Der Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) ist für mich eng mit Spaniens Küsten verbunden. Meine bisherigen Begegnungen fanden überwiegend an Stränden und in unmittelbar angrenzenden Küstenlandschaften statt. Dort habe ich einzelne Vögel ebenso erlebt wie größere Trupps und gemischte Ansammlungen verschiedener Limikolen.
Eine meiner schönsten Aufnahmen entstand im ersten Licht des Tages. Ein einzelner Kiebitzregenpfeifer stand in einer sehr flachen Wasserzone, umgeben von intensiv blauem Wasser. Die tiefe Perspektive, die leichte Spiegelung des Gefieders und der Lichtreflex im Auge machen das Bild für mich besonders. Obwohl der Vogel sein eher schlichtes Winterkleid trug, brauchte die Szene keine auffälligen Farben oder weitere Elemente.
Die Brutgebiete des Kiebitzregenpfeifers liegen weit im Norden in den arktischen Tundren Eurasiens und Nordamerikas. Nach der Brutzeit verlassen die Vögel diese Regionen und ziehen zu ihren Rast- und Überwinterungsgebieten. Spanien wird dabei sowohl von Durchzüglern als auch von Vögeln genutzt, die einen Teil des Winters an den Küsten verbringen.
Ich selbst sehe die Art in Spanien während der Wintermonate. Meist begegnet sie mir unmittelbar am Meer: an flachen Stränden, entlang der Wasserkante oder auf sandigen Bereichen, die den Vögeln Nahrung und ruhige Rastplätze bieten. Eine weitere Beobachtung gelang mir auf einer offenen Fläche in einer küstennahen Landschaft, nur wenige Hundert Meter vom Meer entfernt.
Solche Beobachtungen zeigen, dass „Küstenvogel“ nicht ausschließlich einen Aufenthalt direkt am Strand bedeutet. Auch Reisfelder, feuchte Wiesen, Salinen oder andere offene Flächen im Umfeld eines Deltas können geeignete Bedingungen bieten. Meine eigenen Aufnahmen sind dennoch deutlich stärker vom Strand und vom Meer geprägt als die Bilder des Goldregenpfeifers aus dem Inland.
Im vollständigen Prachtkleid ist der Kiebitzregenpfeifer mit seiner schwarzen Unterseite und den hellen Seitenpartien ausgesprochen kontrastreich. So habe ich ihn bisher allerdings noch nicht fotografiert. Meine Aufnahmen zeigen überwiegend das silbergrau und bräunlich gemusterte Schlichtkleid.
Einzelne Vögel können während der Übergangszeiten noch dunklere Federn oder Reste der schwarzen Färbung zeigen. Der Zustand des Gefieders hängt nicht allein vom Kalendermonat ab, denn Mauser, Alter und individueller Entwicklungsstand können das Erscheinungsbild beeinflussen.
Gerade am Strand entfaltet auch das weniger auffällige Kleid seinen Reiz. Je nach Licht wirkt es kühl silbergrau, wärmer braun oder beinahe beige. Die Farben von Sand, Steinen und Wasser spiegeln sich zusätzlich im Gefieder wider und können zwei Aufnahmen derselben Art sehr unterschiedlich erscheinen lassen.
Kiebitzregenpfeifer suchen vor allem nach kleinen Wirbellosen. An der Küste können dazu unter anderem Würmer, kleine Krebstiere, Weichtiere und andere Beutetiere gehören, die sie im nassen Sand, im Schlick oder in sehr flachem Wasser finden.
Auf einem meiner Fotos hat ein Kiebitzregenpfeifer gerade ein Beutetier aus dem flachen Wasser gezogen. Solche Situationen zeigen sehr schön das natürliche Nahrungssuchverhalten der Art an der Küste.
Bei der Nahrungssuche wechseln sich kurze Laufstrecken und konzentrierte Pausen ab. Der Kiebitzregenpfeifer bleibt stehen, beobachtet den Untergrund und greift anschließend nach einer entdeckten Beute. Dadurch verändern sich Blickrichtung und Körperhaltung fortlaufend, ohne dass die Szene hektisch wirken muss.
