Die Rotflügel-Brachschwalbe (Glareola pratincola) gehört zu den Vogelarten, die mir nicht unbedingt bei der ersten Begegnung besonders aufgefallen sind. Je häufiger und näher ich sie jedoch beobachten konnte, desto interessanter wurde sie für mich. Auf den ersten Blick wirkt ihr Gefieder mit seinen warmen Braun- und Beigetönen relativ schlicht. Aus der Nähe kommen jedoch die cremefarbene Kehle mit ihrer dunklen Einfassung, die rötliche Schnabelbasis und die großen dunklen Augen hinzu.
Besonders überraschend ist der Vogel, sobald er die Flügel öffnet. Dann werden die kastanien- bis rostfarbenen Unterflügeldecken sichtbar, die bei einem stehenden Vogel weitgehend verborgen bleiben. Zusammen mit den langen, spitzen Flügeln und dem gegabelten Schwanz entsteht eine völlig andere Erscheinung als am Boden.
Obwohl ihr deutscher Name bereits an eine Schwalbe erinnert, gehört die Rotflügel-Brachschwalbe nicht zu den Schwalben, sondern zu den Regenpfeiferartigen. Innerhalb dieser Gruppe nimmt sie eine ungewöhnliche Rolle ein: Statt ihre Nahrung überwiegend am Boden oder im flachen Wasser zu suchen, verbringt sie einen großen Teil der Nahrungssuche in der Luft.
Ihre langen, spitzen Flügel, der gegabelte Schwanz und der schnelle, wendige Flug erinnern dabei tatsächlich an Schwalben oder Seeschwalben. Diese Kombination aus Limikole und ausgesprochenem Luftjäger macht die Art für mich besonders interessant.
Auch fotografisch bietet sie dadurch zwei völlig unterschiedliche Seiten. Am Boden kann man ihre feine Gefiederzeichnung und die ungewöhnliche Körperform beobachten, während sie im Flug zu einem ausgesprochen dynamischen Motiv wird.
Am stehenden Vogel würde man den deutschen Namen Rotflügel-Brachschwalbe zunächst vielleicht nicht erwarten. Das Gefieder wird von warmen Braun-, Beige- und Cremetönen bestimmt. Erst beim Öffnen der Flügel erscheinen die auffälligen kastanien- bis rostfarbenen Unterflügeldecken.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die helle, cremefarbene Kehle, die im Brutkleid von einer dunklen Linie eingefasst wird. Hinzu kommt der kurze Schnabel mit seiner auffällig rötlichen Basis. Außerhalb des Brutkleides wird die Zeichnung im Bereich von Kehle und Gesicht weniger deutlich, während Jungvögel insgesamt stärker geschuppt und gestrichelt wirken.
Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Feine Unterschiede können vorhanden sein, sind für die Bestimmung eines einzelnen Vogels im Freiland oder anhand eines normalen Fotos jedoch kaum ein verlässliches Merkmal. Für die Fotografie ist deshalb vor allem die jahreszeitliche Veränderung des Gefieders interessant.
Eine ähnliche Art ist die Schwarzflügel-Brachschwalbe (Glareola nordmanni), deren reguläres Verbreitungsgebiet deutlich weiter östlich liegt. In Spanien ist sie eine ausgesprochene Seltenheit, wurde aber bereits mehrfach nachgewiesen.
Besonders auffällig ist der Unterschied im Flug: Während die Rotflügel-Brachschwalbe kastanien- bis rostfarbene Unterflügeldecken besitzt, sind diese bei der Schwarzflügel-Brachschwalbe dunkel bis schwarz. Auch der helle Hinterrand der Armschwingen der Rotflügel-Brachschwalbe und Unterschiede in Schwanz- und Beinlänge können bei der Bestimmung helfen. Gerade bei schwierigen Beobachtungsbedingungen sollte die Bestimmung jedoch nicht auf einem einzelnen Merkmal beruhen.
