Die Alpenbraunelle (Prunella collaris) gehört für mich zu den typischen Vögeln der spanischen Hochgebirge. Ich habe sie vor allem im Winter kennengelernt, manchmal an gut besuchten Stellen im Gebirge, manchmal aber auch erst nach einem längeren Aufstieg in felsigen, abgelegenen Bereichen. Gerade diese Verbindung mit der Hochgebirgslandschaft macht die Art für mich fotografisch besonders interessant.
Auf den ersten Blick wirkt ihr Gefieder eher unauffällig. Zwischen grauen und braunen Felsen zeigt sich jedoch, wie gut die Alpenbraunelle an ihren Lebensraum angepasst ist. Der graue Kopf, die rostbraun gezeichneten Flanken und die dunklen Flügel mit ihren hellen Flecken ergeben eine Zeichnung, die in felsigem Gelände erstaunlich gut verschwinden kann. Häufig fällt mir ein Vogel deshalb zuerst durch seine Bewegung auf.
Als Brutvogel ist die Alpenbraunelle in Spanien eng an die alpinen und subalpinen Bereiche der großen Gebirge gebunden. Besonders bedeutende Vorkommen liegen in den Pyrenäen und den Picos de Europa, sie brütet aber auch in weiteren Teilen des Kantabrischen Gebirges, im Sistema Central, im Sistema Ibérico und sogar in der Sierra Nevada. Damit reicht ihre spanische Brutverbreitung von den Gebirgen im Norden bis weit in den Süden der Iberischen Halbinsel.
Zur Brutzeit findet man die Alpenbraunelle in Spanien vor allem in großen Höhen. Typisch sind felsige Landschaften mit Geröllfeldern, Felsblöcken, offenen alpinen Wiesen und niedriger Vegetation. Die Brutgebiete liegen ungefähr zwischen 1.800 und 3.480 Metern Höhe. Genau diese Kombination aus Felsen und offenen Bereichen entspricht auch den Landschaften, in denen ich die Art bisher meistens erlebt habe.
Für die Fotografie lohnt es sich deshalb, nicht ausschließlich auf eine möglichst große Abbildung des Vogels zu achten. Gerade bei der Alpenbraunelle kann ein kleiner Vogel innerhalb einer weiten Felslandschaft viel mehr über die Art erzählen als ein eng geschnittenes Porträt.
Meine Begegnungen mit Alpenbraunellen stammen überwiegend aus dem Winter. In dieser Jahreszeit können sie für Fotografen teilweise leichter erreichbar sein als während der Brutzeit. Die Alpenbraunelle ist in Spanien zwar grundsätzlich ein Standvogel, bleibt aber nicht zwangsläufig das ganze Jahr auf derselben Höhe. Im Winter finden deutliche Höhenwanderungen statt. Die Vögel verlassen dann teilweise die höchsten Bereiche und suchen tiefer gelegene Gebirgsregionen auf.
Dadurch ist die Alpenbraunelle im Winter in Spanien wesentlich weiter verbreitet als während der Brutzeit. Sie kann dann auch in Gebirgsregionen erscheinen, in denen sie im Sommer nicht brütet. Gleichzeitig sind nicht alle europäischen Alpenbraunellen reine Standvögel. Teile der europäischen Population unternehmen im Herbst Wanderungen nach Südeuropa und teilweise bis nach Nordafrika. Wie groß der Anteil solcher Zuwanderer am spanischen Winterbestand tatsächlich ist, lässt sich allerdings nicht genau beziffern.
Im Winter begegnet man Alpenbraunellen außerdem gelegentlich in der Nähe von Berghütten, Skigebieten oder anderen von Menschen besuchten Stellen. Manche Individuen zeigen dort eine erstaunlich geringe Fluchtdistanz. Ganz anders können Begegnungen in abgelegenen Gebirgsbereichen verlaufen, wo etwas mehr Geduld notwendig ist.
Nebel, Wind und wechselndes Licht gehören dabei zum Hochgebirge. Für mich muss eine solche Aufnahme deshalb nicht nach perfektem Wetter aussehen. Ein Vogel im Nebel kann die Atmosphäre seines Lebensraums manchmal sogar besser vermitteln als eine Aufnahme bei wolkenlosem Himmel.
Die Alpenbraunelle sucht einen großen Teil ihrer Nahrung am Boden. Während der wärmeren Jahreszeit spielen Insekten und andere Wirbellose eine wichtige Rolle. Dabei sucht sie zwischen Felsen, in niedriger Vegetation und auf alpinen Wiesen nach Nahrung. Auch Schneefelder und besonders deren ausapernde Ränder können interessant sein, da sich dort Insekten und andere kleine Wirbellose finden lassen.
Im Winter verändert sich das Nahrungsangebot. Dann werden zusätzlich Samen und Früchte aufgenommen. In der Umgebung von Berghütten und Skigebieten nutzen Alpenbraunellen gelegentlich auch vom Menschen zurückgelassene Nahrungsreste.
Bei meinen Beobachtungen bewegen sich die Vögel häufig über Felsen und suchen immer wieder bestimmte Bereiche nach Nahrung ab. Genau dieses Verhalten kann man beim Fotografieren nutzen. Statt einem Vogel ständig zu folgen oder sich immer weiter anzuschleichen, lohnt es sich oft, sein Verhalten zunächst zu beobachten und an einer geeigneten Stelle zu warten. Mit etwas Geduld kommt die Alpenbraunelle bei ihrer Nahrungssuche manchmal von selbst wieder näher.
