Türkentaube fotografieren

Türkentaube im flachen Wasser einer offenen Landschaft in Spanien

Die Türkentaube (Streptopelia decaocto) gehört heute in vielen Teilen Spaniens ganz selbstverständlich zum Bild von Dörfern, Städten und offenen Kulturlandschaften. Ich begegne ihr in Parks ebenso wie an landwirtschaftlichen Betrieben, auf Feldern, in mediterranen Landschaften oder an Wasserstellen in trockenen, offenen Gebieten.

Auf den ersten Blick wirkt ihr Gefieder eher schlicht. Gerade auf hellen, trockenen Böden kann die beige-graue Färbung jedoch erstaunlich gut mit der Umgebung verschmelzen. Erst aus der Nähe fallen Details wie das rote Auge, der schmale schwarze Nackenring und die feinen Farbnuancen des Gefieders stärker auf.

Schwarzer Nackenring und rotes Auge

Zu den auffälligsten Merkmalen der Türkentaube gehört der schmale schwarze Nackenring, der sich deutlich vom hellen Gefieder absetzt. Bei adulten Vögeln ist er ein charakteristisches Kennzeichen der Art, während er jungen Türkentauben zunächst noch fehlt.

Die Grundfarbe wirkt je nach Licht beige, sandfarben oder hell graubraun. An Hals und Brust können außerdem wärmere, teilweise leicht rosafarbene Töne sichtbar werden. Gerade wechselndes Licht verändert den Eindruck des ansonsten recht zurückhaltend gefärbten Vogels deutlich.

Männchen und Weibchen sehen sich sehr ähnlich. Für die Fotografie ist eine sichere Geschlechtsbestimmung anhand des Gefieders deshalb normalerweise kaum möglich. Viel interessanter sind für mich die feinen Veränderungen, die Licht und Blickwinkel in den Farben des Gefieders sichtbar machen.

Porträt einer Türkentaube mit schwarzem Nackenring

Eine erstaunlich erfolgreiche Einwanderung nach Europa

Dass die Türkentaube heute so selbstverständlich zur europäischen Vogelwelt gehört, ist bemerkenswert. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt weiter östlich in Teilen Asiens und des Nahen Ostens. Im Laufe des 20. Jahrhunderts breitete sich die Art in außergewöhnlichem Tempo über Europa aus und erreichte schließlich auch die Iberische Halbinsel.

Diese Entwicklung finde ich auch persönlich interessant. Aus meiner Kindheit im Schwarzwald erinnere ich mich daran, dass die Türkentaube zunächst nicht zu den Vögeln gehörte, die ich regelmäßig wahrnahm. Später begegnete sie mir dort immer häufiger. Den genauen Zeitpunkt ihrer lokalen Ausbreitung kann ich aus dieser Erinnerung natürlich nicht ableiten, doch sie passt zu einer Art, deren europäische Verbreitung sich innerhalb weniger Jahrzehnte stark verändert hat.

Auch in Spanien erfolgte eine starke Ausbreitung. Heute ist die Türkentaube in weiten Teilen des Landes verbreitet und ganzjährig anzutreffen. Anders als bei der Ringeltaube, deren spanische Bestände im Winter durch große Zahlen von Vögeln aus Mittel- und Nordeuropa verstärkt werden können, ist die Türkentaube in Spanien vor allem Standvogel. Lokale und dispersive Bewegungen kommen dennoch vor.

Zwischen Dörfern, Feldern und Stadtparks

Besonders typisch finde ich Türkentauben in der Nähe menschlicher Siedlungen. In Dörfern und landwirtschaftlich geprägten Gebieten entdecke ich sie häufig auf Höfen, an Feldern oder in der Umgebung von Getreidelagern und Silos. Heruntergefallene Körner werden dort schnell zu einer leicht erreichbaren Nahrungsquelle.

Türkentaube auf einem Baum im warmen Licht

Genauso kann die Art in Stadtparks, Gärten und anderen begrünten Siedlungsbereichen auftreten. In der offenen Landschaft sehe ich sie ebenfalls regelmäßig. Entscheidend ist weniger ein ganz bestimmter Lebensraum als die Kombination aus geeigneten Nahrungsflächen, Bäumen oder anderen Sitz- und Brutplätzen und erreichbaren Wasserstellen.

In trockenen Landschaften fällt mir immer wieder auf, wie unauffällig die Türkentaube sein kann. Ihr helles beige-graues Gefieder verschmilzt auf sandigen oder trockenen Böden teilweise erstaunlich gut mit der Umgebung. Ihre Färbung ist natürlich keine spezielle Anpassung an die spanische Steppe, doch gerade dort zeigt sich fotografisch sehr schön, wie wenig Kontrast zwischen Vogel und Landschaft entstehen kann.

Körner und Samen als wichtige Nahrung

Die Nahrung der Türkentaube besteht überwiegend aus pflanzlichem Material. Samen und Getreide spielen dabei eine wichtige Rolle. Das erklärt auch, warum sie landwirtschaftliche Flächen und die Umgebung von Höfen so erfolgreich nutzen kann.

