Die Uferschnepfe (Limosa limosa) gehört für mich zu den Limikolen, bei denen eine fotografische Begegnung nie selbstverständlich ist. In Spanien habe ich sie vor allem während ihrer Wanderungen beobachtet, sowohl in küstennahen Feuchtgebieten als auch an Lagunen im Landesinneren. Tatsächlich ist die Art in Spanien jedoch nicht nur Durchzügler: Sie ist auch ein regelmäßiger Wintergast und kann insbesondere in geeigneten Feuchtgebieten über längere Zeit anwesend sein.
Mit ihren ausgesprochen langen Beinen und dem langen, weitgehend geraden Schnabel wirkt die Uferschnepfe sehr elegant. Besonders interessant finde ich den starken Unterschied zwischen dem eher unauffälligen Schlichtkleid und dem deutlich farbigeren Brutkleid. Hinzu kommen verschiedene Verhaltensweisen bei der Nahrungssuche und ein charakteristisches Flugbild, die ganz unterschiedliche fotografische Möglichkeiten bieten.
Die Uferschnepfe ist in Spanien vor allem außerhalb der Brutzeit anzutreffen. Durchzug und Überwinterung überschneiden sich dabei über einen langen Zeitraum: Regelmäßig erscheinen Uferschnepfen zwischen Juli und April. Während ein Teil der Vögel Spanien lediglich als Rastgebiet auf dem Weg zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten nutzt, verbringen andere den Winter auf der Iberischen Halbinsel.
Als Lebensraum nutzt die Uferschnepfe während dieser Zeit unterschiedliche Feuchtgebiete. Dazu gehören flache Lagunen und andere Binnengewässer ebenso wie Marschen, Salinen, Reisfelder und Ästuare. Entscheidend sind vor allem geeignete Flachwasserbereiche und weiche Böden, in denen die Vögel nach Nahrung suchen können.
Meine eigenen Begegnungen wirken dagegen oft wesentlich flüchtiger. Besonders während des Vogelzugs kann eine einzelne Uferschnepfe oder eine kleine Gruppe plötzlich in einem geeigneten Feuchtgebiet auftauchen. Einige meiner Beobachtungen stammen aus Lagunen im Landesinneren, eine andere aus einem Feuchtgebiet in Küstennähe. Gerade diese Unberechenbarkeit macht es schwierig, gezielt gute Fotobedingungen für die Art zu bekommen.
Der außergewöhnlich lange Schnabel der Uferschnepfe ist hervorragend an die Nahrungssuche in weichem Untergrund angepasst. Die Nahrung besteht vor allem aus verschiedenen Wirbellosen, während außerhalb der Brutzeit auch pflanzliche Nahrung eine Rolle spielen kann. Zur Nahrungssuche steckt die Uferschnepfe ihren Schnabel immer wieder tief in Schlamm, Schlick oder weichen Boden.
Dabei bleibt der Vogel häufig in Bewegung. Der Kopf wird weit nach unten genommen, der Schnabel ins Sediment geführt und anschließend wieder herausgezogen. Im flachen Wasser entstehen dabei manchmal kleine Spritzer und Wassertropfen. Mit einer kurzen Verschlusszeit lassen sich solche Sekundenbruchteile sehr schön festhalten.
Fotografisch gefällt mir dieses Verhalten wesentlich besser als eine Uferschnepfe, die lediglich ruhig im Wasser steht. Wenn man die Bewegungen eine Weile verfolgt und den Autofokus kontinuierlich auf das Auge hält, ergeben sich immer wieder unterschiedliche Körperhaltungen und kleine Verhaltensmomente.
Außerhalb der Brutzeit wirkt die Uferschnepfe überwiegend grau bis graubraun und besitzt eine helle Unterseite. Im Brutkleid verändert sich ihr Erscheinungsbild deutlich. Kopf, Hals und Brust bekommen warme kastanien- bis orangefarbene Töne, während die Oberseite wesentlich kontrastreicher gezeichnet erscheint.
Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede. Männchen sind im Brutkleid gewöhnlich intensiver gefärbt, während Weibchen im Durchschnitt größer und langschnäbliger sind und meist weniger kräftige kastanienfarbene Töne zeigen. Bei einzelnen Vögeln sollte man das Geschlecht anhand eines Fotos dennoch nicht vorschnell allein aus der Farbintensität ableiten.
Gerade während des Gefiederwechsels können Uferschnepfen sehr unterschiedlich aussehen. Bei mehreren Vögeln nebeneinander wird das besonders deutlich. Für mich sind solche Situationen fotografisch interessant, weil ein Gruppenbild dadurch gleichzeitig verschiedene Erscheinungsformen der Art dokumentieren kann.
Die größte Verwechslungsgefahr besteht mit der Pfuhlschnepfe. Beide Arten besitzen einen sehr langen Schnabel und lange Beine und können außerhalb der Brutzeit auf den ersten Blick ähnlich wirken. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch einige gute Unterscheidungsmerkmale.
Der Schnabel der Uferschnepfe wirkt typischerweise sehr lang und weitgehend gerade, während der Schnabel der Pfuhlschnepfe meist leicht nach oben gebogen erscheint. Auch die Körperproportionen und die Zeichnung unterscheiden sich. Besonders hilfreich wird die Bestimmung jedoch, sobald der Vogel auffliegt.
Im Flug zeigt die Uferschnepfe eine auffällige breite weiße Flügelbinde. Dazu kommen der helle Bürzel und der überwiegend weiße Schwanz mit einer breiten schwarzen Endbinde. Die langen Beine ragen deutlich über den Schwanz hinaus. Die Pfuhlschnepfe besitzt dagegen keine vergleichbar breite weiße Flügelbinde und zeigt einen gebänderten Schwanz. Gerade eine Flugaufnahme kann deshalb nicht nur fotografisch interessant sein, sondern auch wichtige Bestimmungsmerkmale sichtbar machen.
Auch die spanischen Namen greifen ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal auf: Die Uferschnepfe heißt aguja colinegra, die Pfuhlschnepfe aguja colipinta. Colinegra bedeutet wörtlich etwa „schwarzschwänzig“, während colipinta sinngemäß „bunt- beziehungsweise gezeichnetschwänzig“ bedeutet. Die spanischen Artnamen nehmen damit direkt Bezug auf die unterschiedliche Schwanzzeichnung der beiden Schnepfen.
Uferschnepfen sind Zugvögel, deren Brutgebiete sich über weite Teile Europas bis nach Asien erstrecken. Vögel verschiedener Populationen nutzen dabei unterschiedliche Zug- und Überwinterungsgebiete. Für Spanien ist die Situation besonders interessant, weil hier sowohl die kontinentale Unterart Limosa limosa limosa als auch Vögel der Unterart Limosa limosa islandica auftreten können.
Spanische Feuchtgebiete dienen Uferschnepfen sowohl als Rastplätze während des Vogelzugs als auch als Überwinterungsgebiete. Deshalb kann man die Art keineswegs nur im Frühjahr und Herbst beobachten. Größere Konzentrationen finden sich vor allem dort, wo ausgedehnte Flachwasserzonen und gute Nahrungsbedingungen vorhanden sind.
Meine eigenen Beobachtungen verbinde ich trotzdem besonders mit dem Vogelzug. Manchmal taucht eine kleine Gruppe auf, beginnt im seichten Wasser mit der Nahrungssuche und ist nach einiger Zeit wieder verschwunden. Solche Begegnungen lassen sehr schön erkennen, welche Bedeutung geeignete Feuchtgebiete als Rast- und Nahrungsplätze entlang einer Zugroute haben.
Eine der größten Schwierigkeiten besteht für mich darin, eine Uferschnepfe überhaupt unter guten fotografischen Bedingungen anzutreffen. Ein Vogel kann zwar in einem Feuchtgebiet vorhanden sein, aber trotzdem weit entfernt stehen oder sich an einer Stelle aufhalten, an der keine niedrige Perspektive möglich ist.