Während die Vögel im Winter teilweise in tiefere Lagen ausweichen, kehren sie zur Brutzeit in ihre hoch gelegenen Lebensräume zurück. Die Brut beginnt aufgrund der klimatischen Bedingungen im Hochgebirge vergleichsweise spät und setzt gewöhnlich erst im Juni ein.
Das Nest wird geschützt zwischen den Felsen angelegt. Dafür können Felsspalten, kleine Höhlungen und Felsabsätze ebenso genutzt werden wie geschützte Stellen zwischen Steinen am Boden. Die Alpenbraunelle bleibt damit auch während der Fortpflanzungszeit eng mit felsigen Hochgebirgslandschaften verbunden.
Für die Fotografie gilt während dieser Zeit besonders, Abstand zu halten. Sobald Vögel wiederholt dieselbe Felsspalte aufsuchen, Futter tragen oder anderes Brutverhalten zeigen, sollte die Beobachtung aus ausreichender Entfernung erfolgen, ohne die Tiere am Nest zu stören.
Fotografisch ist die Alpenbraunelle nicht unbedingt wegen schwieriger Belichtung anspruchsvoll. Ihr Gefieder besitzt weder extrem helle noch sehr dunkle große Flächen. Schwieriger ist ihre Bewegung. Bei der Nahrungssuche bleibt sie häufig nur kurz an einer Stelle und läuft oder hüpft anschließend weiter.
Ich arbeite deshalb gerne mit einer ausreichend kurzen Verschlusszeit und Serienaufnahme. Eine zuverlässige Augenerkennung beziehungsweise ein Autofokus, der konsequent auf dem Auge des Vogels bleibt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass bei schnellen Bewegungen genau die entscheidende Aufnahme scharf wird.
Wenn es das Gelände erlaubt, versuche ich außerdem möglichst auf Augenhöhe zu fotografieren. Wird eine Alpenbraunelle steil von oben aufgenommen, verschwindet sie schnell in einem unruhigen Hintergrund aus Felsen. Eine niedrigere Kameraposition schafft dagegen Abstand zwischen Vogel und Hintergrund und ermöglicht eine deutlich ruhigere Freistellung. Auch ein unscharfer Vordergrund kann dabei helfen, Tiefe in das Bild zu bringen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Foto einen vollständig aufgelösten Hintergrund haben sollte. Bei einer ausgeprägten Hochgebirgsart wie der Alpenbraunelle gehört der Lebensraum zur Geschichte. Ich fotografiere deshalb sowohl engere Aufnahmen als auch bewusst weiter gefasste Bilder, auf denen Felsen, Wetter und Landschaft sichtbar bleiben.
Gerade das letzte Bild zeigt für mich sehr schön, wie gut die Alpenbraunelle zwischen den Felsen verschwinden kann. Grau, Braun, Rostbraun, Schwarz und Weiß greifen viele Farbtöne ihrer Umgebung auf. Sitzt der Vogel ruhig, kann man ihn deshalb erstaunlich leicht übersehen. Sobald er sich bewegt, wird er dagegen meist schnell sichtbar.
Bei einer meiner Aufnahmen fiel mir außerdem eine ungewöhnlich kräftig blaugrau wirkende Federpartie unterhalb des angelegten Flügels auf. Die Färbung war für mich bereits am Vogel sichtbar und ist auch auf dem Foto deutlich zu erkennen. Ein solches blaues Feld gehört allerdings nicht zu den üblichen beschriebenen Bestimmungsmerkmalen der Alpenbraunelle. Deshalb sehe ich es als interessante Beobachtung dieses einzelnen Vogels und nicht als allgemeines Gefiedermerkmal der Art.
Wer Alpenbraunellen fotografiert, bewegt sich in einem Lebensraum, in dem noch einige andere besonders interessante Vogelarten vorkommen. Dazu gehören beispielsweise der Schneesperling, der Mauerläufer und die Alpendohle. Zusammen zeigen diese Arten, wie unterschiedlich Vögel die felsigen und teilweise extremen Lebensräume der spanischen Gebirge nutzen.
Interessant ist außerdem der Vergleich mit der Heckenbraunelle. Beide Arten gehören zur Gattung Prunella, besiedeln aber sehr unterschiedliche Lebensräume. Während die Alpenbraunelle besonders eng an offene und felsige Hochgebirgslagen gebunden ist, findet man die Heckenbraunelle wesentlich stärker in strukturreicher Vegetation.
Wer die Alpenbraunelle selbst in ihrem Lebensraum beobachten und fotografieren möchte, findet weitere Informationen auf meiner Fotoreise Nordspanien – Bergvögel & Greifvögel. Die Reise führt während der Brutzeit in die hoch gelegenen Lebensräume der Alpenbraunelle. Die felsige Berglandschaft und die besondere Atmosphäre des Hochgebirges bieten dabei schöne Möglichkeiten, die Art in ihrem natürlichen Umfeld zu beobachten und zu fotografieren.
Auch im Winter bietet Spanien besondere Möglichkeiten für die Vogelfotografie. Welche Motive diese Jahreszeit bereithält und warum gerade dann besondere Aufnahmen entstehen können, zeige ich in meinem Beitrag Vogelfotografie im Winter in Spanien: Warum diese Jahreszeit besondere Bilder ermöglicht.
Weitere Reisen und Möglichkeiten zur Naturfotografie findest du in der Übersicht meiner Fotoreisen in Spanien. Bereits vorgestellte Vögel und andere Tiere findest du in meiner Artenübersicht.
Du möchtest die Alpenbraunelle und andere Vogelarten in Spanien fotografieren? Dann kannst du mich gerne unverbindlich über das folgende Anfrageformular kontaktieren. Ich freue mich darauf, von dir zu hören und gemeinsam die Möglichkeiten für deine Fotoreise zu besprechen.