Bei meinen Beobachtungen sehe ich sie häufig am Boden nach kleinen Körnern suchen. Dabei bewegt sie sich relativ stetig durch die Fläche und pickt einzelne Nahrungsteile auf. Gerade an landwirtschaftlichen Betrieben können bereits geringe Mengen verschütteten Getreides mehrere Vögel anziehen.

Ein Ruf, den ich seit meiner Kindheit kenne

Oft nehme ich eine Türkentaube zunächst akustisch wahr. Ihr weit tragender, dreiteiliger Ruf wird immer wieder wiederholt und gehört für mich zu den unverwechselbaren Lauten dieser Art. Manchmal hört man den Vogel lange, bevor man entdeckt, wo er tatsächlich sitzt.

Mit diesem Ruf verbinde ich auch Erinnerungen an meine Kindheit. Wir haben versucht, ihn nachzuahmen, weil diese immer wiederkehrende Lautfolge so charakteristisch war. Bis heute ist es einer dieser Vogelrufe, die ich sofort mit der entsprechenden Art verbinde.

Auch der spanische Name weist auf die Verwandtschaft mit der Turteltaube hin. Die Türkentaube gehört wie die Turteltaube zur Gattung Streptopelia; beide werden im Spanischen als tórtola bezeichnet. Ringeltaube und Hohltaube gehören dagegen zur Gattung Columba und werden als paloma bezeichnet. Hinter den unterschiedlichen spanischen Bezeichnungen steckt damit auch eine tatsächliche systematische Trennung innerhalb der Familie der Tauben.

Türkentauben an Wasserstellen fotografieren

Wasserstellen gehören für mich zu den interessantesten Möglichkeiten, Türkentauben zu fotografieren. Besonders in trockenen Landschaften entstehen dort Situationen, in denen sich die Vögel auf Augenhöhe beobachten lassen und der ruhige Hintergrund die zurückhaltenden Farben des Gefieders gut zur Geltung bringt.

Beim Trinken gibt es allerdings einen entscheidenden Moment. Tauben können den Schnabel ins Wasser eintauchen und Wasser aufnehmen, ohne den Kopf nach jedem einzelnen Schluck anheben zu müssen. Dadurch bleibt der Kopf während des Trinkens häufig längere Zeit unten.

Türkentaube nach dem Trinken an einer Wasserstelle in Spanien

Für meine Fotografie versuche ich deshalb, die Türkentaube möglichst bereits vor dem eigentlichen Trinken zu fotografieren. Nach meiner Beobachtung wirkt die Halspartie unmittelbar danach häufig deutlich voller und breiter. Oft hebt der Vogel anschließend nur noch den Kopf und verlässt kurze Zeit später die Wasserstelle. Fotografisch gefällt mir die Körperform vor dem Trinken meist deutlich besser.

Solche kleinen Abläufe sind ein gutes Beispiel dafür, warum es sich lohnt, eine Art eine Weile zu beobachten, bevor die entscheidende Situation entsteht. Wer das Verhalten kennt, kann bereits vorher abschätzen, welcher Moment für das gewünschte Bild besonders interessant sein könnte.

Vorsichtig und ständig in Bewegung

Türkentauben empfinde ich beim Fotografieren als durchaus vorsichtig. Es gibt Ruhephasen, in denen ein Vogel längere Zeit auf einem Ast oder am Boden sitzt. Häufig ist die Art jedoch in Bewegung, verändert ihre Haltung oder dreht innerhalb kurzer Zeit den Kopf.

Deshalb arbeite ich meistens mit einer eher kurzen Verschlusszeit. Sitzt der Vogel längere Zeit ruhig, kann ich die Verschlusszeit reduzieren und dadurch gegebenenfalls auch den ISO-Wert niedriger halten. Entscheidend ist für mich, die Einstellung immer an das tatsächliche Verhalten anzupassen und nicht allein daran, dass der Vogel gerade irgendwo sitzt.

Ein zuverlässiger Augenfokus und Serienaufnahmen können dabei hilfreich sein. Schon eine kleine Veränderung der Kopfhaltung entscheidet darüber, wie gut das Auge sichtbar ist, wie der Nackenring wirkt und ob das Licht die feinen Farben im Gefieder hervorhebt.

Baden bringt Bewegung ins Bild

Noch dynamischer wird die Situation, wenn Türkentauben nicht nur trinken, sondern baden. Dabei verändert sich das Verhalten vollständig: Der Körper wird tief ins Wasser gebracht, der Kopf abgesenkt und durch schnelle Bewegungen werden Wassertropfen in alle Richtungen geschleudert.

Für solche Momente wähle ich eine entsprechend kurze Verschlusszeit und fotografiere in Serie. Dadurch lassen sich einzelne Wasserspritzer ebenso festhalten wie unterschiedliche Kopf- und Körperhaltungen. Gleichzeitig sollte die Verschlusszeit aber zur eigenen Bildidee passen, nicht jedes bewegte Wasser muss vollständig eingefroren werden.

