Kormoran fotografieren

Der Kormoran (Phalacrocorax carbo) gehört für mich zu den Vogelarten, denen man an spanischen Gewässern immer wieder begegnen kann. Besonders häufig habe ich ihn an größeren, fischreichen Gewässern, in Lagunen, Deltas und an der Küste erlebt. Dabei ist er fotografisch vielseitiger, als sein auf den ersten Blick fast schwarzes Gefieder vermuten lässt: Kormorane tauchen nach Fischen, fliegen mit kräftigen Flügelschlägen über das Wasser und sitzen nach ihren Tauchgängen häufig mit weit geöffneten Flügeln am Ufer.

Gerade dieses typische Flügelspreizen gehört zu den Situationen, die ich besonders mit dem Kormoran verbinde. Mein Titelfoto entstand bereits in meinen ersten Jahren der Vogelfotografie. Der Vogel stand am Ufer einer Lagune mit dem Rücken zu mir, breitete Flügel und Schwanz aus und drehte dabei den Kopf zur Seite. Durch sein Prachtkleid mit den hellen Schmuckfedern am Kopf und dem weißen Schenkelfleck wurde aus einer alltäglichen Beobachtung ein für mich bis heute interessantes Motiv.

Kormoran im Prachtkleid mit ausgebreiteten Flügeln am Ufer einer Lagune

Kormorane in Spanien beobachten

Kormoran im Flug über einem spanischen Feuchtgebiet

Der Kormoran ist in Spanien sowohl an der Küste als auch weit im Binnenland zu finden. Besonders wichtig sind größere Gewässer mit einem ausreichenden Fischbestand. Dazu gehören Flüsse, Stauseen, Lagunen, Deltas und andere Feuchtgebiete. Schilf und Ufervegetation können solche Landschaften prägen, entscheidend für den Kormoran ist jedoch vor allem ein geeignetes Nahrungsangebot.

Während der Brutzeit ist seine Verbreitung in Spanien deutlich lokaler. Im Winter verändert sich das Bild: Zu den heimischen Vögeln kommen Kormorane aus anderen Teilen Europas hinzu. Dadurch kann die Art an geeigneten Gewässern wesentlich häufiger auftreten und große Ansammlungen bilden.

Eine solche Situation ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Hinter einer Schleuse hatte sich eine außergewöhnlich große Zahl von Kormoranen versammelt. Nach meiner Erinnerung waren es mehr als hundert Vögel, von denen viele gleichzeitig tauchten. Vermutlich bot dieser Gewässerabschnitt besonders günstige Bedingungen für die Nahrungssuche. Ob tatsächlich eine Konzentration von Fischen an der Schleuse die Ursache war, lässt sich aus der Beobachtung allein allerdings nicht sicher ableiten.

Ein spezialisierter Jäger unter Wasser

Die Nahrung des Kormorans besteht überwiegend aus Fischen. Anders als ein Reiher, der häufig vom Ufer oder aus flachem Wasser zuschlägt, verfolgt der Kormoran seine Beute aktiv unter Wasser. Dabei treibt er sich vor allem mit seinen kräftigen Füßen und den Schwimmhäuten zwischen den Zehen an.

Beim Beobachten sieht man häufig zunächst nur den vergleichsweise tief im Wasser liegenden Körper mit Hals und Kopf. Dann verschwindet der Vogel plötzlich unter der Oberfläche. Ein typischer Jagdtauchgang kann einige Dutzend Sekunden dauern. Je nach Gewässer und Nahrung können Kormorane dabei auch beträchtliche Tiefen erreichen.

Für Fotografen macht gerade diese Unberechenbarkeit die Nahrungssuche spannend. Man weiß nie genau, an welcher Stelle der Vogel wieder auftaucht und gelegentlich erscheint er mit einem überraschend großen Fisch im Schnabel.

Schwimmender Kormoran mit einem Fisch im Schnabel

Warum Kormorane so gut tauchen können

Eine der interessantesten Anpassungen des Kormorans betrifft sein Gefieder. Häufig hört man die vereinfachte Erklärung, Kormorane hätten kein Fett auf ihren Federn. Das stimmt so nicht. Auch sie besitzen eine Bürzeldrüse und pflegen ihr Gefieder.

Die besondere Federstruktur führt jedoch dazu, dass das Gefieder teilweise benetzbar ist. Während des Aufenthalts im Wasser kann dadurch ein Teil des äußeren Gefieders Wasser aufnehmen. Gleichzeitig bleiben in inneren Bereichen Luftpolster erhalten, die zur Wärmeisolierung beitragen.

Für einen Tauchjäger hat diese Kombination einen entscheidenden Vorteil: Ein kleinerer Luftpolster bedeutet weniger Auftrieb. Der Vogel muss unter Wasser also weniger Kraft aufwenden, um gegen den natürlichen Auftrieb anzukämpfen. Das erleichtert die aktive Verfolgung von Fischen unter der Wasseroberfläche.

Diese Anpassung hat allerdings auch eine Kehrseite. Nach längeren Aufenthalten im Wasser muss das teilweise benetzte Gefieder wieder trocknen. Deshalb sieht man Kormorane besonders häufig auf Steinen, Ästen, Uferstrukturen oder anderen erhöhten Plätzen mit weit geöffneten Flügeln sitzen.

