Hohltaube fotografieren

Die Hohltaube (Columba oenas) gehört zu den Taubenarten, die leicht übersehen werden können. Ihr überwiegend graues Gefieder erscheint zunächst wenig auffällig, doch bei gutem Licht zeigen sich ein dunkles Auge, weinfarbene Töne an Hals und Brust sowie metallisch grün schimmernde Halsfedern.

In Spanien begegne ich der Hohltaube vor allem in offenen und landwirtschaftlich geprägten Landschaften. Besonders spannend sind für mich Begegnungen an Wasserstellen. Dort kann die Art plötzlich auftauchen und nach wenigen Augenblicken bereits wieder verschwunden sein. Gerade bei der Hohltaube habe ich deshalb gelernt, zunächst zu fotografieren und die genaue Bestimmung notfalls anschließend vorzunehmen.

Hohltaube an einer Wasserstelle in einer offenen Landschaft Spaniens

Dunkles Auge und schimmernde Halsfedern

Ein charakteristisches Merkmal der Hohltaube ist ihr dunkles Auge. Zusammen mit der relativ gleichmäßigen grauen Färbung verleiht es ihr ein anderes Erscheinungsbild als beispielsweise der Ringeltaube. An Hals und Brust kommen wärmere, teilweise weinfarbene Töne hinzu.

Besonders interessant wird das Gefieder bei direktem Licht. Dann beginnen die Halsseiten eines adulten Vogels metallisch grün zu schimmern. Je nach Winkel zwischen Vogel, Licht und Kamera kann dieser Glanz sehr deutlich hervortreten oder fast vollständig verschwinden.

Männchen und Weibchen ähneln sich im Gefieder stark. Für die Fotografie ist eine sichere Geschlechtsbestimmung anhand eines einzelnen Vogels deshalb normalerweise nicht möglich. Viel interessanter sind für mich die Unterschiede, die durch Alter, Licht und Körperhaltung entstehen.

Zwischen Höhlen und offenen Landschaften

Hohltaube aufmerksam im flachen Wasser in Spanien

Die Hohltaube ist in Spanien nicht so gleichmäßig verbreitet wie die Ringeltaube. Ihre Vorkommen verteilen sich regional unterschiedlich, wobei geeignete Brutplätze eine wichtige Rolle spielen. Die Art verbindet dabei zwei Lebensräume, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammengehören: geschützte Höhlen zum Brüten und offene Flächen zur Nahrungssuche.

Sie kann in Landschaften mit alten Baumbeständen und lichten Wäldern vorkommen, nutzt aber ebenso landwirtschaftlich geprägte Gebiete und andere offene Landschaften. Genau dort treffe ich sie häufig an Wasserstellen. Trockene Flächen, Felder und sanft hügelige offene Landschaften gehören deshalb zu den Umgebungen, in denen ich persönlich Hohltauben besonders häufig beobachtet und fotografiert habe.

Warum sie Hohltaube heißt

Der deutsche Name verweist direkt auf eine Besonderheit ihrer Brutbiologie. Im Gegensatz zur Ringeltaube, die ein offenes Nest aus Zweigen baut, ist die Hohltaube ein Höhlenbrüter. Sie ist deshalb darauf angewiesen, geeignete vorhandene Hohlräume zu finden.

Besonders wichtig können alte Bäume mit ausreichend großen Höhlen sein. Die Art ist bei der Wahl des Brutplatzes jedoch nicht ausschließlich auf Baumhöhlen beschränkt. Auch geeignete Hohlräume in Felsen oder alten Gebäuden können genutzt werden.

Ich kenne Hohltauben beispielsweise aus verlassenen Gebäuden, in denen gleichzeitig Rötelfalken, Blauracken und Dohlen vorkommen. Solche Orte können unterschiedlichen höhlen- und nischenbrütenden Vogelarten geeignete Brutplätze bieten, während die umliegenden offenen Landschaften zur Nahrungssuche genutzt werden.

Bei Brutplätzen fotografiere ich grundsätzlich mit entsprechendem Abstand. Gerade bei höhlenbrütenden Arten sollte die Beobachtung nicht dazu führen, dass die Vögel beim Anflug an ihren Brutplatz gestört werden.