Bei der Fotografie am Strand versuche ich zunächst zu erkennen, welchen Bereich ein Vogel regelmäßig absucht. Häufig folgt er einer bestimmten Linie zwischen nassem Sand und Wasser. Statt seine Bewegung ständig nachzuahmen, ist es meist sinnvoller, mit ausreichend Abstand an einer geeigneten Stelle zu warten.
Eine tiefe Aufnahmeposition verändert die Wirkung erheblich. Befindet sich die Kamera ungefähr auf Augenhöhe des Vogels, verschwinden entfernte Uferstrukturen leichter aus dem Bild. Wasser und Himmel können zu ruhigen Farbflächen werden, während Spiegelungen auf feuchtem Sand oder einer flachen Wasseroberfläche zusätzliche Tiefe erzeugen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Aufnahme vollständig freigestellt sein muss. Wellen, Sandstrukturen, Steine oder Algen erzählen etwas über den Lebensraum. Entscheidend ist für mich, ob die Umgebung das Motiv unterstützt oder den Blick unnötig vom Vogel ablenkt.
Kiebitzregenpfeifer können einzeln auftreten, außerhalb der Brutzeit aber ebenso größere Gruppen bilden. Meine Bilder zeigen beide Seiten: den einzelnen Vogel im ruhigen Küstenlicht und einen umfangreicheren Trupp, der sich gemeinsam in einer flachen Strandzone aufhält.
Bei einem Einzelvogel kann ich mich stärker auf Gefieder, Haltung und Blick konzentrieren. Ein Gruppenbild erzählt dagegen mehr über die Nutzung des Rastplatzes. Die einzelnen Tiere müssen dabei nicht dieselbe Position einnehmen oder gleichmäßig verteilt sein. Gerade die unterschiedlichen Blickrichtungen und Abstände vermitteln den Eindruck eines natürlichen Trupps.
Wie außergewöhnlich eine solche Ansammlung wirkt, hängt sicher auch von der Region und den persönlichen Erfahrungen ab. Für mich war es in Spanien ein besonderer Anblick, so viele Kiebitzregenpfeifer gleichzeitig an einem Strandabschnitt zu beobachten.
Ein besonders spannender Aspekt meiner Beobachtungen ist das gemeinsame Auftreten mit anderen Watvögeln. Auf einer Aufnahme stehen Kiebitzregenpfeifer zusammen mit mehreren Steinwälzern auf einem schmalen sandigen Uferbereich. Die Arten nutzen dort denselben Platz, obwohl sie sich in Körperbau, Nahrungssuche und Verhalten deutlich unterscheiden.
Der Fokus liegt bewusst auf dem Kiebitzregenpfeifer. Die übrigen Steinwälzer rahmen ihn ein und zeigen gleichzeitig, dass er Teil eines größeren Rasttrupps ist. So verbindet das Bild ein klares Hauptmotiv mit der Atmosphäre des gemeinsamen Lebensraums.
Auf einem weiteren Foto stehen Kiebitzregenpfeifer zwischen einem kleinen Trupp Pfuhlschnepfen und mehreren Regenbrachvögeln. Es ist kein klassisches Porträt, sondern vielmehr eine Beobachtungsszene. Gerade deshalb gehört die Aufnahme für mich dazu, weil sie zeigt, wie vielfältig das Leben an einem guten Rastplatz sein kann.
Die Vögel müssen dabei nicht bewusst die Nähe einer bestimmten anderen Art suchen. Wahrscheinlicher ist, dass derselbe Küstenabschnitt für mehrere Arten gleichzeitig geeignete Nahrung, Schutz und Rastmöglichkeiten bietet. Für die Fotografie entsteht daraus ein Bild, das nicht nur eine Art zeigt, sondern einen kleinen Ausschnitt der gesamten Limikolengemeinschaft.