Das charakteristische Trocknen der Flügel

Für mich gehört diese Haltung zu den typischsten Bildern des Kormorans überhaupt. Nach der Nahrungssuche habe ich die Vögel immer wieder ruhend am Ufer beobachtet, während sie ihre Flügel weit ausbreiteten. Gerade wenn mehrere Vögel nach einer Phase intensiver Nahrungssuche aus dem Wasser kommen, ergeben sich interessante Möglichkeiten für Verhaltensaufnahmen.

Das Flügelspreizen unterstützt das Trocknen des teilweise benetzten Gefieders. Sonne und Wind können dabei helfen. Eine feste Tageszeit lässt sich daraus allerdings nicht ableiten: Wann ein Kormoran diese Haltung zeigt, hängt von seinem vorherigen Aufenthalt im Wasser und den jeweiligen Bedingungen ab.

Junger Kormoran schüttelt sein nasses Gefieder
Porträt eines jungen Kormorans mit heller Kehle

Junge Kormorane und adulte Vögel unterscheiden

Nicht jeder Kormoran ist tiefschwarz. Junge und immature Vögel können deutlich brauner wirken und besitzen häufig eine auffallend helle Unterseite. Bei manchen Individuen reicht diese helle Färbung vom Bauch weit nach oben, sodass sie auf den ersten Blick ganz anders wirken als ein adulter Kormoran.

Das ist auch der Grund, warum junge Kormorane gelegentlich mit jungen Krähenscharben verwechselt werden können. Die reine Farbe reicht zur Bestimmung nicht aus. Körperbau, Kopf, Schnabel und insbesondere die nackten Gesichtspartien liefern zusätzliche Hinweise.

Kormoran oder Krähenscharbe?

Der Krähenscharbe ähnelt dem Kormoran, ist aber insgesamt kleiner und schlanker. Besonders Kopf und Schnabel wirken feiner, der Hals schmaler. Beim Kormoran fällt dagegen die größere gelbliche nackte Gesichtspartie an der Schnabelbasis auf.

Auch der Lebensraum kann einen Hinweis geben. Die Krähenscharbe ist in Spanien stark an felsige Meeresküsten gebunden. Der Kormoran nutzt dagegen neben Küstengewässern sehr häufig Binnengewässer wie Flüsse, Stauseen und größere Lagunen. Der Lebensraum allein sollte jedoch nie das einzige Bestimmungsmerkmal sein.

Bei Jungvögeln kann die Unterscheidung zunächst schwieriger wirken, da beide Arten braune beziehungsweise grau-braune Gefiedertöne zeigen können. Gerade dann lohnt sich ein genauer Blick auf Proportionen, Kopf und Schnabel sowie die Ausdehnung der nackten Haut an der Schnabelbasis.

Kormoran im Prachtkleid im Flug über einem Feuchtgebiet in Spanien

Das Prachtkleid des Kormorans

Adulte Kormorane verändern ihr Erscheinungsbild während der Fortpflanzungszeit deutlich. Besonders auffällig sind dann die hellen Schmuckfedern an Kopf und Hals sowie der weiße Fleck im Bereich des Oberschenkels, der häufig als Schenkelfleck bezeichnet wird.

Auf einem ansonsten sehr dunklen Vogel fallen diese weißen Partien sofort auf. Für die Fotografie ist das attraktiv, gleichzeitig entsteht ein großer Helligkeitskontrast: Die weißen Federn sollen Zeichnung behalten, ohne dass das dunkle Gefieder vollständig zuläuft.

Kormorane brüten in Kolonien

Kormorane sind Koloniebrüter. Je nach Lebensraum können ihre Nester in Bäumen, in Röhrichtbeständen oder an geeigneten Küstenabschnitten angelegt werden. Nester können über mehrere Jahre erneut genutzt werden.

Beide Eltern beteiligen sich an der Versorgung der Jungvögel. Für die Fotografie gilt während der Brutzeit besonders, ausreichend Abstand zu halten. Brutkolonien sollten nicht betreten oder durch eine Annäherung gestört werden. Interessante Aufnahmen lassen sich auch aus großer Distanz oder an Orten machen, an denen die Vögel außerhalb des unmittelbaren Brutplatzes regelmäßig vorbeifliegen.

Schwimmender Kormoran im ersten Morgenlicht

Kormorane fotografieren – dunkles Gefieder richtig belichten

Das dunkle Gefieder ist fotografisch eine der größten Herausforderungen. Wird zu knapp belichtet, verschwinden feine Strukturen schnell in schwarzen Flächen. Bei geeignetem Licht zeigt das Gefieder dagegen überraschend viele Details und einen feinen metallischen Schimmer.

Besonders interessant finde ich Licht, das seitlich auf Kopf und Hals fällt. Dann werden nicht nur die Federstrukturen sichtbar, sondern auch das grün wirkende Auge kann sehr intensiv hervortreten.