Hohltaube im nebligen Morgenlicht auf einem Stein

Jungvögel wirken zunächst unscheinbarer

Junge Hohltauben ähneln den Altvögeln bereits deutlich, wirken jedoch matter. Besonders der charakteristische grüne Glanz an den Halsseiten ist bei jungen Vögeln zunächst noch nicht so ausgeprägt. Dadurch kann ein Jungvogel auf den ersten Blick noch unscheinbarer wirken als eine adulte Hohltaube.

Adulte und junge Hohltaube gemeinsam an einer Wasserstelle

An einer Wasserstelle konnte ich einen jüngeren Vogel gemeinsam mit einem Altvogel fotografieren. Im direkten Vergleich wird der Unterschied besonders deutlich: Beim adulten Vogel leuchtet die Halsseite im Licht kräftig grün, während der jüngere Vogel wesentlich matter erscheint.

Die unterschiedliche Größe der beiden Vögel fällt auf der Aufnahme ebenfalls auf. Für die Altersbestimmung ist sie jedoch kein zuverlässiges Merkmal, da Perspektive, Haltung und individuelle Unterschiede die Größenwirkung beeinflussen können. Aussagekräftiger ist in dieser Situation die unterschiedliche Entwicklung des Gefieders.

Nahrung auf offenen Flächen

Die Hohltaube ernährt sich überwiegend pflanzlich. Verschiedene Samen bilden einen wichtigen Teil der Nahrung, daneben werden unter anderem weitere Pflanzenteile aufgenommen. Wirbellose können ebenfalls gefressen werden, spielen gegenüber der pflanzlichen Nahrung jedoch eine deutlich geringere Rolle.

Offene Felder und landwirtschaftlich geprägte Flächen können wichtige Nahrungsräume für die Hohltaube sein. Ihre Lebensweise verbindet damit unterschiedliche Strukturen: Zum Brüten benötigt sie geeignete Höhlen in alten Bäumen, Felsen oder Gebäuden, während sie zur Nahrungssuche häufig offene Landschaften nutzt. Gerade deshalb lässt sie sich nicht ausschließlich einem einzigen Lebensraum zuordnen.

Standvögel und Gäste aus dem Norden

Ein Teil der Hohltauben auf der Iberischen Halbinsel bleibt ganzjährig im Gebiet oder unternimmt lediglich begrenzte Bewegungen. Im Herbst und Winter verändert sich die Zusammensetzung jedoch, denn dann erreichen zusätzlich Hohltauben aus anderen Teilen Europas die Iberische Halbinsel.

Ringfunde belegen Verbindungen unter anderem zu mittel- und nordeuropäischen Populationen. Spanien ist damit nicht nur Brutgebiet, sondern auch Überwinterungsgebiet für Hohltauben, die einen Teil des Jahres weiter nördlich verbringen.

Für die Beobachtung bedeutet das, dass die Zahl der Hohltauben und ihre Verteilung im Jahresverlauf nicht überall gleich bleiben müssen. Gerade in geeigneten offenen Nahrungsgebieten können außerhalb der Brutzeit auch mehrere Vögel gemeinsam auftreten.

Porträt einer adulten Hohltaube mit dunklem Auge

Wenn eine Hohltaube plötzlich an der Wasserstelle landet

An Wasserstellen habe ich Hohltauben häufig als schnelle Besucher erlebt. Ein Vogel landet zunächst in der Umgebung oder unmittelbar am Wasserrand, beobachtet kurz die Situation, läuft ins Wasser und beginnt zu trinken. Danach kann die Begegnung bereits wieder vorbei sein.

Bei einer Fotoreise wurde besonders deutlich, wie wenig Zeit bei einer solchen Begegnung manchmal bleibt. Einige Teilnehmer erlebten, wie eine Hohltaube nur für wenige Augenblicke an der Wasserstelle erschien. Bis richtig klar war, um welche Taubenart es sich handelte, war der Vogel bereits wieder verschwunden. Genau solche Situationen zeigen, wie schnell man bei dieser Art manchmal reagieren muss.