Wenn die Bedingungen es zulassen, fotografiere ich Limikolen möglichst auf Augenhöhe. Dadurch wirkt die Aufnahme wesentlich unmittelbarer und der Hintergrund lässt sich besser auflösen. Gleichzeitig sollte man aber nicht versuchen, einen Vogel für die gewünschte Perspektive ständig zu verfolgen. Oft ist es erfolgreicher, sein Verhalten zu beobachten und abzuwarten, in welche Richtung er sich bei der Nahrungssuche bewegt.
Da Uferschnepfen bei der Nahrungssuche ständig den Kopf bewegen, laufen und mit dem Schnabel ins Wasser oder Sediment stechen, arbeite ich normalerweise mit einer kurzen Verschlusszeit. Kontinuierlicher Autofokus, Augenerkennung und Serienaufnahme erhöhen die Chance, genau den Moment zu erwischen, in dem beispielsweise Wasser vom Schnabel spritzt oder der Vogel den Kopf wieder anhebt.
Auch auf die Belichtung sollte man achten. Besonders die hellen Bereiche des Gefieders können bei kräftigem Sonnenlicht schnell sehr hell werden. Weicheres Morgen- oder Abendlicht sowie bedeckter Himmel erleichtern eine ausgewogene Belichtung und erhalten gleichzeitig Details in den hellen Gefiederpartien.
Nicht jede Aufnahme einer Uferschnepfe muss mit einer extrem kurzen Verschlusszeit entstehen. Bei einer meiner Aufnahmen habe ich bewusst den entgegengesetzten Weg gewählt und mit 1/80 Sekunde fotografiert. Ziel war es, die Bewegung der Flügel nicht einzufrieren, sondern als Bewegungsunschärfe sichtbar werden zu lassen.
Besonders wichtig ist bei einer solchen Aufnahme für mich ein möglichst klarer Ruhepunkt im Bild. Wenn Kopf und vor allem das Auge ausreichend scharf bleiben, können die verwischten Flügel die Bewegung des Vogels betonen. Das Ergebnis unterscheidet sich deutlich von einer klassischen dokumentarischen Vogelaufnahme und zeigt, wie unterschiedlich man ein und dieselbe Art fotografisch darstellen kann.
Für mich gehört die Uferschnepfe zu den Arten, bei denen Geduld und Gelegenheit eine besonders große Rolle spielen. Nicht jede Beobachtung findet bei idealem Licht, auf kurze Distanz oder auf perfekter Augenhöhe statt. Gerade während des Vogelzugs können sich die Bedingungen innerhalb kurzer Zeit verändern.
Umso interessanter ist es, unterschiedliche Situationen festzuhalten: die Nahrungssuche im flachen Wasser, verschiedene Gefiederstadien, kleine Gruppen oder den Vogel im Flug. Besonders die Kombination aus Verhalten und erkennbaren Lebensräumen erzählt für mich mehr über die Uferschnepfe als eine Serie sehr ähnlicher Porträts.
Wenn du dich für Uferschnepfen interessierst, lohnt sich besonders ein Blick auf die Pfuhlschnepfe. Weitere interessante Arten sind die Bekassine, der Regenbrachvogel und der Große Brachvogel.
Weitere Vogelarten und meine bisherigen Fototipps findest du in der Artenübersicht.
Wann eine Vogelart in Spanien zu beobachten ist, hängt stark von Jahreszeit, Vogelzug und Lebensraum ab. In meinem Blogartikel über Vogelfotografie und Fotohides in Spanien, die Jahreszeiten im Überblick zeige ich, wie sich die Möglichkeiten zur Vogelfotografie im Laufe des Jahres verändern.
Viele der Vogelarten, die ich auf diesen Artenseiten vorstelle, lassen sich auf meinen Fotoreisen in Spanien beobachten und fotografieren. Welche Arten tatsächlich zu sehen sind, hängt immer von Region, Jahreszeit und den aktuellen Bedingungen ab.
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