Meine Begegnungen mit Rotflügel-Brachschwalben finden vor allem an Lagunen statt. Dort sehe ich sie sowohl am Wasser als auch auf offenen Flächen in der unmittelbaren Umgebung. Solche Landschaften passen sehr gut zu den Ansprüchen der Art.
In Spanien besiedelt sie unter anderem Lagunen, Marschen, Salzwiesen, Uferbereiche, Inseln und andere offene Flächen in der Nähe von Wasser. Auch Brachen, Weideflächen und landwirtschaftlich geprägte Gebiete können genutzt werden. Entscheidend sind offene Bereiche mit niedriger oder lückiger Vegetation und ein ausreichendes Angebot an Insekten.
Damit ist die Rotflügel-Brachschwalbe zwar eng mit Feuchtgebieten verbunden, aber kein klassischer Wasservogel. Häufig liegen ihre Brut- und Ruheplätze auf trockenem oder nur zeitweise feuchtem Boden neben dem eigentlichen Gewässer.
Rotflügel-Brachschwalben brüten am Boden und können dabei Kolonien bilden. Ein aufwendig gebautes Nest gibt es nicht. Die Eier werden in einer flachen Mulde auf offenem Untergrund abgelegt, häufig nur von niedriger oder sehr lückiger Vegetation umgeben.
Genau solche Flächen kenne ich auch aus den Gebieten, in denen ich die Art fotografiere. Bei einer meiner Aufnahmen steht der Vogel auf einem offenen, niedrig bewachsenen Bereich unmittelbar im Umfeld einer Lagune. In diesem Gebiet befinden sich auch Brutplätze der Art. Gerade bei solchen Bodenbrütern bleibe ich auf Abstand und suche nicht nach einzelnen Nestern.
Für das Foto ist der Vogel selbst vergleichsweise klein im Bild. Gerade deshalb gefällt mir die Aufnahme: Sie zeigt nicht nur die Rotflügel-Brachschwalbe, sondern vor allem die Landschaft, in der sie lebt und brütet.
Die Rotflügel-Brachschwalbe ist in Spanien vor allem während der warmen Jahreshälfte zu beobachten. Im Frühjahr kehren die Vögel aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten zurück und besetzen ihre Brutgebiete. Nach Abschluss der Brutzeit beginnt bereits wieder der Zug in Richtung Afrika.
Die Brutvorkommen verteilen sich nicht gleichmäßig über Spanien. Bedeutende Gebiete liegen im Süden der Iberischen Halbinsel, insbesondere in Andalusien. Weitere Vorkommen finden sich unter anderem in Extremadura und Castilla-La Mancha sowie punktueller in geeigneten Feuchtgebieten im Osten Spaniens.
Während der Zugzeiten können Rotflügel-Brachschwalben auch außerhalb der eigentlichen Brutgebiete auftauchen. Für die Fotografie in Spanien bleibt sie dennoch eine Art, die ich in erster Linie mit Frühjahr und Sommer verbinde.
Rotflügel-Brachschwalben erlebe ich häufig nicht allein, sondern zusammen mit mehreren Artgenossen. Einige stehen am Boden oder am Rand der Lagune, während andere über dem Gebiet auf Nahrungssuche sind.
Dieses gesellige Verhalten gehört zur Art. Auch während der Brutzeit können sich mehrere Paare zu Kolonien zusammenschließen. Gegen mögliche Feinde im Bereich einer Kolonie können die Vögel gemeinsam reagieren.
Für die Fotografie entstehen dadurch interessante Möglichkeiten. Statt immer nur einen einzelnen Vogel freizustellen, kann es sich lohnen, mehrere Tiere in die Bildgestaltung einzubeziehen. Ein zweiter, unscharfer Vogel im Hintergrund kann dabei bereits ausreichen, um einen Eindruck vom sozialen Verhalten zu vermitteln.
Bei der Nahrungssuche zeigt sich die Rotflügel-Brachschwalbe von ihrer dynamischsten Seite. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. Dazu gehören beispielsweise Käfer, Heuschrecken, fliegende Ameisen, Fliegen und Mücken.