Bei ruhenden Vögeln ist die Situation anders als während einer aktiven Nahrungssuche. Ein Kiebitzregenpfeifer, der still an einem geschützten Uferabschnitt steht, nutzt diese Zeit möglicherweise zur Erholung. Besonders für Zugvögel sind störungsarme Rastplätze wichtig.
Ich achte deshalb weniger auf eine vermeintlich allgemeingültige Fluchtdistanz als auf kleine Veränderungen im Verhalten. Wird ein Vogel plötzlich aufmerksam, richtet er sich wiederholt auf oder entfernt er sich von seinem Platz, sollte der Abstand nicht weiter verkürzt werden.
Auch die eigene Position spielt am Strand eine Rolle. Ich versuche zu vermeiden, den Weg zum Wasser oder zu einem sicheren Ruhebereich zu versperren. Eine längere Brennweite und ein geduldiges Warten ermöglichen häufig natürlichere Bilder als eine fortgesetzte Annäherung.
Eine Flugaufnahme zeigt den kräftigen Körperbau des Kiebitzregenpfeifers aus einer ganz anderen Perspektive. Auf meinem Bild sind die Flügel vollständig ausgebreitet, während der Vogel den Kopf leicht in Richtung der Kamera dreht. Unterhalb des blauen Himmels bleiben noch Teile der Küstenlandschaft erkennbar.
Für solche Situationen halte ich etwas mehr Platz um den Vogel frei, damit die Flügel nicht zu nah an den Bildrand geraten. Eine kurze Verschlusszeit friert die Flügelbewegung ein, während der kontinuierliche Autofokus den Vogel während seines Fluges verfolgen kann.
Die Aufnahme entstand nicht durch ein absichtliches Aufscheuchen. Für mich gehören Flugfotos nur dann zu einer gelungenen Beobachtung, wenn die Vögel aus eigenem Antrieb auffliegen oder ohnehin zwischen verschiedenen Bereichen wechseln.
Neben Sandstränden nutzen Kiebitzregenpfeifer auch steinige Abschnitte am Wasser. Auf einer meiner Aufnahmen steht ein einzelner Vogel zwischen Steinen, die teilweise von grünen Algen bedeckt sind.
Dieses Bild hat eine andere Wirkung als die Aufnahmen im blauen Wasser. Die Umgebung ist strukturreicher, die Farben sind wärmer und der Vogel fügt sich stärker in seinen Lebensraum ein. Gerade deshalb ergänzt es die ruhigeren Strandbilder und zeigt eine weitere Seite meiner Beobachtungen an der Küste.
Für einen ruhig stehenden oder langsam laufenden Kiebitzregenpfeifer verwende ich häufig eine Verschlusszeit um 1/10600 Sekunde. Damit bleibt genügend Reserve für kurze Schritte, schnelle Kopfbewegungen oder das Aufnehmen einer Beute.
Bei Flugaufnahmen wähle ich etwa 1/3200 Sekunde oder kürzer. Welche Einstellung notwendig ist, hängt vom Licht, der Entfernung, der Flugrichtung und davon ab, ob die Flügel vollständig eingefroren oder mit einer leichten Bewegungswirkung dargestellt werden sollen.
Eine offene Blende kann Wasser und entfernte Küstenstrukturen in einen ruhigen Hintergrund verwandeln. Bei mehreren Vögeln kontrolliere ich dagegen, ob genügend Schärfentiefe für die wichtigsten Tiere vorhanden ist. Gerade bei gemischten Trupps können bereits kleine Entfernungsunterschiede sichtbar werden.
Der kontinuierliche Autofokus hilft sowohl bei laufenden Vögeln als auch im Flug. Befindet sich der Kiebitzregenpfeifer zwischen Wellen, Steinen oder anderen Limikolen, muss das Fokusfeld jedoch möglichst zuverlässig auf Kopf oder Körper des gewünschten Vogels gehalten werden.
Die Lichtverhältnisse verändern an der Küste nicht nur den Vogel, sondern die gesamte Bildwirkung. Früh am Morgen kann das Wasser intensiv blau erscheinen, während tiefes Sonnenlicht das eigentlich graue und bräunliche Gefieder wärmer wirken lässt.