Bei Vögeln im Prachtkleid muss man zusätzlich auf die hellen Gefiederpartien achten. Die Belichtung sollte so gewählt werden, dass die weißen Bereiche nicht ausbrennen und gleichzeitig im dunklen Gefieder noch Zeichnung vorhanden ist.

Auf Augenhöhe an der Wasseroberfläche

Besonders gerne fotografiere ich Kormorane möglichst tief über der Wasseroberfläche. Durch die niedrige Perspektive löst sich der Vogel stärker vom Hintergrund, während Wasser im Vordergrund weich verschwimmt. Dadurch entsteht deutlich mehr Tiefe als bei einer Aufnahme steil von oben.

Beim schwimmenden Kormoran lohnt es sich außerdem, aufmerksam zu bleiben. Aus einer ruhigen Situation kann innerhalb weniger Sekunden eine Aktion entstehen: Der Vogel taucht ab, beginnt mit der Gefiederpflege, startet plötzlich oder erscheint nach einem Tauchgang mit Beute.

Wenn genügend Licht vorhanden ist, arbeite ich deshalb gerne mit einer kurzen Verschlusszeit, Serienaufnahme und zuverlässigem Augenfokus. Bleibt der Vogel dagegen längere Zeit ruhig, kann die Verschlusszeit reduziert werden, um den ISO-Wert niedrig zu halten.

Kormoran schwimmt durch eine spanische Lagune

Kormorane im Flug fotografieren

Auch im Flug ist der Kormoran gut zu erkennen. Der Hals wird weit nach vorne gestreckt, der lange Körper endet in einem relativ langen Schwanz und die Flügelschläge wirken kräftig und zielgerichtet.

Für Flugaufnahmen verwende ich eine entsprechend kurze Verschlusszeit und kontinuierlichen Autofokus. Besonders interessant werden solche Bilder, wenn zusätzlich Lebensraum oder Lichtstimmung erhalten bleiben. Ein vollständig aufgelöster Hintergrund ist nicht immer notwendig, manchmal sind gerade die Farben eines Feuchtgebietes, trockene Vegetation oder Wasserflächen das Element, das einem Flugbild Atmosphäre gibt.

Ein erfolgreicher Fischjäger – und nicht überall beliebt

Die ausgeprägten Fähigkeiten des Kormorans als Fischjäger haben auch zu Konflikten mit Menschen geführt. Besonders dort, wo Fischerei oder Fischzucht eine wirtschaftliche Rolle spielen, wird sein Fischkonsum teilweise kritisch gesehen.

Für mich als Naturfotograf steht dagegen vor allem die Beobachtung seines spezialisierten Jagdverhaltens im Vordergrund. Gerade das Zusammenspiel aus Schwimmen, Tauchen, erfolgreichem Fischfang und anschließendem Trocknen des Gefieders macht den Kormoran zu einer interessanten Art, auch wenn er auf den ersten Blick weniger auffällig erscheint als viele farbenprächtige Wasservögel.

Weitere Wasservögel in Spanien fotografieren

Fischreiche Lagunen, Flüsse und andere Feuchtgebiete gehören zu den abwechslungsreichsten Lebensräumen für die Vogelfotografie in Spanien. Neben dem Kormoran lassen sich dort je nach Gewässer und Jahreszeit beispielsweise Haubentaucher, Graureiher und zahlreiche Entenarten beobachten.

An der Meeresküste kommt mit der Krähenscharbe eine nahe verwandte Art hinzu, die einen ganz anderen Lebensraum nutzt. Weitere bereits vorgestellte Arten findest du in meiner Übersicht der Vogelarten in Spanien.

Kormorane im Winter fotografieren

Gerade im Winter kann der Kormoran in Spanien besonders interessant sein. Dann kommen zu den hier vorkommenden Vögeln weitere Kormorane aus nördlicheren Teilen Europas hinzu. An geeigneten Gewässern können dadurch größere Gruppen entstehen und die Chancen auf unterschiedliche Verhaltenssituationen steigen.

Auch fotografisch verändert sich diese Jahreszeit: tief stehendes Licht, ruhigere Feuchtgebiete und andere Wetterbedingungen schaffen Möglichkeiten, die sich deutlich von der Fotografie während der wärmeren Monate unterscheiden. Mehr darüber erfährst du in meinem Beitrag Vogelfotografie im Winter in Spanien – warum diese Jahreszeit besondere Bilder ermöglicht.

Kormorane auf einer Fotoreise in Spanien erleben

Der Kormoran ist keine Art, für die ich eine eigene Fotoreise anbiete. Gerade das macht Begegnungen mit ihm unterwegs interessant: An geeigneten Feuchtgebieten kann er als zusätzliches Motiv erscheinen und innerhalb kurzer Zeit ganz unterschiedliche fotografische Situationen bieten, vom ruhigen Porträt auf dem Wasser bis zum Fischfang oder Flug.

Einen Überblick über meine aktuellen Angebote findest du bei den Fotoreisen zur Vogelfotografie in Spanien. Welche Arten sich tatsächlich beobachten lassen, hängt dabei immer von Region, Jahreszeit und den natürlichen Bedingungen ab.

Interesse an einer Fotoreise?

Du möchtest den Kormoran und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.

Name