Badende Türkentaube mit Wasserspritzern
Zwei Türkentauben gemeinsam an einer Wasserstelle

Allein, zu zweit und manchmal in Gruppen

Bei meinen Beobachtungen treffe ich Türkentauben häufig einzeln oder zu zweit an. Gerade zwei Vögel sehe ich oft über längere Zeit gemeinsam. Größere Ansammlungen sind grundsätzlich möglich, besonders an ergiebigen Nahrungs- oder Schlafplätzen, doch die großen Wintertrupps, wie ich sie von Ringeltauben auf Feldern kenne, begegnen mir bei Türkentauben deutlich seltener.

Auch an Wasserstellen erscheinen zwei Vögel manchmal gemeinsam. Bleiben sie längere Zeit dort, entstehen neben klassischen Einzelporträts auch Bilder, bei denen das Verhalten zwischen den Vögeln Teil der Aufnahme wird.

Augenhöhe, Licht und der richtige Moment

Wie bei vielen Vögeln versuche ich auch bei Türkentauben möglichst auf Augenhöhe zu fotografieren. Besonders an einer flachen Wasserstelle verändert eine niedrige Perspektive die Wirkung deutlich. Der Hintergrund wird ruhiger, die Spiegelung kann stärker in die Bildgestaltung einbezogen werden und der Vogel wirkt wesentlich unmittelbarer.

Auch das Licht lohnt sich bei dieser scheinbar unscheinbaren Art. Das rote Auge kann bei günstiger Beleuchtung sehr intensiv wirken, während im Gefieder feine warme, rosafarbene und je nach Licht unterschiedlich erscheinende Nuancen sichtbar werden. Ein ruhiger Hintergrund hilft zusätzlich, diese Details hervorzuheben.

Mindestens ebenso wichtig ist für mich jedoch das Beobachten vor dem Auslösen. Gerade an Wasserstellen entscheidet manchmal ein sehr kurzer Moment darüber, ob die Türkentaube noch aufmerksam mit schlanker Körperhaltung vor einem sitzt, den Kopf zum Trinken senkt oder bereits wieder abfliegt.

Genau um diese Art des Fotografierens geht es auch in meinem Blogbeitrag „Die besten Fotos entstehen lange vor dem Auslösen“. Viele Bilder beginnen nicht mit dem Drücken des Auslösers, sondern mit Beobachtung, Geduld und dem Verständnis dafür, was ein Tier wahrscheinlich als Nächstes tun wird.

Eine vertraute Art mit einer ungewöhnlichen Geschichte

Die Türkentaube wirkt heute so selbstverständlich, dass leicht vergessen wird, wie jung ihre großflächige Besiedlung Europas eigentlich ist. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde aus einer Art mit deutlich weiter östlich gelegenem Verbreitungsschwerpunkt ein vertrauter Vogel in Dörfern, Städten und Kulturlandschaften großer Teile Europas.

Für mich macht gerade diese Mischung die Türkentaube interessant. Sie ist keine Art, nach der man lange suchen muss, und trotzdem bietet sie mit ihrem charakteristischen Ruf, dem roten Auge, dem schwarzen Nackenring und ihrem Verhalten an Wasserstellen viele Möglichkeiten für unterschiedliche Aufnahmen.

Wer sich auch andere Tauben Spaniens genauer ansehen möchte, findet auf meinen Artseiten unter anderem die Ringeltaube, die Turteltaube und die Hohltaube. Gerade im direkten Vergleich werden die Unterschiede in Körperbau, Gefieder, Lebensraum und Verhalten besonders deutlich.

Vogelfotografie in Spanien

Die Türkentaube ist nur eine von vielen Arten, die sich in den unterschiedlichen Landschaften Spaniens beobachten und fotografieren lassen. Von trockenen offenen Gebieten und mediterranen Kulturlandschaften bis zu Feuchtgebieten und Gebirgen verändert sich die Vogelwelt teilweise innerhalb kurzer Entfernungen deutlich.

Wer sich näher mit den Tauben Spaniens beschäftigen möchte, findet auf meiner Seite auch die Ringeltaube, die Hohltaube und die Turteltaube. Gerade im direkten Vergleich zeigen sich die Unterschiede in Gefieder, Körperbau, Lebensraum und Verhalten besonders deutlich.

Auf meiner Artenübersicht findest du weitere Vogel- und Tierarten, die ich in Spanien fotografiert und über längere Zeit beobachtet habe.

Wenn du Spanien selbst mit der Kamera entdecken möchtest, findest du auf meiner Seite zu den Fotoreisen in Spanien einen Überblick über meine aktuellen Möglichkeiten für Natur- und Vogelfotografie.

Interesse an einer Fotoreise?

Du möchtest die Türkentaube und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.

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