Bei meinem Titelbild waren Wasserstand und Perspektive besonders günstig. Der Vogel stand vollständig in einer sehr flachen Wasserfläche, und hinter ihm setzte sich das Meer als ruhiger blauer Hintergrund fort. Eine dezente Spiegelung unterhalb des Vogels verbindet Motiv und Umgebung, ohne die klare Gestaltung zu unterbrechen.
Bei hellem Gefieder kontrolliere ich vor allem die weißlichen Bereiche an Bauch und Kopf. Gleichzeitig sollte der Vogel nicht zu dunkel belichtet werden, da sonst die feine Zeichnung verloren geht. Für mich ist ein sichtbarer Lichtreflex im Auge dabei oft wichtiger als eine möglichst helle Darstellung des gesamten Motivs.
Meine Begegnungen mit dem Kiebitzregenpfeifer unterscheiden sich deutlich von denen mit Gold- und Mornellregenpfeifern. Während ich diese vor allem in offenen Agrarlandschaften fotografiert habe, kenne ich den Kiebitzregenpfeifer überwiegend vom Meer. Flaches Wasser, feuchter Sand, Strandabschnitte und gemischte Limikolentrupps prägen deshalb auch meine Bilder dieser Art.
Das vollständige schwarz-weiße Prachtkleid habe ich bisher noch nicht selbst fotografieren können. Trotzdem empfinde ich das schlichtere Winterkleid keineswegs als uninteressant. Im richtigen Licht und eingebettet in den Küstenlebensraum entstehen ruhige Bilder, während Nahrungssuche, Flug und das gemeinsame Auftreten verschiedener Arten ganz andere fotografische Möglichkeiten eröffnen.
Vielleicht gelingt mir eines Tages auch eine Begegnung mit einem vollständig ausgefärbten Vogel. Bis dahin bleiben besonders die Wintermorgen an Spaniens Stränden und das intensive blaue Wasser meines Titelbildes eng mit dem Kiebitzregenpfeifer verbunden.
Auch andere Regenpfeifer habe ich in Spanien beobachtet und fotografiert. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede in den genutzten Lebensräumen: Während der Kiebitzregenpfeifer für mich vor allem ein Vogel der Küste ist, begegneten mir Gold- und Mornellregenpfeifer überwiegend auf offenen Feldern.
Goldregenpfeifer fotografieren
Mornellregenpfeifer fotografieren
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Im Winter treffen an Spaniens Küsten heimische Arten, Durchzügler und Wintergäste aufeinander. Strände, Deltas, Salinen, Flussmündungen und Lagunen bieten dabei sehr unterschiedliche fotografische Möglichkeiten. Welche Arten an einem bestimmten Ort erscheinen, hängt immer von den aktuellen Bedingungen und der jeweiligen Phase des Vogelzugs ab.
Auch die Wirkung einer Küstenlandschaft verändert sich im Laufe des Tages. Ruhiges Morgenlicht, steigendes oder fallendes Wasser und die wechselnde Verteilung der rastenden Vögel können innerhalb kurzer Zeit völlig neue Situationen entstehen lassen.
Mehr über meine Erfahrungen während dieser Jahreszeit findest du im passenden Blogartikel:
Vogelfotografie im Winter in Spanien
Auf meinen Fotoreisen und individuellen Fototouren in Spanien besuchen wir je nach Region und Jahreszeit unterschiedliche Lebensräume. An der Küste achten wir besonders auf natürliche Bewegungsrichtungen der Vögel, wechselnde Wasserstände, ruhige Hintergründe und ein Licht, das sowohl den Vogel als auch seinen Lebensraum zur Geltung bringt.
Welche Arten tatsächlich erscheinen, lässt sich in der Natur nicht garantieren. Gerade im Winter können Küstenregionen jedoch interessante Möglichkeiten mit Limikolen, Wasservögeln und weiteren Wintergästen bieten.
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Schreib mir gerne unverbindlich, wenn du wissen möchtest, welche Tour zu deinen bevorzugten Motiven und deiner Art zu fotografieren passt.