Viele dieser Beutetiere werden direkt im Flug gefangen. Dabei jagen Rotflügel-Brachschwalben häufig gemeinsam und verfolgen Insekten mit schnellen Richtungswechseln. Besonders in den Morgen- und Abendstunden kann diese Aktivität ausgeprägt sein. Gelegentlich wird Nahrung auch am Boden aufgenommen.
Wenn ich sie über einer Lagune beobachte, erinnern mich diese Jagdflüge tatsächlich an Schwalben. Der Vogel beschleunigt, dreht und verändert ständig seine Flugrichtung. Genau diese Wendigkeit macht Flugaufnahmen anspruchsvoll, aber auch besonders interessant.
Wer ähnliche Luftjäger fotografieren möchte, findet auf meiner Seite über die Rauchschwalbe eine völlig andere Vogelart mit einer ebenfalls stark an die Insektenjagd im Flug angepassten Lebensweise.
Für mich gehört die Rotflügel-Brachschwalbe zu den Vogelarten, bei denen eine kurze Verschlusszeit besonders wichtig ist. Selbst ein scheinbar ruhig stehender Vogel kann innerhalb eines Augenblicks auffliegen oder seine Haltung verändern.
Bei Flugaufnahmen arbeite ich deshalb mit kontinuierlichem Autofokus, Augenerkennung und Serienaufnahme. Gerade die Augenerkennung ist hilfreich, wenn der Vogel schnell seine Richtung verändert und sich vor einem unruhigen Hintergrund bewegt.
Eine sehr kurze Verschlusszeit hilft dabei, Kopf und Körper scharf abzubilden. Gleichzeitig muss nicht zwangsläufig jede einzelne Flügelspitze vollkommen eingefroren sein. Eine leichte Bewegungsunschärfe kann bei einer ansonsten scharfen Aufnahme sogar einen Eindruck von der Geschwindigkeit des Vogels vermitteln.
Die einfacheren Gelegenheiten für nahe Aufnahmen entstehen für mich häufig dann, wenn die Vögel nicht in der Luft sind. An Lagunen sehe ich Rotflügel-Brachschwalben regelmäßig am Uferrand stehen, ruhen, trinken oder baden.
Beim Baden verändert sich die Situation innerhalb weniger Sekunden. Wasser spritzt durch das Gefieder und aus einem zunächst ruhigen Motiv entsteht plötzlich eine schnelle Bewegungssequenz. Auch hier lohnt es sich deshalb, Autofokus und Serienaufnahme bereits aktiviert zu haben.
Solche Momente zeigen gleichzeitig, warum ich die Art gerne aus einer möglichst niedrigen Perspektive fotografiere. Auf Augenhöhe mit dem Vogel verschwimmt der Hintergrund stärker und selbst eine kleine Wasserfläche kann zu einem ruhigen Bestandteil des Bildes werden.
Besonders reizvoll finde ich Rotflügel-Brachschwalben im warmen Licht des frühen Morgens. Wenn die Sonne noch tief steht, entstehen an den Lagunen weiche Braun-, Orange- und Goldtöne, die eine völlig andere Bildwirkung erzeugen als während des helleren Tages.
Bei dieser Aufnahme stand der Vogel genau am Rand des ruhigen Wassers. Dadurch entstand eine ungewöhnlich klare Spiegelung, die für mich zum eigentlichen Mittelpunkt des Fotos wurde. Statt möglichst nah an den Vogel heranzugehen, habe ich hier bewusst mehr von der Umgebung einbezogen, damit sowohl die Spiegelung als auch die warme Lichtstimmung erhalten bleiben.
Solche Situationen zeigen für mich, wie unterschiedlich sich die Rotflügel-Brachschwalbe fotografieren lässt. Neben schnellen Flugaufnahmen und dynamischen Verhaltensszenen können auch ruhigere Bilder entstehen, bei denen Licht, Umgebung und Bildgestaltung wichtiger sind als möglichst viele sichtbare Gefiederdetails.
