mittelmeerraum oder verbringen den Winter an geeigneten Abschnitten der spanischen Küste. Dadurch kann sich die Zahl der beobachteten Brandseeschwalben je nach Jahreszeit und Region deutlich verändern.
Wer die jahreszeitlichen Veränderungen der Vogelwelt in Spanien besser verstehen möchte, findet dazu weitere Informationen in meinem Beitrag Vogelfotografie und Fotohides in Spanien, die Jahreszeiten im Überblick.
Brandseeschwalben sind auf geeignete Küstenfeuchtgebiete, störungsarme Brutflächen und ausreichend Nahrung angewiesen. Gerade die starke Konzentration der Brutvorkommen auf wenige geeignete Gebiete macht den Schutz dieser Lebensräume besonders wichtig.
Veränderungen von Küsten und Feuchtgebieten, intensive menschliche Nutzung, Störungen an Brutplätzen und Veränderungen des Nahrungsangebotes können sich auf die Art auswirken. Hinzu kommen natürliche Gefahren wie Prädatoren und extreme Wetterereignisse. Für die Naturfotografie bedeutet das vor allem, an Kolonien und Ruheplätzen genügend Abstand zu halten und Schutzbereiche konsequent zu respektieren.
Die Brandseeschwalbe teilt ihre Lebensräume mit mehreren anderen Seeschwalbenarten, die sich in Größe, Jagdweise und Lebensraum deutlich unterscheiden. Die Zwergseeschwalbe ist wesentlich kleiner und fällt durch ihren schnellen, wendigen Jagdflug über flachen Küstengewässern auf. Die Lachseeschwalbe besitzt dagegen einen kräftigen schwarzen Schnabel und sucht regelmäßig auch über offenen Feldern und anderen landwirtschaftlich geprägten Flächen nach Nahrung.
Stärker an Lagunen und andere Feuchtgebiete gebunden ist die Weißbartseeschwalbe, die im Brutkleid an ihren weißen Wangen, der schwarzen Kopfplatte und der grauen Unterseite gut zu erkennen ist. Die Flussseeschwalbe wirkt dagegen schlanker und fällt besonders durch ihren langen Gabelschwanz sowie den roten Schnabel mit dunkler Spitze auf.
An Stränden, Sandbänken, Lagunen und im flachen Küstenwasser lassen sich je nach Jahreszeit außerdem Arten wie der Seeregenpfeifer, der Kiebitzregenpfeifer und der Steinwälzer beobachten. Gerade an geeigneten Küstenabschnitten können dadurch innerhalb eines relativ kleinen Gebietes sehr unterschiedliche Möglichkeiten für die Vogelfotografie entstehen.
Weitere Arten aus Spaniens Feuchtgebieten, Lagunen und Küsten findest du in meiner Artenübersicht. Informationen zu meinen fotografischen Reisen und den verschiedenen Möglichkeiten, Vögel in Spanien zu fotografieren, findest du unter Fotoreisen in Spanien.
Du möchtest die Brandseeschwalbe und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.