Seitdem gilt für mich bei einer unerwartet auftauchenden Taube an einer Wasserstelle: lieber zunächst einige Aufnahmen machen und anschließend genauer bestimmen. Das ist besonders an Orten hilfreich, an denen man zunächst eher mit Felsentauben oder verwilderten Haustauben rechnen würde.

Beim Trinken zählt der Moment davor

Wie andere Tauben besitzt auch die Hohltaube eine für diese Vogelgruppe charakteristische Trinkweise. Sie kann Wasser aufnehmen, während der Schnabel im Wasser bleibt, und muss den Kopf nicht nach jedem einzelnen Schluck anheben.

Hohltaube im letzten Licht an einer Wasserstelle in Spanien

Fotografisch versuche ich deshalb, bereits die Momente unmittelbar vor dem Trinken zu nutzen. Nach meiner Beobachtung wirkt die Halspartie nach dem Trinken häufig voller und breiter. Gleichzeitig hebt der Vogel danach oft nur noch den Kopf und verschwindet kurze Zeit später wieder.

Ein niedriger Kamerastand ist an Wasserstellen besonders interessant. Auf Augenhöhe entsteht eine unmittelbare Perspektive, während die Wasseroberfläche gleichzeitig Spiegelungen und ruhige Farbflächen in das Bild bringen kann. Schon kleine Bewegungen des Vogels verändern dabei die Spiegelung und damit die gesamte Bildwirkung.

Hohltaube oder Felsentaube?

Eine der interessantesten Bestimmungsfragen entsteht bei der Abgrenzung zur Felsentaube beziehungsweise zu ähnlich gefärbten verwilderten Haustauben. Gerade an alten Gebäuden können auf den ersten Blick mehrere graue Tauben sehr ähnlich wirken.

Eine typisch gefärbte Felsentaube zeigt zwei kräftige dunkle Flügelbinden. Bei der Hohltaube fehlen diese breiten durchgehenden Binden. Stattdessen befinden sich kürzere dunkle Zeichnungen auf den Flügeln. Auch das dunkle Auge und das insgesamt relativ gleichmäßige Erscheinungsbild der Hohltaube sind hilfreich.

Von der Ringeltaube lässt sie sich meist leichter unterscheiden. Die Ringeltaube ist größer und zeigt als Altvogel auffällige weiße Halsflecken; außerdem besitzt sie markante weiße Bereiche auf den Flügeln. Gerade junge Ringeltauben können wegen des zunächst fehlenden weißen Halsflecks allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern.

Für eine sichere Bestimmung verlasse ich mich deshalb möglichst nicht auf ein einzelnes Merkmal. Größe, Körperbau, Flügelzeichnung, Auge, Halsfärbung und Verhalten ergeben gemeinsam ein wesentlich zuverlässigeres Bild.

Hohltaube blickt auf die Wasseroberfläche einer Wasserstelle

Manchmal verrät der Ruf den Vogel

Eine zusätzliche Hilfe ist der Ruf. Die Hohltaube besitzt einen tiefen, gedämpften und wiederholt vorgetragenen Ruf, der mit etwas Erfahrung von anderen Tauben unterschieden werden kann. Gerade an unübersichtlichen Orten höre ich einen Vogel deshalb manchmal, bevor ich ihn tatsächlich sehe.

Bei meinen Beobachtungen an verlassenen Gebäuden ist der Ruf besonders hilfreich. Zwischen Felsentauben oder verwilderten Haustauben kann eine Hohltaube optisch zunächst übersehen werden. Wenn ihr charakteristischer Ruf aus dem Gebäude kommt, suche ich wesentlich gezielter nach ihr.

Solche Situationen zeigen für mich, dass Vogelfotografie nicht nur über das Sehen funktioniert. Rufe, Flugbewegungen und typische Verhaltensweisen können bereits Hinweise geben, lange bevor der Vogel günstig vor der Kamera erscheint.

Erst beobachten – und trotzdem schnell reagieren

Bei der Hohltaube treffen für mich zwei Dinge zusammen, die in der Naturfotografie zunächst gegensätzlich wirken: genaues Beobachten und schnelles Reagieren. Wer die Art kennt, erkennt schneller das dunkle Auge, die Flügelzeichnung oder den charakteristischen Halsglanz. Gleichzeitig bleibt an einer Wasserstelle manchmal kaum Zeit, all diese Merkmale in Ruhe zu kontrollieren.