Die einfache Art zu brüten macht die Rotflügel-Brachschwalbe gleichzeitig anfällig für Veränderungen ihres Lebensraums. Offene Brutflächen können durch Trockenlegung, intensive landwirtschaftliche Nutzung oder Veränderungen der Vegetation verloren gehen. Da die Eier unmittelbar am Boden liegen, können landwirtschaftliche Arbeiten außerdem Gelege und Jungvögel gefährden.
Auch starke Veränderungen des Wasserstandes können problematisch werden, wenn niedrig gelegene Brutflächen plötzlich überflutet werden. Hinzu kommen Störungen und Verluste durch verschiedene Prädatoren. Für den langfristigen Erhalt der Art sind deshalb nicht nur die eigentlichen Gewässer wichtig, sondern auch die offenen Flächen in ihrer unmittelbaren Umgebung.
Für mich bedeutet das bei der Fotografie vor allem, in möglichen Brutgebieten besonders aufmerksam zu sein. Ein Vogel, der auf einer offenen Fläche steht, ist kein Grund, anschließend nach seinem Nest zu suchen. Gerade weil die Nestmulde so unscheinbar ist, lässt sich ein Brutplatz leicht übersehen.
Die Rotflügel-Brachschwalbe ist für mich ein gutes Beispiel dafür, dass ein Vogel nicht besonders bunt sein muss, um fotografisch interessant zu werden. Erst aus der Nähe werden die feinen Farben und Zeichnungen sichtbar, während sich im Flug eine völlig andere Seite der Art zeigt.
An denselben Lagunen lassen sich zahlreiche weitere Vogelarten beobachten. Dazu gehören beispielsweise der Kiebitz, weitere Limikolen und der Flamingo. Welche Arten auftreten, verändert sich dabei im Laufe des Jahres und besonders während der Zugzeiten.
Gerade im Frühjahr verändert sich das Leben an den spanischen Lagunen innerhalb kurzer Zeit. Zugvögel kehren zurück oder ziehen durch, die Aktivität nimmt zu und gleichzeitig verändert sich das Licht. Mehr darüber erzähle ich in meinem Blogartikel „Die ersten Zeichen des Frühlings in Spanien – Vogelzug, Licht und neue Aktivität“.
Viele der Aufnahmen der Rotflügel-Brachschwalbe auf dieser Seite sind während eines Fototages an der Lagune entstanden, den ich auch mit der Kamera begleitet habe. In meinem Video „Natur leben statt Tipps zählen – ein Tag als Naturfotograf“ kannst du unter anderem sehen, wie einige der hier gezeigten Aufnahmen der Rotflügel-Brachschwalbe entstehen.
Das Video zeigt dabei nicht nur die fertigen Fotos, sondern vermittelt auch einen Eindruck davon, wie ich an einer Lagune fotografiere: beobachten, warten und auf die Situationen reagieren, die sich im Laufe des Tages ergeben. Gerade bei einer so schnellen und abwechslungsreichen Art wie der Rotflügel-Brachschwalbe lässt sich vieles nicht im Voraus planen.
Spanische Lagunen und Feuchtgebiete gehören für mich zu den abwechslungsreichsten Gebieten für die Vogelfotografie. Während sich einige Arten über längere Zeit an einem Ort beobachten lassen, entstehen bei der Rotflügel-Brachschwalbe oft innerhalb kurzer Zeit völlig unterschiedliche Situationen, vom ruhenden Vogel am Ufer bis zur schnellen Insektenjagd über dem Wasser.
Auf meiner Seite zu den Fotoreisen in Spanien findest du einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, Vögel und andere Tiere in unterschiedlichen Regionen und Lebensräumen zu fotografieren. Weitere Vogelarten und ihre Zuordnung zu den verschiedenen Landschaften findest du in meiner Artenübersicht.
Du möchtest die Rotflügel-Brachschwalbe und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.