Deshalb arbeite ich bei einem aktiven Vogel meist mit einer ausreichend kurzen Verschlusszeit, kontinuierlichem Autofokus und Serienaufnahme. Die Hohltaube verändert häufig ihre Kopfhaltung, läuft einige Schritte oder dreht sich. Innerhalb weniger Sekunden können dadurch mehrere völlig unterschiedliche Bildwirkungen entstehen.

Bleibt ein Vogel dagegen ruhig sitzen und das Licht ist knapp, kann ich die Verschlusszeit verlängern und dadurch den ISO-Wert reduzieren. Entscheidend ist für mich nicht eine bestimmte Standardeinstellung, sondern die Reaktion auf das Verhalten des Vogels.

Besonders schön ist Licht, das das Auge erreicht und gleichzeitig auf die Halsseiten fällt. Dann entsteht ein kleiner Reflex im dunklen Auge und der grüne Gefiederglanz wird sichtbar. Aber auch diffuses Morgenlicht oder die letzten schwachen Lichtstrahlen des Tages können eine Hohltaube völlig anders wirken lassen.

Warum solche Bilder häufig schon mit dem Beobachten der Situation beginnen, beschreibe ich auch in meinem Blogbeitrag „Die besten Fotos entstehen lange vor dem Auslösen“.

Vier Taubenarten in einem Bild

Hohltaube mit Türkentaube, Turteltaube und junger Ringeltaube an einer Wasserstelle

Eine besondere Situation entstand für mich an einer Wasserstelle, an der sich mehrere Taubenarten gleichzeitig aufhielten. Mein eigentliches Motiv war die Hohltaube. Während ich sie fotografierte, befanden sich jedoch auch eine Türkentaube, eine Turteltaube und eine junge Ringeltaube im Bild.

Durch die unterschiedlichen Entfernungen zur Kamera liegt die Schärfe bewusst auf der Hohltaube, während die anderen drei Arten außerhalb der Schärfeebene erscheinen. Gerade diese Staffelung gefällt mir an der Aufnahme: Die Hohltaube bleibt eindeutig das Hauptmotiv, gleichzeitig zeigt das Bild vier verschiedene Taubenarten an derselben Wasserstelle.

Im direkten Vergleich werden auch ihre unterschiedlichen Erscheinungsbilder deutlich. Die Türkentaube besitzt beim Altvogel ihren schmalen schwarzen Nackenring, die Turteltaube zeigt ein wesentlich stärker gemustertes Gefieder und die Ringeltaube wirkt deutlich kräftiger. Dazwischen steht die vergleichsweise gleichmäßig graue Hohltaube.

Eine Taube, bei der sich genaues Hinsehen lohnt

Die Hohltaube ist für mich gerade deshalb interessant, weil sie nicht sofort auffällt. An einem alten Gebäude kann sie zwischen anderen Tauben sitzen, in einer offenen Landschaft plötzlich an einer Wasserstelle erscheinen und wenige Sekunden später bereits wieder verschwunden sein.

Mit zunehmender Erfahrung werden das dunkle Auge, die kurzen dunklen Flügelzeichnungen, der grüne Halsglanz und der Ruf immer vertrauter. Gleichzeitig zeigt ihre Lebensweise, wie wichtig die Verbindung unterschiedlicher Landschaftsstrukturen sein kann: geschützte Höhlen zum Brüten auf der einen Seite und offene Nahrungsflächen auf der anderen.

Weitere Arten, die ich in Spanien beobachte und fotografiere, findest du in meiner Übersicht der Vogel- und Tierarten Spaniens.

Wenn du solche Situationen selbst mit der Kamera erleben möchtest, findest du auf meiner Seite zu den Fotoreisen in Spanien einen Überblick über meine Möglichkeiten für Natur- und Vogelfotografie. Gerade das Beobachten unterschiedlicher Arten und das rechtzeitige Erkennen kurzer fotografischer Situationen gehören für mich zu den spannendsten Seiten solcher Reisen.

Interesse an einer Fotoreise?

Du möchtest die Hohltaube und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.

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